Anwender überzeugen

Feature | 9. Mai 2007 von admin 0

Herr Weinbrecht, wie kam es zur Gründung von ISS?

Weinbrecht: Im Jahr 1997 erlebte Asien einen Wirtschaftsboom. Vielen Unternehmen wurde der Nutzen bewährter Geschäftsverfahren, sogenannter Best Practices, und IT-gestützter Geschäftsabläufe deutlich. Aber es fehlte das nötige Know-how.

Hier kam ISS ins Spiel. Mittelständler, die Niederlassungen in anderen Ländern gründen, in neue Branchen vorstoßen oder ihr Unternehmen generell auf wechselnde Geschäftsbedingungen ausrichten wollen, brauchen Lösungen aus einer Hand, mit denen sie auf dem internationalen Parkett bestehen können. Speziell für die Branchen Chemie, High Tech und Automobilzulieferer haben wir Methoden entwickelt, mit denen sich vorkonfigurierte SAP-Software, etwa eine ERP-Lösung, in nur drei Monaten implementieren lässt.

Inwiefern unterscheidet sich das Geschäftsleben in Asien von demjenigen in Europa oder in den USA?

Weinbrecht: In Asien hat jedes Land seine eigene Sprache, Währung, Steuer- und Handelsgesetzgebung – ähnlich wie in Europa. Softwareimplementierungen in asiatischen Ländern können sehr unterschiedlich vonstatten gehen: Ein Projekt in Singapur lässt sich recht schnell über die Bühne bringen. In Thailand dagegen brauchen wir mehr Zeit, um die Anwender zu überzeugen. In Europa setzen viele Mittelständler bereits Software von SAP ein oder nutzen moderne ERP-Lösungen. IT ist selbstverständlich, Mitarbeiter verfügen in der Regel über gute IT-Kenntnisse. Change Management ist bei Implementierungen daher kein so großes Thema wie beispielsweise in Malaysia und Thailand. Dort spielen Anwendervorbereitung und -schulung eine zentrale Rolle.

Wie werden in der Region Entscheidungen gefällt?

Weinbrecht: Bei asiatischen Mittelständlern ist die Rolle des CIO weitgehend unbekannt. Es gibt Manager, die bei der technischen Implementierung der IT behilflich sind, doch sie führen nur eine klar definierte Strategie aus. Nur in großen und fortschrittlichen Unternehmen gewinnt die Rolle des CIO an Popularität. Beim Mittelstand werden Softwareimplementierungen in der Regel vom CFO oder Controller vorangetrieben. Und einem CFO fällt es häufig immer noch leichter, die Kosten für neue Produktionsmaschinen zu rechtfertigen als Mittel für IT-Lösungen.

Sind viele Unternehmen bereit, neueste Technologie einzusetzen?

Weinbrecht: Einige wenige sind sehr wohl dazu bereit. Manchmal üben sie durch ihre Anforderungen direkten Einfluss auf die Softwareentwicklung aus. Aber das ist eher die Ausnahme. Viele CFOs fürchten die Kosten, die ihnen durch „Kinderkrankheiten“ innovativer Technologie entstehen könnten. IT-Experten, die für Neues in der Regel aufgeschlossener sind, haben in Asien nicht so viel zu sagen wie in Europa oder den USA.

Wie motivieren Sie Unternehmen zu einer Verbesserung zentraler IT-Programme?

Weinbrecht: Viele Unternehmen arbeiten immer noch mit Tabellen, da diese flexibel sind und Änderungen sofort widerspiegeln können. Die Vorteile einer integrierten ERP-Lösung hingegen werden nicht unmittelbar wahrgenommen. Daher demonstrieren wir unsere auf SAP-Software aufsetzende Lösung den wichtigsten Anwendern schon in einem frühen Stadium. So können wir ihre Bedenken bezüglich der Flexibilität ausräumen.

Inwiefern gehen Sie anders vor als bei gewöhnlichen SAP-Implementierungen?

Weinbrecht: Mit unseren vorkonfigurierten Branchenlösungen können die Kunden die anfängliche Analyse der Unternehmensanforderungen überspringen. Best Practices der jeweiligen Branche, die auf den SAP Best Practices und unserer Erfahrung beruhen, sind in ISS-Lösungen schon integriert. Wir haben die Implementierungsmethode von SAP, ASAP Focus, auf asiatische Kunden zugeschnitten, indem wir beispielsweise die Anwenderschulung in den Mittelpunkt stellen.

Können sie die Rentabilität dieses Angebots veranschaulichen?

Weinbrecht: Einer unserer Kunden konnte seine Arbeitszyklen enorm verkürzen und produziert seitdem effizienter. Das war eine perfekte Chance, der Belegschaft den Nutzen von Best Practices und Qualitätskontrolle vor Augen zu führen. Zuvor behalfen sich die Mitarbeiter mit Papier und selbstgebastelten Excel-Tabellen – mit dem entsprechenden Risiko für die Datenintegrität. Nun kann die Buchhaltung für internationale Verkaufsabwicklungen stets auf aktuelle Daten zugreifen und beispielsweise Währungen präzise umrechnen. Jegliche Diskrepanz der Daten lässt sich schnell erkennen und beheben.

Wie kostengünstig es ist, die IT einer neuen ausländischen Geschäftsstelle an den Firmenhauptsitz anzubinden, kann ich am Beispiel unserer Branchenlösung ChemXpress verdeutlichen. Mit deren Hilfe erzeugen wir einfach ein neues Template und führen eine sogenannte „Fit-Gap-Analyse“ für das Zielland durch. Das heißt, wir prüfen anhand eines Prototyps unserer Lösung, ob sich die beim Kunden verwendeten Abläufe abbilden lassen („Fit“ – „passt“) oder ob eine Lücke („Gap“) vorliegt. Dann entscheiden wir, ob es für den Kunden günstiger ist, seine Prozesse anzupassen oder ChemXPress individuell umzukonfigurieren.

Wohin möchten Sie als nächstes expandieren?

Weinbrecht: Momentan führen wir Projekte in Japan, Korea und in verschiedenen chinesischen Provinzen durch. Viele unserer Kunden haben Produktionsstätten in China: Shanghai, Wuxi, Tsing Tao und anderswo. Kürzlich haben wir auch im Nahen Osten Fuß gefasst: in Saudi Arabien und Dubai. Unsere Geschäftsstelle in Dubai rechnet mit einer großen Nachfrage in der gesamten Region.

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