Investitionen für Geschäftsprozessoptimierung steigen

Feature | 17. März 2003 von admin 0

Return-On-Investment, Business Value, Cost-Cutting, Server-Konsolidierung. Die großen IT-Themen im Jahr 2002 waren vom Kostendruck in der Wirtschaft geprägt. Vor dem Hintergrund der enttäuschten E-Business-Hoffnungen drangen die Manager zudem auf den konkreten Nutzennachweis der IT-Investitionen für die Geschäftsentwicklung. Die Technologiethemen werden zunehmend von den Businessthemen verdrängt.

Mehr Effizienz und weniger Kosten

Für die IT-Entscheider in deutschen Unternehmen ist das wichtigste Thema beim Geschäftsprozessmanagement die Steigerung von Effizienz bei gleichzeitiger Reduktion von Kosten. Dieses Ziel wollen sie vor allem über die Optimierung der unternehmensinternen Abläufe erreichen. Die Gestaltung unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse steht ebenfalls auf der Tagesordnung der Unternehmen, setzt aber voraus, dass die internen Betriebsabläufe reibungslos funktionieren und transparent dokumentiert sind. Offenbar gibt es hier noch Nachholbedarf, weshalb auch die Online-Anbindung von Lieferanten, Kunden und Partnern nicht vordringlich ist.
Dass Technologie immer mehr zur Commodity wird, spiegelt sich in der geringeren Wichtigkeit von Standardisierung und Implementierung neuer Systeme wieder. Auch die Integration von Anwendungssystemen ist – zumindest auf technologischer Ebene – für die IT-Entscheider zu einer Standardaufgabe geworden, die nur noch geringe Bedeutung hat. Die Auswertung der Geschäftsprozesse hingegen gewinnt bei 64 Prozent der Befragten an Bedeutung.

Customer Relations haben Priorität

Top-Themen des Geschäftsprozessmanagements

Top-Themen des Geschäftsprozessmanagements

Trotz allgemeiner Kostensparung im IT-Bereich wollen deutsche Anwender auch in 2003 mehr Geld als bisher für die Optimierung der Geschäftsprozesse ausgeben. Die Mehrzahl der befragten Unternehmen plant für 2003 höhere Investitionen. Jedes zweite Unternehmen sieht höhere Ausgaben bei Vertrieb und Marketing vor. Zusätzlich wollen 39 Prozent der Befragten mehr Mittel in den Kundensupport und -service stecken. Auch in der Umfrage vom Vorjahr hatten die Customer Relations bei den Investitionserhöhungen Priorität.

Investitionen nach Geschäftsprozessen

Investitionen nach Geschäftsprozessen

Im Unterschied dazu haben Beschaffung und Einkauf an Bedeutung verloren. Stand E-Procurement im vergangenen Jahr noch auf Platz 2 der Investitionsprioritäten, gaben dieses Mal 21 Prozent an, hier weniger und 39 Prozent gleich viel investieren zu wollen. Daraus lässt sich schließen, dass zum einen der große Hype beim E Procurement vorüber ist. Viele Unternehmen mussten feststellen, dass der Nutzen ihrer neu implementierten Lösungen geringer war als erwartet. Zum anderen wurden mit Marktplätzen und Online-Bestellsystemen im vergangenen Jahr die Beschaffungsprozesse vor allem für C-Waren verschlankt, womit aufs Erste ein zufrieden stellendes Sparpotenzial erreicht sein könnte. Denn Projekte im Rahmen der vollständigen Lieferanteneinbindung unter Berücksichtigung auch direkter Waren sind vielfach noch zu komplex und versprechen keinen kurzfristigen ROI. Eine Tatsache, die dieses Thema wohl erst mittelfristig von Bedeutung werden lässt.

