Innovative Geschäftsmodelle erfolgreich umsetzen

Feature | 4. Oktober 2006 von admin 0

SOA Foundation

SOA Foundation

Der Fokus einer SOA liegt auf größerer Flexibilität: Organisationen und Prozesse müssen schnell wandelbar sein, die IT soll rasch auf neue Geschäftsanforderungen reagieren. Die SOA soll dazu beitragen, dass Software mehrfach verwendet werden kann, oder die Total Cost of Ownership (TCO) verringern. So müssen beispielsweise bei einer SOA-basierten Lösung die Auswirkungen auf Organisation, Prozesse und IT aus „time to market“-Gründen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt bekannt sein. Modelle, die schon in der Analysephase simulierbar sind, gewinnen hier im Vergleich zu einer normalen Anwendung an Bedeutung.
Ein weiterer wichtiger Unterschied ergibt sich aus der Zielsetzung, eine größere Integrationsfähigkeit der zu erstellenden Komponenten zu erreichen und zugleich möglichst zahlreiche bereits vorhandene Komponenten einzubinden. Das setzt einerseits die verstärkte Standardisierung der Komponenten-Schnittstellen voraus und andererseits eine große Service-Liquidität, also eine möglichst hohe Anzahl von Services, intern wie auch extern.
Der Lebenszyklus einer SOA-basierten Entwicklung gliedert sich in fünf Schritte:

1. Die Modell-Phase

Jeder einzelne Geschäftsprozess, beispielsweise die Kreditberatung, muss modelliert, simuliert und verbessert werden. Daher beginnt die Modell-Phase klassisch mit der Sammlung und Analyse der Geschäftsanforderungen – Ist- und Soll-Zustand sowie Merkmale wie Durchlaufzeit, Kosten, Fehlerquoten, existierende oder fehlende Funktionen. Das Resultat dieser Analyse dient als Ausgangspunkt, um die benötigten Services mit ihren Service-Level-Merkmalen zu entwickeln. Hier fällt beispielsweise die Entscheidung, ob Servicegranularitäten geändert oder externe Services eingebunden werden. Da viele Unternehmen eine SOA einführen, damit sie schnell auf Veränderungen reagieren können, ist es in dieser Phase wichtig, ein Modell zu entwickeln, mit dem sich frühzeitig eine Simulation erstellen lässt und das alle Auswirkungen aufzeigt. So lassen sich Fehler vermeiden und Änderungen flexibel einplanen.
Möchte beispielsweise ein Produktentwickler eine innovative Idee umsetzen, so erstellt er für die SOA-basierte Anwendung neben den üblichen klassischen Marktanalysen ein Prozessmodell, das auf Annahmen basiert und zunächst die Auswirkungen auf Ablauf- und Aufbauorganisation sowie die IT-Infrastruktur berücksichtigt. Damit und anhand entsprechender Simulationen lässt sich leicht ablesen, ob sich ein Prozess technisch umsetzen lässt und wie wirtschaftlich er ist. Bei seiner Implementierung werden dann bestehende und neue Servicekomponenten verbunden. Einmal in Betrieb, lässt sich der Prozess sowohl aus Sicht der Geschäfts- als auch der IT-Prozessebene steuern und überwachen. Das Modell kann anhand der kritischen Erfolgsfaktoren jederzeit überprüft und bei Bedarf optimiert werden. Monitoringinformationen fachlicher wie technischer Art – etwa Durchlaufzeiten, Kosten, Verfügbarkeit der technischen Komponenten oder der Einhaltungsgrad bei Service-Level-Vereinbarungen – werden gesammelt und in das Modell zurückgereicht, um die Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Prozess und Modell stehen also in einer fortwährenden, wechselseitigen Beziehung.

