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Was SAP IBP heute kann

Feature | 20. Juli 2017 von Andreas Schmitz 51

Vor mehr als zwei Jahren wurde SAP Integrated Business Planning (SAP IBP) als Ergänzung zu SAP Advanced Planning and Optimization (SAP APO) vorgestellt. Inzwischen ist SAP IBP mindestens ebenbürtig.

Wer heute über die Planung von Lieferketten nachdenkt, kommt nach wie vor an Oliver Wight kaum vorbei. Sein Konzept der integrierten Unternehmensplanung stammt zwar aus den 90er Jahren und ist damit schon einige Jahrzehnte alt. Doch ist die bereichsübergreifende Absatz- und Produktionsplanung vom Marketing, über den Vertrieb und die Produktion bis hin zum Finanzwesen – „S&OP“ genannt – aktueller denn je. „Das liegt daran, dass die Systeme reifer geworden sind“, erläutert Peter Bickenbach, Leiter des SCM Solution Hubs MEE bei SAP. Während die strategische und taktische Planung nach Wight damals bedeutete, zu 90 Prozent mit der Prozessberatung zu tun zu haben und nur zu zehn Prozent durch geeignete Systeme unterstützt zu werden, hat sich das Verhältnis inzwischen fast gedreht. Mindestens auf 40 Prozent schätzt Bickenbach heute die Unterstützung durch geeignete IT, etwa SAP IBP. Und auch die bedarfsorientierte Materialplanung – Demand Driven MRP (DD-MRP) genannt – ist längst mehr als eine Vision. Das DD-MRP hat die gesamte Lieferkette im Blick. „Es ist in der Lage, günstige Entkopplungspunkte zu identifizieren und so den Peitscheneffekt wegzunehmen“, beschreibt Oliver Schuck als Head of Supply Chain IoT Germany bei SAP einen wichtigen Vorteil. Schon kleine Änderungen in der Nachfrage nach einem Produkt bewirken in komplexen Lieferketten (Supply Chains) demnach große Ausschläge in der Bestellmenge. Der Grund: Koordinationsprobleme in Lieferketten.

SAP IBP: 6 wichtige (und neue) Funktionen

Schritte in Richtung dieser Planungsphilosophie macht SAP mit SAP Integrated Business Planning, das SAP APO im Supply Chain Management unterstützt. Folgende Vorteile machen SAP IBP aus:

1. Best-Case: Szenarien mit verschiedenen Versionen planen

Ein Worst-, Best- und Realistic-Case ist planbar. Die Szenarien lassen sich untereinander vergleichen. Für die verschiedenen Versionen einer Planung lassen sich unterschiedliche Stamm- und Bewegungsdaten hinzuziehen. „Die Planung mit SAP IBP ist mit wenigen Handgriffen gemacht“, sagt Schuck, „mit SAP APO ist das nur mit großem Aufwand möglich.“

2. Gating-Faktoren: Auf Unerwartetes reagieren

Als „Ernten der Früchte der Planung“ bezeichnet SAP-Experte Bickenbach die „Response“-Funktion in SAP IBP. Oft plant der Kunde detailliert sämtliche internen Prozesse vom Verkauf bis zur Bestandsplanung. Trotzdem kann er nicht verhindern, dass Unerwartetes dazwischenkommt. SAP IBP findet diese „Gating-Faktoren“, etwa Engpässe beim Lieferanten, Verzögerungen während des Transports oder in internen Prozessen. Planungsvorhersage- und Netzwerkalgorithmen entdecken frühzeitig „Gates“ – Türen, die sich irgendwo plötzlich in der Lieferkette schließen können. Oder sie wissen rechtzeitig, wann sie zufallen werden.

