Social Media: Weniger ist mehr

Feature | 13. April 2011 von Christiane Stagge 0

Social Media, Monitoring, eCommerce: SAP.info vor Ort auf der Internet World 2011. (Foto: Christiane Stagge)

Web 2.0, Monitoring, eCommerce: SAP.info vor Ort auf der Internet World 2011. (Foto: Christiane Stagge)

Von SEO und SEM zu Facebook: Wer über eine Webseite Produkte verkaufen möchte, muss sich nicht nur mit Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Suchmaschinenmarketing (SEM) auseinandersetzen.

Heute genügt allein ein hoher Pagerank bei Google und eine gute Platzierung von Online-Werbeanzeigen nicht mehr, damit der Online-Auftritt für potenzielle Kunden leichter auffindbar ist. Der Google-Algorithmus berücksichtigt inzwischen auch Links, die über Social-Media-Kanäle geteilt werden.

Aus SEO-Sicht ist es zwar umstritten, wie hoch beispielsweise die Verlinkung von Facebook zur eigenen Firmenwebseite von Google bewertet wird. Wie jedoch eine Studie von McKinsey ergeben hat, vertrauen Menschen einander mehr als einer Suchmaschine. Beispiel: Eine Kaufempfehlung von Freunden oder Bekannten gewichtet der Mensch höher als die Ergebnisse, die ihm eine Suchmaschine anzeigt.

Weg vom Gießkannenprinzip

Auf der Internet World können Online-Marketingexperten, Vertriebsmitarbeiter und Webseitenbetreiber sich derzeit in München bei über 170 Ausstellern und 120 Fachvorträgen über die Themen Social Media, E-Commerce, E-Payment, Usability und Webseiten-Technik informieren.

Fazit: Weniger ist mehr. Nicht jeder Social-Media-Kanal eignet sich für alle Unternehmen. Der Trend geht weg vom Gießkannenprinzip hin zum gezielten Einsatz. Facebook, Twitter und Co. machen für Unternehmen nur Sinn, wenn sie mit anderen Marketingkampagnen sinnvoll verbunden sind.

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Strategien, Konzepte, Tools - die Internetfachmesse informierte über Social Media und Technik. (Foto: Christiane Stagge)

Strategien, Konzepte, Tools - die Internetfachmesse informierte über Social Media und Technik. (Foto: Christiane Stagge)

Über 170 Aussteller prsentieren ihre Produkte auf der Internet World 2011 in München. (Foto: Christiane Stagge)

Über 170 Aussteller präsentieren ihre Produkte auf der Internet World 2011 in München. (Foto: Christiane Stagge)

Social Media in Unternehmen – was macht wirklich Sinn?

In seiner Eröffnungsrede verglich Anthony Mayfild, Gründer von Brilliant Noise, Social Media mit „Glasnost und Peristroika“. Ähnlich wie die sowjetische Politik Ende der 80er Jahre wird auch Social Media einen Umbruch einleiten und Politik verändern. Wikileas, so Mayfield, sei ein Beispiel dafür.

Andrew Thorndike, Unternehmensberater, wurde in seinem Vortrag konkreter und stellte Social Media-Strategien für Unternehmen vor.  Thorndike plädierte für den ganzheitlichen Ansatz: Social Media bestehe nicht nur aus Facebook und Twitter. Auch andere Plattformen wie Digg, YouTube oder Flickr sind relevante Kanäle. Jede Plattform habe ihre Eigenarten und müsse entsprechend ihrer Funktionalität genutzt werden. Egal ob mobiles Marketing, Werbekampagnen am Geschäftsstandort, Online-Aktionen oder Fanpages auf Facebook  – sämtliche Kommunikationskanäle sollten sich gegenseitig ergänzen und befruchten.

Blogs ersetzen Printprodukte

Social Media werde die Medienlandschaft verändern: Die klassische TV-Werbung werde laut Thorndike von YouTube-Videos ersetzt, Blogs ersetzen Printprodukte und aktuelle News laufen nicht mehr über Ticker, sondern über Facebook und Twitter ein.

Ob Facebook, Wiki, Blog oder Videokanal – Unternehmen sollten bei der Wahl ihres Social-Media-Kanals deren Vielfältigkeit berücksichtigen: So lohnt es sich beispielsweise für eine Versicherung wenig, auf Facebook aktiv zu sein, sondern sollte eher Twitter als Supportkanal nutzen und darüber über neue Angebote informieren.

Volles Haus: Parallel zur Messe fand die Affilinet Tactixx statt. (Foto: Christiane Stagge)

Volles Haus: Parallel zur Messe fand die Affilinet Tactixx statt. (Foto: Christiane Stagge)

Neben Social Media sind auch Apps ein Thema für das Online-Marketing. (Foto: Christiane Stagge)

Neben Social Media sind auch Apps ein Thema für das Online-Marketing. (Foto: Christiane Stagge)

Checkliste Social Media

Unternehmen sollten zur Betreuung ihrer Social-Media-Plattformen eigene Abteilungen und Mitarbeiter einsetzen, die sich nur um Web 2.0-Aktivitäten kümmern. Die Kollegen hätten die Aufgabe, Kommunikation voranzutreiben und die Markenkraft des Produkts zu erhöhen. Aber auch die anderen Mitarbeiter sind zu berücksichtigen: Durch klare Social-Media-Leitfäden sollte ein Unternehmen seine Strategie festlegen und den Angestellten Richtlinien vorgeben, damit Firmen vor Rechtsverletzungen geschützt sind. Ganz wichtig: Private Meinungen, das gilt insbesondere für politische Äußerungen, sollten auch als solche gekennzeichnet sein und nicht mit der Firma in Verbindung gebracht werden.

