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Feature | 9. November 2010 von Tobias Essig 0

Zukunft: Das Internet als Plattform für die Bereitstellung von Diensten (Foto: fotolia)

Zukunft: Das Internet als Plattform für Dienstleistungen (Foto: fotolia)

Heute ist das Internet das zentrale Medium für den Informationsaustausch. In Zukunft wird es immer stärker eine Plattform für die Bereitstellung von Dienstleistungen sein – ein Internet der Dienste.

Dies ist auch das Ergebnis eines Symposiums, zu dem die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) hochkarätige Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft am 14. September 2010 nach Berlin eingeladen hatte. Darunter waren SAP-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe, Martin Jetter, Geschäftsführung IBM Deutschland, und Siemens-Vorstand Hermann Requardt.

Im Internet angebotene Dienstleistungen sollen so leichter auffindbar, verglichen und miteinander verknüpft werden. Nicht nur der Verbraucher, auch der B2B-Sektor profitiert von einem größeren und übersichtlicheren Angebotsportfolio, an dem auch klein- und mittelständische Betriebe einfach teilhaben können.

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Prof. Dr. Henning Kagermann (acatech) begrüßt die Teilnehmer des Symposiums (Foto: acatech/David Ausserhofer)

Henning Kagermann (acatech) begrüßt die Teilnehmer (Foto: acatech/David Ausserhofer)

Schnelle Hilfe bei Hagelschäden

Bislang überwiegen noch Frust und mühselige Recherche, wenn Service-Anbieter in einer Wertschöpfungskette kombiniert werden sollen. Anders beim Internet der Dienste: Es bietet Technologien, die bei der Bereitstellung von Mehrwertdienstleistungen, sogenannten Value-added Services, helfen. Beim acatech-Symposium in Berlin wurden am Beispiel einer Schadensregulierung in der Kfz-Versicherungsbranche die zukünftigen Stärken des Internets der Dienste gezeigt.

Wird der Kfz-Versicherung ein Hagelschaden an einem Kundenfahrzeug gemeldet, gilt es für die Versicherung mehrere Unternehmen einzubeziehen – etwa Mietwagenunternehmen, Abschleppdienste, Werkstätten, Gutachter, Prüfdienstleister. Diese müssen heute zeitaufwändig gefunden, beauftragt und bezahlt werden. Webbasierte Dienste können hier allen Beteiligten die Arbeit erleichtern und Transparenz schaffen.

Dem Versicherer soll es dabei möglich sein, über eine Serviceplattform zertifizierte Werkstätten, Abschleppdienste und Mietwagenunternehmen sowie Komplettangebote zu suchen und dem Geschädigten anzubieten. Dabei lassen sich Vorgaben hinsichtlich Zeit, Kosten und Qualifikationen schnell und einfach berücksichtigen. Gutachter werden bei Bedarf eingeschaltet und können ihre Gutachten direkt elektronisch dem Versicherungsfall hinzufügen. SAP Research arbeitet auch daran mit, eine Dienstplattform für die Regulierung von Versicherungsfällen zu erstellen.

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Orestis Terzidis (SAP) präsentiert das THESEUS-Anwendungsszenario TEXO (Foto: acatech/David Ausserhofer)

Orestis Terzidis (SAP) über TEXO und USDL (Foto: acatech/David Ausserhofer)

USDL – Eine neue Sprache fürs Internet

Damit diese Vision Realität wird, bedarf es Standards, die garantieren, dass die Dienste von Menschen und Maschinen gleichermaßen verstanden und effizient genutzt werden können. Hierzu wurde die Unified Service Description Language (USDL) entwickelt. USDL ist ein Zusatz zu bisherigen technischen Beschreibungen wie WSDL. Insbesondere deckt sie neben technischen Aspekten auch betriebswirtschaftliche Informationen ab. Zu ihnen zählen Preismodelle, Lizenzen und Dienstgüte, die für die Beteiligten der Wertschöpfungskette von Belang sind.

Ziel von USDL ist es, Dienste so zu beschreiben, dass sie unter gleichen Bedingungen handel- und konsumierbar werden – unabhängig davon, ob sie automatisiert oder manuell erbracht werden. Gegenwärtig wird USDL bei verschiedenen kleinen und mittelständigen Unternehmen validiert. Die Ergebnisse der Validierung fließen dann in den Standardisierungsprozess ein.

Etablierung eines globalen IT-Standards

„Dienstleistungen sind ein wesentlicher Bestandteil entwickelter Volkswirtschaften. Durch IT können sie in einem neuen Medium angeboten, kombiniert und in vielen Fällen auch erbracht werden“, sagt Orestis Terzidis, Leiter des SAP Research Center Karlsruhe. „Durch die vereinheitlichte Dienstbeschreibungssprache USDL soll ein globaler IT-Standard etabliert werden, der gemeinsam mit den Gremien des World Wide Web Consortiums (W3C) erarbeitet wird.“ Neben der SAP sind die Partner Attensity Europe GmbH (ehemals Empolis), Siemens sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) an der neu gegründeten W3C USDL Incubator Group beteiligt.

USDL ist ein Ergebnis mehrerer Forschungsprojekte, an denen SAP Research beteiligt ist. Hierzu gehört auch TEXO, das zu dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) initiierten Forschungsprogramm THESEUS gehört. THESEUS möchte einen Beitrag für eine aufkommende webbasierte Wissensinfrastruktur leisten, in der das Wissen im Internet künftig besser aufbereitet und genutzt werden kann.

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Lebenszyklus von Diensten

TEXO entwickelt darin eine Infrastruktur für Business Webs im Internet der Dienste. Wesentlicher Bestandteil ist die Ausgestaltung einer Infrastruktur rund um den Lebenszyklus von Diensten. Diese Infrastruktur besteht aus Werkzeugen zur Innovation, zum Erstellen und Vermitteln sowie zum Ausführen und Benutzen von Diensten und Dienstleistungen. Für die Vermittlung wurde beispielsweise ein Marktplatz geschaffen, auf dem in USDL beschriebene Dienste eingestellt und gehandelt werden können.

„Dienstleistungen können mittels USDL verlässlich beschrieben und einfach von ihren Konsumenten verstanden werden“,  sagt Rainer Ruggaber, Enterprise Architect beim Internet Service Provider 1&1. USDL soll den Unternehmen die Möglichkeit bieten, neue Kanäle wie App-Stores oder Service Parks schnell und einfach zu adressieren. „Interessant für 1&1 wird USDL, sobald eine breite Akzeptanz bei den Internet-Serviceanbietern erreicht ist und die Nutzer über entsprechende Toolkits verfügen“, so Ruggaber. Dann kann der gesamte Dienstleistungs- und Informationssektor von USDL profitieren.

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