Integrationskonzept der Zukunft für den Mittelstand

Integrationsprojekte, wie sie etwa mit der Einführung von Unternehmensportalen oder E-Commerce-Lösungen einhergehen, waren bisher aufgrund der vorherrschenden anwendungsorientierten Architekturen zeitaufwändig und damit teuer. Laut einer Untersuchung von ibi Research ist dies das Resultat einer Denkweise in monolithischen Strukturen und führte in mittelständischen Betrieben oft zu unübersichtlichen Schnittstellenlandschaften sowie hohen IT-Betriebskosten.

Software als Service

Im Gegensatz hierzu verfolgen Service-orientierte Architekturen (SOA) einen an den Unternehmensabläufen ausgerichteten Ansatz. Hier werden Geschäftsprozesse – wie etwa die Authentifizierung und personalisierte Bereitstellung von IT-Ressourcen in einem Unternehmensportal – von unterschiedlichen Software-Komponenten ausgeführt. „Technisch gesehen ist das Konzept nicht einmal ganz neu“, stellt Marcus Hammer, Senior Consultant bei der META Group Deutschland fest, „denn große Anwendungen sollen zugunsten von Geschäftsprozessen aufgebrochen werden. Ziel einer SOA ist daher, Funktionalitäten als modulare und wiederverwendbare Services zur Verfügung zu stellen.“

Neue Anwendungen können dann aus bereits existierenden Diensten „quasi wie Legosteine zusammengesetzt“ werden. Das erleichtert es den Unternehmen, laufende Anwendungen durch den Austausch einzelner Services zu modifizieren, zu erweitern sowie zu optimieren. „Wesentlicher Vorteil einer SOA gegenüber anderen Integrationsansätzen ist ihre hohe Flexibilität, denn sie stellt sicher, dass die implementierten Komponenten in unterschiedlichen Zusammenhängen wiederverwendet werden“, beschreibt Rainer von Ammon, Professor für Software Engineering und Distributed Systems an der Fachhochschule Oberösterreich, die Vorteile. „Daraus ergibt sich fast zwangsläufig, dass sich eine SOA auf die eigentlichen Geschäftsprozesse fokussiert, während die Technologie als Mittel zum Zweck in den Hintergrund rückt.“

Schnittstellen reduzieren, Transparenz verbessern

Für META-Group-Consultant Marcus Hammer „ist das Konzept einer Service-orientierten Architektur auch dadurch interessant, dass Unternehmen künftig Drittanwendungen schneller und kostengünstiger in ihre bestehende Architektur einbinden können.“ Voraussetzung hierfür ist beispielsweise eine ERP-Software der neuesten Generation wie mySAP ERP, die modular sowie flexibel aufgebaut ist und zudem alle Schnittstellen als Web Services beschreibt. Ebenso wichtig ist ein entsprechendes Infrastruktur-Angebot, wie es die SAP mit den verschiedenen SAP-NetWeaver-Komponenten liefert. SAP NetWeaver fungiert dabei als technologische Plattform für die Service-orientierte Architektur SAP Enterprise Service Architecture (SAP ESA). Deren Anwendungen sind offen und mit den gängigen Entwicklungs-Plattformen für das Web, wie J2EE (Java 2 Enterprise Edition) oder .NET, kompatibel. So entsteht eine umfassende SOA, die hohe Einsparpotenziale bei B2B-Geschäftsprozessen verspricht, da unterschiedliche Applikationen (SAP und Non-SAP) über Standards problemlos Daten austauschen.

Das beschleunigt Geschäftsprozesse, zum Beispiel Auftragsverwaltung oder Bestellung. Diese einzelnen Schritte sind mit verschiedensten Systemen und Informationsquellen in Fachabteilungen und bei externen Partnern verknüpft. Web Services vernetzen die einzelnen Applikationen und führen sie auf einer einheitlichen Oberfläche, etwa einem Unternehmensportal, zusammen, welche die Daten internen sowie externen Anwendern über das Internet als „Dienst“ bereitstellt. Die Services sind über standardisierte und plattformunabhängige Schnittstellen lose miteinander gekoppelt. Das gewährleistet stets einen aktuellen Überblick über alle geschäftsrelevanten Daten, wodurch ein Unternehmen selbst auf unerwartete Veränderungen des Marktes schnell reagieren und beispielsweise Auftragsannahme oder Bestellprozesse entsprechend verändern beziehungsweise anpassen kann.

