Ist Mietsoftware beim Mittelstand gefragt?

Feature | 2. November 2006 von admin 0

Eine eindeutige Aussage darüber, wie sehr der Mittelstand an Software on Demand interessiert ist, lässt sich nur schwer machen. Die Analysten sind sich zwar darin einig, dass viele mittelständische Unternehmen das On-Demand-Konzept in ihre IT-Strategie für 2006 aufnehmen, doch gleichwohl ist der Mittelstand eine heterogene Gruppe mit stark variierenden IT-Prioritäten. Selbst Firmen aus derselben Branche haben teils sehr unterschiedliche Anforderungen.
Grundsätzlich aber ist Software on Demand – auch als “Software as a service” (SaaS) bezeichnet – für den Mittelstand interessant. Daneben stehen den Analysten zufolge Hardware, Infrastruktursoftware und Sicherheitslösungen ganz oben auf der Prioritätenliste der Firmen.

Keine extrem hohen Ausgaben

Prioritäten bei IT-Investitionen

Prioritäten bei IT-Investitionen

“Die IT-Ausgaben nehmen zu, aber ich würde nicht sagen, dass sie extrem hoch sind”, sagt Steve Hilton, Director Global Business Communication Strategies bei der Yankee Group in Boston, Massachusetts. “Beim Mittelstand gilt allgemein die Devise: Solange alles läuft, besteht kein Handlungsbedarf. Daher ist nicht damit zu rechnen, dass die IT-Ausgaben in einem Jahr massiv steigen.” Für 2006 prognostiziert Hilton eine Zunahme der IT-Investitionen von sieben bis zehn Prozent und bezeichnet diesen Trend als “kontinuierlich positives, rationales Wachstum”. Laut Hilton steht Hardware ganz oben auf der Investitionsliste, gefolgt von Infrastruktursoftware und sonstigen Technologien. Sicherheits- und Disaster-Recovery-Lösungen seien gefragt, da sie vor existenzgefährdenden Risiken schützen.
Nach Analysen des in Cambridge, Massachusetts, ansässigen Marktforschungsunternehmens Forrester Research werden die IT-Ausgaben des Mittelstands in diesem Jahr um 7,2 Prozent steigen, im Vergleich zu 4,8 Prozent Wachstum im vergangenen Jahr. “Die Gelder für IT-Projekte fließen vor allem in folgende Bereiche: Upgrade von Applikationen, was die Serverausgaben beeinflusst; Upgrade der Sicherheitsumgebung – immer wieder ein aktuelles Thema – sowie Internet- und E-Commerce-Aktivitäten,” schreibt Forrester-Analyst Michael Speyer in einer Studie über die IT-Investitionen des Mittelstands für 2006.
Danach planen 55 Prozent der befragten Unternehmen, die Ausgaben für PCs zu erhöhen, 51 Prozent haben vor, mehr Geld für Netzwerkausrüstung auszugeben, und 48 Prozent wollen stärker in Server investieren. In Bezug auf Software planen 50 Prozent der Mittelständler, die Ausgaben für Sicherheitssoftware zu erhöhen, und 42 Prozent wollen mehr für Webanwendungen ausgeben. Um 29 Prozent werden die Investitionen für ausgelagerte Wartungs-, Entwicklungs- und Supportleistungen steigen. Wie es weiter heißt, tätigt der Mittelstand diese Investitionen bevorzugt bei lokalen oder regionalen Beratern und Wiederverkäufern.
Software on Demand werden die Firmen vor allem in den Bereichen Gehaltsabrechnungen, Handel, Personalwirtschaft und Customer Relationship Management (CRM) nutzen, erläutert Hilton. Allerdings sei das Interesse der Firmen an Mietsoftware je nach Branche unterschiedlich groß. Laut einer Studie der Yankee Group zu Unternehmensanwendungen und Internetzugang des Mittelstands besteht die größte Nachfrage bei Anbietern von Finanzdienstleistungen, Professional Services, IT-Services sowie im Großhandel und Vertrieb.