Scout-Gruppe: Abteilungsübergreifende Social-Media

Ergin Ilyilikci, Vice President der Scout24-Gruppe, erklärte die Social-Media-Strategie seines Unternehmens. Bei Scout24 gibt es derzeit 25 Mitarbeiter, die bloggen, twittern und posten. Diese Mitarbeiter setzen sich aus den verschiedensten Abteilungen wie PR, HR, Produktmanagement, Marketing und Online-Marketing zusammen. Dieses „Competence Center Social Web“ kümmert sich um Strategien, Konzepte, Content und Technik. Egal ob ImmobilienScout24, FinanzScout24, FriendScout24, AutoScout24 oder JobScout24 – jedes Tochterunternehmen bestimmt eigenständig, welche Kanäle für sie relevant sind. So nutzen beispielsweise bei ImmobilienScout24 die CRM-, PR- und HR-Abteilungen Facebook und Twitter, während der Online-Marketing-Bereich vorwiegend auf YouTube und Flickr aktiv ist. Die Personalabteilung nutzt hingegen verstärkt Xing.

Iyilikci gab den Zuhörern außerdem eine Checkliste mit in die Hand. Folgende Punkte sollten Unternehmen vor dem Einsatz von Social Media klären:

  • Die Nutzung von Social Media während der Arbeitszeit
  • Eigenverantwortung der Mitarbeiter
  • Grenzen der Meinungsäußerung
  • Urheberrechtsverletzungen
  • Sicherheitsaspekte (Bilder, Themen, Technik)
  • Unternehmenszugehörigkeit bei Posts auf privaten Accounts

Außerdem gilt: Fake-Accounts sind tabu. Mitarbeiter sollten persönlich auftreten und in ihrem Profil als authentische Personen zu erkennen sein. Wenn Kunden auf Facebook oder Twitter Kritik üben und sich beschweren, sollte die Unternehmenskommunikation reagieren. Was beim Sport gilt, gilt auch für Social-Media: Fairplay. Kritik an Konkurrenten und Wettbewerbern ist auf Online-Plattformen wenig angebracht.

Ganz exklusiv: Der Kongress stand nur angemeldeten Teilnehmern offen. (Foto: Christiane Stagge)

Ganz exklusiv: Der Kongress stand nur angemeldeten Teilnehmern offen. (Foto: Christiane Stagge)

Auf der Internetfachmesse wurde fleißig getwittert und gebloggt. (Foto: Christiane Stagge)

Auf der Internetfachmesse wurde fleißig getwittert und gebloggt. (Foto: Christiane Stagge)

Monitoring: Messbarkeit von Social-Media-Kampagnen

Die wichtigste Frage, die sich jedes Unternehmen jedoch stellen muss: Was bringt uns Social Media? Werden wir auf den Plattformen gefunden? Wie wird über uns gesprochen?

Tina Hoffmann, Communications Manager von Telefónica Germany (ehemals O2), erklärte, wie die Telefongesellschaft mit Hilfe des Webmonitor-Tools Ethority Social-Media-Kampagnen misst. Zunächst werden bestimmte Keywords wie „Netzausfall“, „kaputt“, „Abzocke“, „Kündigung“ oder „Klage“ festgelegt. Postet ein Nutzer einen Beitrag, in dem solche Schlagwörter vorkommen, bekommt der Mitarbeiter über den Alert eine Meldung.

Krisenmanagement nach Ampelprinzip

Das Krisenpotenzial wird anhand des Ampelprinzips eingestuft: So werden Provokateure, die nur auf sich aufmerksam machen wollen, als harmlos eingestuft. Bedrohlicher wird es, wenn sich die Meldung schnell im Netz verbreitet und Meinungsführer die Diskussion mit einer stark wachsenden Teilnehmerschaft vorantreiben. Stufe rot ist erreicht, wenn die Kritik auch auf andere Unternehmensaspekte übergreift und die reichweitenstarken, klassischen Medien wie Zeitungen oder Fernsehen erreichen.

Bei Télefonica prüft das Corporate Communications-Team die Beschwerde, die über den Alert eingeht. Nach Rücksprache mit den entsprechenden Abteilungen wie Marketing und Produktion bieten Mitarbeiter ihren Kunden entsprechende Lösungen an.

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Social-Media-Kanäle gibt es viele. Fazit der Internet World: Weniger ist mehr. (Foto: Christiane Stagge)

Social-Media-Kanäle gibt es viele. Fazit der Internet World: Weniger ist mehr. (Foto: Christiane Stagge)

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1 comment

  1. Anonymous

    Sehr guter Artikel! Mal eine Ansage, was vernünftig ist.
    VG
    E. Kreus

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