Eine gute “3” für Qualität

Geschäftsprozessmanagement im Fokus

Geschäftsprozessmanagement im Fokus

Vier von fünf Unternehmen beschäftigen sich stark bis sehr stark mit dem Thema Geschäftsprozessoptimierung. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Wert um zwei Prozentpunkte gestiegen. Vor allem bei Banken und Versicherungen, wo der Kostendruck besonders hoch ist, steht das Thema auf der Tagesordnung. “Offenbar haben Unternehmen erkannt, dass sich mit der Verbesserung von Geschäftsprozessen schnell Schwachstellen beseitigen und konkreter Nutzen erzielen lassen”, sagt Dr. Wolfram Jost, Vorstand der IDS Scheer AG.
Mehr Unternehmen als im vergangenen Jahr sind mit der Qualität ihrer eigenen Geschäftsprozesse zufrieden. Jetzt bewerten 82 Prozent (2002: 74 Prozent) ihre Geschäftsprozesse als “sehr gut” bis “befriedigend” und nur 18 Prozent (2002: 26 Prozent) vergeben schlechte Noten von “ausreichend” bis “unbefriedigend”. Der Klassendurchschnitt hat sich von 2,97 auf 2,88 leicht verbessert. Für die bessere Selbstbeurteilung kann es zwei Gründe geben: Der Fokus auf IT-Projekten hat sich nach der Jahr 2000- und Euro-Umstellung tatsächlich auf die Optimierung von Prozessen verlagert, was bereits erste Resultate in der Qualitätssteigerung zeigt, oder aber vor dem Hintergrund der schlechten wirtschaftlichen Lage und des Sparzwangs sind die Ansprüche zurückgeschraubt worden.

Qualität der Geschäftsprozesse

Qualität der Geschäftsprozesse

Nach wie vor sehr unzufrieden mit ihrer Geschäftsprozessqualität sind Energieversorger, Telekommunikationsunternehmen und vor allem der Public Sector. Am schlechtesten schneiden die Geschäftsprozesse in der Produktentwicklung und bei Human Resources ab. Bei Banken und Versicherungen steht vor allem die Verbesserung der Abläufe im Bereich Controlling im Vordergrund. Die Prozessindustrie sieht ihren größten Investitionsbedarf auf dem Gebiet der Logistik, während Energieversorger das Schwergewicht auf Vertrieb und Marketing legen. Die beste Qualität bescheinigen die Befragten ihren Prozessen in der Produktion, Auftragsabwicklung und Logistik.

Hauptnutzen Kundenzufriedenheit

Hauptnutzen

Hauptnutzen

Den Nutzen eines Geschäftsprozessmanagements sehen die Unternehmen in erster Linie bei der Kundenzufriedenheit. Über zwei Drittel der Befragten (68%) gaben an, dass das Geschäftsprozessmanagement “sehr wichtig” ist für die Kundenzufriedenheit. Fasst man die Kategorien “sehr wichtig” und “wichtig” zusammen, überwiegt jedoch die Qualität mit 96 Prozent. Der drittwichtigste Schlüssel-Indikator sind die Kosten. Erstaunlich selten genannt wurde Flexibilität.

Der Chef ist zuständig

Der Chef ist zuständig

Geschäftsprozessmanagement ist ganz klar Chefsache. Zwei Drittel der Befragten sind der Auffassung, dass sich die Geschäftsführung um die Geschäftsprozesse kümmern sollte. Gefolgt von den immer häufiger eingerichteten Process-Owners in den Unternehmen. Jeder zweite würde einen Chief Process Officer mit zentraler Verantwortung und Entscheidungskompetenz befürworten.

Business Process Outsourcing bleibt in den Kinderschuhen

Business Process Outsourcing

Business Process Outsourcing

Business Process Outsourcing (BPO) ist seit Jahren ein Streitthema in IT-Kreisen und steckt in den meisten Ländern noch in den Kinderschuhen, auch in Deutschland. In Zeiten des Cost-Cuttings wird vermehrt über die Auslagerung des IT-Betriebs und auch von Geschäftsprozessen diskutiert. In diesem Zusammenhang gibt fast jedes zweite Unternehmen an, über BPO nachzudenken. Im Finanzsektor, im öffentlichen Bereich, bei Telcos und EVUs liegt der Anteil sogar über 50 Prozent. Laut Umfrage scheint die Fertigungsindustrie am wenigsten an BPO interessiert zu sein. In der Tat sind aber Unternehmen der Fertigungsindustrie im Umsetzungsprozess am weitesten, während in anderen Branchen die Unternehmen erst angefangen haben, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und zumeist noch weit von einer tatsächlichen Vereinbarung von BPO-Verträgen entfernt sind. Über die strategisch wichtigen Bereiche Controlling, Vertrieb/Marketing und Produktentwicklung wollen die Unternehmen die Kontrolle behalten; diese Bereiche werden von Outsourcing-Gedanken kaum erfasst.

Erhebungsverfahren

Die Fragen wurden von IDS Scheer und PAC gemeinsam ausgearbeitet. Zielgruppen waren Geschäftsführer, IT-Leiter/CIOs, Leiter Organisation, und Prozess-Verantwortliche aus 150 Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchenzugehörigkeit. 42 Prozent der untersuchten Unternehmen haben mehr als 1000, 26 Prozent 500 bis 1000 und 32 Prozent bis 500 Mitarbeiter.

Christophe Châlons

Christophe Châlons

Gilbert Anderer

Gilbert Anderer

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