Wiederverwendbarkeit steigert Effektivität

Die Attraktivität einer SOA liegt dabei auf der Hand. Bei immer komplexer werdenden Geschäftsprozessen sowie „herkömmlichen“ Software-Systemen werden Wartung, Pflege und Entwicklung von Schnittstellen zwischen den verschiedenen Systemen ebenfalls vielschichtiger. Nach Schätzungen der Gartner Group verschlingt das bis zu 40 Prozent des IT-Budgets eines Unternehmens. Aus diesem Grund versuchen Firmen, ihre heterogenen Systemlandschaften durch Service-orientierte Architekturen flexibler und übersichtlicher zu gestalten. Laut einer Forrester-Studie („Integration in a Service-Oriented World“) lassen sich die Kosten für Wartung, Pflege, Entwicklung und Integration durch eine SOA um 30 Prozent oder mehr reduzieren. Solche Einsparungen werden unter anderem durch Standardisierung und die Wiederverwendbarkeit von Systemkomponenten ermöglicht. Letztere ist in diesem Kontext für Ronald Schmelzer, Chef-Analyst der US-Beratungsfirma ZapThink, geradezu das Mantra einer SOA.

Als weiteren Punkt heben die Forrester-Analysten Ken Vollmer und Mike Gilpin hervor, dass interne und externe Informationen, etwa mit Partnern, Kunden und Zulieferern, schneller und effektiver austauschbar sind. „Unternehmen werden somit schlichtweg agiler“, verdeutlicht Marcus Hammer. Die Forrester-Analysten raten, die wiederverwendbaren Dienste mit aktuellen Geschäftsprozessen abzugleichen, so dass sie für Anwender erkennbar sind. Menschen, Informationen und Geschäftsprozesse müssen dabei über verschiedenste Technologien und Organisationsformen hinweg vernetzt werden.

Strukturierte Einführung spart Kosten

Allerdings warnen Vollmer und Gilpin davor, Einsparungen linear zur Einführung einer SOA zu erwarten, denn die Anfangskosten eines SOA-Projekts können durchaus höher liegen als bei traditionellen Implementierungsprojekten. Um langfristig Kosten zu senken, kommt es auf eine strukturierte Einführung an. Zunächst muss das Grundgerüst der künftigen Architektur festgelegt werden, dann bindet man die innerbetrieblichen Komponenten der SOA an. Anschließend werden neue Integrationskanäle geschaffen und im letzten Schritt schließlich Partner, Kunden und Zulieferer in die neue Architektur eingegliedert. Die Experten von ibi Research kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Sie identifizierten drei so genannte „sekundäre Ziele“, die helfen, das primäre Ziel, die Kostensenkung, zu erreichen.

Deshalb gilt bei SOA-Projekten das Prinzip „Think big – start small“. Die Unternehmen sollten eine SOA in jedem Fall mit wichtigen vertikalen Prozessen (etwa Auftragseingang) sowie den sie unterstützenden horizontalen Diensten (z.B. dem Versenden von Dokumenten per E-Mail oder Fax) beginnen. Nach ibi Research sehen unter anderem mittelständische Unternehmen in SOA-Projekten die fachliche Komplexität als wesentliche Herausforderung an, weniger hingegen technologische Aspekte. Deshalb ist bei der Einführung einer SOA die Zusammenarbeit zwischen IT-Abteilung und Fachbereichen von fundamentaler Bedeutung für den Erfolg. Das wirkt sich auch auf die Unternehmensstrukturen aus, denn Verantwortlichkeiten müssen neu ausgerichtet, Zugriffsrechte neu geregelt werden. „Im Idealfall sorgt eine SOA dafür, dass Firmen sich auf ihre Geschäftsprozesse konzentrieren und nicht auf die Software“, stellt Marcus Hammer abschließend fest.

Weitere Informationen:

Allgemein: www.developer.com/tech/article.php/1041191 (Michael Stevens beschreibt darin „The Benefits of a Service-Oriented Architecture”)

Studien: www.fh-ooe.at, www.forrester.com, www.gartner.com, www.ibi.de, www.metagroup.com, www.zapthink.com

SAP: www.sap.com/solutions/netweaver

Dr. Andreas Schaffry