3. Vorausschauende Analyse: Entwicklungen simulieren

Angenommen, ein Unternehmen hat vor, in Osteuropa ein Werk zu bauen, um neue Märkte zu erschließen. Dann verändert sich die gesamte Lieferkette. Neue Lieferanten kommen hinzu, Wege und Prozesse ändern sich. Die Frage ist, mit welchen Partnern und mit welchen Prozessen sich ein solches Werk unter dem Strich am meisten rechnet und die Investitionen in der Region am schnellsten amortisieren. Wenn eine Werbeaktion für den Folgemonat angeschoben wird, ist klar, dass der Absatz kurzzeitig beispielsweise um das dreifache steigen wird. „Derartige Simulationen, die die gesamte Lieferkette abdecken, lassen sich einfacher erstellen und miteinander vergleichen“, erläutert Schuck. So genannte Uplift-, Downlift- oder Basis-Versionen lassen sich berechnen und vergleichen, also Algorithmen dafür einsetzen, um vorherzusagen, wie sich eine Marketingaktion auf das Verhalten der Kunden auswirken wird.

4. SAP JAM und Co-Pilot: Kollaboration nutzen

Wenn Unternehmen einmal im Jahr ihre Finanzplanung vorlegen, sind diverse Abteilungen gefordert. Vom Verkauf über das Marketing, den Vertrieb bis hinein in die Produktion. Sind die erforderlichen Stückzahlen produzierbar, sind genug Lieferanten an Bord? Wie und wann sollte das Marketing idealerweise unterstützen? Mit dem Kollaborationstool SAP JAM lassen sich die Abstimmung zwischen den Bereichen orchestrieren, Aufgaben verteilen, Abstimmungen und Diskussionen anregen, Personen allokieren. Hinzu kommt der Co-Pilot, ein virtueller Assistent, der künftig mit Unterstützung des „Natural Language Processing“ (NLP) möglich wird. Er wird per Sprachanweisung auf Business-Content zugreifen können. „SAP IBP arbeitet beim Co-Pilot mit dem SAP-Fiori-Konzept, das SAP auch für SAP S/4HANA, SAP Cloud for Customer und SAO PLM einsetzt“, erläutert Bickenbach.

5. SAP Ariba: Sekundärbedarfe mitteilen

Der nächste „große Wurf“, wie Peter Bickenbach sagt, soll die Einbindung von SAP Ariba in die Lieferkette werden. „Über den Standard wird es möglich sein, Lieferanten in das eigene Netzwerk aufzunehmen und ihnen aus dem SAP-Ariba-Netzwerk über SAP IBP Sekundärbedarfe mitzuteilen.“ Lieferanten können ein Angebot abgeben und ihre „Advanced Shipping Notifications“ (ASN) einstellen, die sie dazu verpflichtet, entsprechende Lieferungen zu übernehmen. „Es wird kein EDI und kein Fax mehr nötig sein, da der komplette Prozess über SAP IBP abgewickelt wird“, erwartet Bickenbach.

6. SAP Leonardo: SAP IBP mit einbezogen

Wenn das italienische Unternehmen Trenitalia seine Energieinfrastruktur überwacht, ist SAP IBP für die Planung der „Medien“ wie etwa Raffinerien involviert. Das Internet of Things (IoT) unterstützt die Planung darin, frühzeitig zu erkennen, ob eine Lieferung in Gefahr ist oder sich verzögert. Messwerte von Wärmekameras geben Aufschluss darüber, ob etwa ein Kühler ausgefallen ist, Sensoren messen die Fließgeschwindigkeit von Ölen und anderen Medien. Auf einem Management-Dashboard visualisiert das Planungstool die aktuelle Situation. „SAP IBP ist ein Teil von SAP Leonardo“, bemerkt Bickenbach, der in diesem Fall etwa eine Symbiose besonders zu SAP PLM – also Visualisierung von 3D-Daten von auszuwechselnden Ersatzteilen – und SAP Predictive Maintenance and Service (SAP PdMS) sieht.

Jedes Quartal gibt es weitere kleine funktionale Verbesserungen. So ist es nun etwa möglich, eine Wurzelfehleranalyse – der Rootcause Analysis – in einem Baumdiagramm darzustellen oder aber die gesamte Historie der Änderungen im Planungsprozess in Excel angezeigt zu bekommen. Noch dazu angereichert mit Kommentaren, die einen Absprung in SAP JAM erlauben. Auch das gehört zu einer ausgereiften integrierten Unternehmensplanung à la Wight dazu.

Weitere Informationen:

Einen einführenden Beitrag über SAP IBP finden Sie im SAP News Center.

Hier eine kurze Einführung in das Thema SAP IBP im Video:

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