2. Die Assemble-Phase

In dieser Phase geht es darum, neue Services, etwa ein Bonitäts-Scoring, zu entwickeln oder aus existierenden Komponenten wie CRM- und Finanzsystemen, Abwicklungssystemen oder anderen zusammenzustellen. Einmal verfügbar, lassen sich diese Services jederzeit entlang eines Prozessmodells einbinden. Die Service-Ablage, das so genannte Repository, zum Publizieren und (Wieder-)Finden bildet dabei ein sehr wichtiges Bauteil. Um eine möglichst große Flexibilität zu erreichen, muss geklärt werden, ob der Prozess klassisch programmiert oder von einer Prozessmaschine modell-basiert ausgeführt werden soll. Je höher die Wahrscheinlichkeit, dass nachträglich Veränderungen notwendig sind, desto effizienter für eine SOA ist der modell-basierte Ansatz.
Ein weiteres wichtiges Element in dieser Phase ist die Integrationsfähigkeit der Anwendungen und in diesem Zusammenhang auch das Thema Standardisierung. Die Integrationsfähigkeit einer Lösung hängt sehr stark vom Grad ihrer Standardisierung ab. Nur standardisierte Anwendungen – in fachlicher und technischer Hinsicht – lassen sich wiederverwenden. Dabei erleichtern offene und vor allem global anerkannte Standards wie Web Service Definition Language (WSDL) oder Business Process Execution Language (BPEL) schon die bereichs- und erst recht die unternehmensübergreifende Integration maßgeblich. Auch der Aufwand für Tests reduziert sich dadurch deutlich; ihre Anzahl verringert sich und sie lassen sich einfacher durchführen.

3. Die Deployment-Phase

Während der Deployment-Phase wird die Laufzeitumgebung so konfiguriert, dass die vom Prozess benötigten Service-Level wie Verfügbarkeit, Durchsatz, Antwortzeiten oder Wiederanlauf bei Ausfall erfüllt werden. Das bedeutet, dass das operationale Modell implementiert und die benötigten Ressourcen – Rechenleistung, Speicher oder Netzwerkkapazität – installiert und zugeordnet werden. Die große Herausforderung in diesem Abschnitt besteht darin, eine Integrationsinfrastruktur, beispielsweise Portal, Enterprise-Service-Bus oder Prozess-Engine, zu schaffen und so zu pflegen, dass sich Menschen, Prozesse und Informationen einfach und schnell einbinden lassen. Diese Infrastrukturen beeinflussen sowohl die Geschwindigkeit der Entwicklung als auch die Servicequalität entscheidend. Sie sind deshalb durchaus mit den Transaktionsmonitoren heutiger Legacy-Systeme zu vergleichen, die das Nervensystem vieler moderner Kernanwendungen bilden. Eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung von flexiblen Systeminfrastrukturen spielt außerdem die Virtualisierung der benötigten Ressourcen, um bei Bedarf, also bei Engpässen oder Fehlern, schnell und weitgehend automatisiert wichtigen Prozessen zusätzliche Ressourcen wie Rechner-, Speicher- oder Netzwerkkapazität zur Verfügung zu stellen.

4. Die Manage-Phase

Während der Manage-Phase geht es hauptsächlich darum, die Verfügbarkeit und andere nicht-funktionale Anforderungen von Services – Durchlaufzeiten, Fehlerquote oder Kosten – zu erfüllen. Key-Performance-Indikatoren werden überwacht, um sowohl fachlichen Problemen, wie organisatorischen Engpässen, als auch technischen Schwierigkeiten, etwa zu geringen Rechnerkapazitäten, vorzubeugen beziehungsweise sie zu finden und zu beheben. Wird der Erfüllungsgrad der Geschäftsprozesse kontinuierlich gemessen, so lassen sich diese Informationen in das Geschäftprozessmodell zurückspielen, um die notwendigen Anpassungen gezielt durchzuführen. Das setzt einen kontinuierlichen Lernprozess in Gang, der dazu beiträgt, die Abläufe langfristig zu verbessern.

5. Governance

Ein kritischer Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen ist und bleibt ein funktionierendes Governancemodell. Für den SOA-Ansatz gilt das sogar noch mehr. Denn eine Komponentisierung auf Basis einer funktionalen Standardisierung und die dadurch notwendige Integration erhöhen den Bedarf an durchgängigen Managementsystemen und klar definierten Rahmenbedingungen. Um das Ziel zu erreichen, ist es nötig, innerhalb der Geschäftsbereiche und der IT klare Verantwortlichkeiten und Qualitäts-, Mess-, Bewertungs- und Reportingstandards einzuführen, die der Unternehmenskultur und -strategie entsprechen. Denn die Durchsetzung der erforderlichen Richtlinien ist keine Option, sondern eine Voraussetzung für erfolgreiche SOA-Projekte. Nur so lassen sich gegebenenfalls auch Unternehmensziele wie Umsatz- und Profitsteigerung durch kontinuierliche Innovation im gewünschten Zeitrahmen und Umfang erzielen.

Norbert  Schädler

Norbert Schädler

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