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Internet of Things geht in die Breite

Feature | 8. April 2015 von Andreas Schmitz 0

Eine Handvoll Sensoren und eine leistungsfähige Plattform: Mehr braucht es nicht, um IoT im eigenen Unternehmen zu testen. Timo Deiner, Senior Presales Expert Internet of Things von SAP, über den Einstieg in IoT.

Capgemini machte kürzlich auf diverse Hindernisse aufmerksam, die einem nützlichen Internet of Things aktuell noch im Wege stehen. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Natürlich gibt es diese Hindernisse, denn es handelt sich ja um eine relativ neue Entwicklung. Die IT-Infrastruktur muss in der Lage sein, Sensordaten zu verstehen und zu verarbeiten. Es müssen entsprechende Analysewerkzeuge da sein und das Team muss verstehen, dass aus den Sensordaten nicht nur Dashboards erzeugt werden sollen, sondern mit den gewonnenen Erkenntnissen Geschäftsprozesse optimiert oder sogar neue Geschäftsmodelle erschlossen werden können. So ein Wandel ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.

Was raten Sie einem Unternehmen, das die ersten Schritte in Richtung IoT gehen möchte?

Der Einstieg muss keine große Sache sein. Denn eine Testinstanz der SAP HANA-Cloud reicht zunächst aus. Hier lassen sich Geräte konnektieren, Sensoren adaptieren und kleine Szenarien ausprobieren. Die Testballons sind wichtig, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was möglich und für das eigene Geschäft sinnvoll ist. Um die Einstiegshürde besonders niedrig zu halten, kostet die Testversion der SAP-HANA-Cloud-Plattform auch nichts. In einem späteren Schritt kann man dann bestehende On-Premise-ERP- und Produktionssysteme in seine Cloudlandschaft zusätzlich integrieren.

Wie komme ich an das Wissen, um die Plattform nutzen zu können?

Im Cloud Platform Development Center im SAP Community Network sind viele Programmieranleitungen zu finden. Und auch von SAP-Seite bieten wir in Kürze entsprechende kostenlose Kurse an, um IoT-Projekte im Unternehmen selbständig aufsetzen und weiterentwickeln zu können. Aktuell gibt es bereits Kurse, die als Vorbereitung sehr wichtig sein können – etwa eine Einführung der SAP HANA-Cloud-Plattform und ein Seminar über die digitale Transformation. Wichtig ist, dass die Hemmschwelle für Unternehmen niedrig ist, sich mit IoT zu beschäftigen.

Timo Deiner,

Timo Deiner, Senior Presales Expert Internet of Things von SAP, über den Einstieg in IoT: “Wichtig ist, dass die Hemmschwelle für Unternehmen niedrig ist, sich mit IoT zu beschäftigen.”

Tatsächlich werden sich Unternehmen und Mitarbeiter umstellen müssen, wenn Sie künftig eher Services als Produkte verkaufen. Wie weit sind die Unternehmen?

Am besten bekannt sind natürlich Szenarien etwa für vorausschauende Wartung und die Optimierung der Logistik. Allerdings bekommen wir immer mehr Anregungen auch aus anderen Branchen als der Fertigung und Produktion. Versicherungskonzerne etwa, die Industrieanlagen versichern, benötigen für ihr Risikomanagement möglichst viele Informationen über den Zustand der Anlagen. Je besser die Einschätzung ist, umso präziser und möglicherweise auch günstiger ist letztlich die Police, die dem Kunden unterbreitet werden kann. Oder dass letztlich gar ein Pay-per-Use-Modell denkbar wird. Ein weiteres Beispiel ist die Forst- und Landwirtschaft. Für den Import von Holz ist der Nachweis über eine nachhaltige Forstwirtschaft erforderlich. Klasse wäre, wenn es eine Art digitales Baumgedächtnis geben würde. Eingepflanzte Sensoren könnten etwa registrieren, wo das Holz herkommt, wie alt es ist, welche Düngemittel eingesetzt wurden. Auch unser CeBIT-Szenario über Digital Farming zeigt, wie die Bewirtschaftung von Feldern mit Hilfe von Sensorik und Analyse verbessert werden kann. IoT – so viel ist klar – geht mehr und mehr in die Breite. Nicht zuletzt, weil Unternehmen immer mehr über Services nachdenken.

Siemens und SAP kooperieren in Hinsicht auf eine offene Plattform. Was steckt dahinter?

Für diese Partnerschaft ist geplant, dass Siemens nicht nur die SAP-HANA-Cloud-Plattform als Technologiebasis nutzt, sondern vor allem die Schnittstellen zu den diversen Geräten und Maschinen des Konzerns herstellt. Siemens schafft einen Integrationslayer für die „Siemens Enterprise Cloud“. Das hilft Kunden dabei, mehr Transparenz über die bestehenden Schnittstellen zu bekommen. Das reduziert letztlich den Aufwand für andere Unternehmen, den Einstieg in IoT zu bewerkstelligen. In die gleiche Stoßrichtung zielt auch die Plattform Industrie 4.0 der Bundesregierung, innerhalb derer SAP mit der Deutschen Telekom ein Konsortium zur Standardisierung von Industrie 4.0 gegründet hat.

Wie weit ist SAP mit ihren Produkten?

SAP ist traditionell für die Geschäftsprozesse da und das soll auch so bleiben. Das heißt: Wir sehen das Internet der Dinge als „Enabler“ für neue Prozesse und als Unterstützung für neue Geschäftsmodelle unserer Kunden. Der vernetzte Kühlschrank auf Basis SAP interessiert uns nicht primär, wir sind eher der zuverlässige Technologielieferant für unsere Kunden, die wiederum ihren Kunden Mehrwertservices für ihre Produkte (wie dem Kühlschrank) anbieten möchten. Und wir sehen auch in den neuen Anfragen: Bisher standen die Maschine und dessen Daten im Vordergrund. Künftig geht es mehr um Prozesse. Wir haben IoT-Standards geschaffen, für vorausschauende Wartung, für vernetzte Logistik und Augmented Reality, wo etwa auch die Nutzung von Datenbrillen dazugehört. Diese Standards können Unternehmen adhoc nutzen. Künftig wollen wir Unternehmen jedoch auch mehr und mehr dazu bringen, dass sie ihre eigenen Services entwickeln können.

Allerdings fehlt es hier noch massiv an Wissen derzeit – besonders an Marketing-, Verkaufs- und Support-Knowhow …

In einzelnen Fällen haben Unternehmen schon bewiesen, dass sie umdenken können. Die Unternehmen Hagleitner und Kaeser haben das bereits bewiesen. Hagleitner verkauft etwa den Service Sauberkeit, keine Seifenspender mehr und Kaeser komprimierte Luft in Kubikmeter anstelle von Kompressoren. Da ist bei vielen Unternehmen sicher noch ein Umdenken nötig. Klar ist: Wer IoT am schnellsten umsetzt, wird Vorteile haben. Das Wichtigste ist aber wohl, einfach mal damit zu beginnen.

 

Bildquelle: Shutterstock

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