Argumente für das On-Demand-Modell

Robert Bois, AMR Research

Robert Bois, AMR Research

“Für einige Mittelständler ist SaaS die einzige Option. Dagegen haben Großunternehmen, wenn sie über umfangreiche IT-Ressourcen verfügen, mehr Möglichkeiten”, sagt Robert Bois, Marktforschungsleiter von AMR Research in Boston, Massachusetts. Was veranlasst ein mittelständisches Unternehmen mit normalerweise begrenztem Budget, ein relativ neues Konzept wie das On-Demand-Modell auszuprobieren? Laut Bois werden die Firmen durch ihre begrenzten finanziellen Mittel und die hohen Geschäftsanforderungen zu diesem Schritt gezwungen. Software on Demand bietet ähnliche Möglichkeiten wie konventionelle Unternehmenssoftware, ist jedoch kostengünstiger und lässt sich schneller einführen.
“Kleine und mittelständische Firmen haben im Vergleich zu Großunternehmen eine eingeschränkte IT-Infrastruktur und verfügen über weniger Ressourcen und geringere finanzielle Mittel. Die Geschäftsprozesse sind jedoch nicht weniger komplex als die von Großunternehmen”, betont Bois. “Mit dem SaaS-Modell erhält der Mittelstand erstklassige Unternehmensanwendungen bei geringem Risiko und niedrigen Einstiegskosten. Ferner entlastet Mietsoftware die IT-Abteilung, da sie weniger Wartung erfordert.”
Die Kosten für Software on Demand können einen Jahresbeitrag und relativ geringe Vorauszahlungen umfassen. Dem stehen hohe Kosten und Lizenzlaufzeiten von bis zu 15 Jahren gegenüber, die bei einigen Unternehmensanwendungen anfallen. Entsprechend attraktiv für den Mittelstand ist eine kostengünstigere Lösung mit kürzeren Laufzeiten. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich ein Unternehmen für eine neue Anwendung entscheidet. Stellt sich heraus, dass sie ungeeignet ist, kann das Unternehmen mit dem On-Demand-Modell die Nutzung wieder einstellen oder zu einer anderen Lösung wechseln.
Auch Hilton zufolge bringt Software on Demand kleineren Unternehmen Vorteile, da das IT-Management besser zu bewältigen ist und der Bedarf an teuren Fachkräften sinkt. “Software on Demand löst zwei der größten Probleme des Mittelstands: geringes Kapital für einmalige große Investitionen und wenig IT-Personal”, sagt er. Die Softwarelösungen lassen sich außerdem mit weiterer Mietsoftware sowie mit bestehenden Lizenzanwendungen integrieren. So können Firmen ihre IT-Kosten gering halten.

Vorsicht ist geboten

Der Einsatz von Software on Demand birgt jedoch auch Risiken, sowohl finanzieller Art als auch hinsichtlich der IT. Daher sei vor Unterzeichnung eines On-Demand-Vertrags die Analyse der Total Cost of Ownership (TCO) wichtig, betont Bois. Zwar ist allgemein bekannt, dass Mietsoftware bei einer Nutzung von drei und weniger Jahren billiger ist als Kaufsoftware. Doch es gibt auch Fälle, in denen das Gegenteil zutrifft und Mietsoftware unterm Strich mehr kostet. Da die IT-Systeme einzelner Unternehmen sehr unterschiedlich sind, lassen sich die kurz- und langfristigen Kosten nur durch eine umfassende TCO-Analyse ermitteln.
In diese Analyse müssen auch die Beratungs- und Nutzungskosten einfließen, betont Bois: “Die Technologie für die Nutzung von SaaS ist zwar günstiger und einfacher, doch das Abbilden der Geschäftsprozesse verursacht auch hier viel Aufwand und entsprechend hohe Kosten.” Und wenn ein mittelständisches Unternehmen die On-Demand-Anwendung an die eigenen Bedürfnisse anpasst, muss es sie so lange abonnieren, wie es die maßgeschneiderten Komponenten nutzen möchte. Das kann teuer werden.

Wichtige Empfehlungen

Wichtige Empfehlungen

Laut Hilton sind bei Software on Demand auch Probleme mit der IT-Kontrolle und der Lebensdauer der Lösung möglich. “Ein mittelständisches Unternehmen hat wenig Kontrolle über die Upgrade-Entwicklung von On-Demand-Lösungen”, erläutert er. Dies wird vom Lieferanten bestimmt. “Für Mittelständler, die ihre IT-Umgebungen gerne unter Kontrolle haben, kann der Wechsel zu Software on Demand daher beunruhigend sein.”
Grundsätzlich rät der Analyst, einen On-Demand-Anbieter mit guter Erfolgsbilanz und positiven Zukunftsaussichten auszuwählen. “Entscheiden Sie sich für die On-Demand-Lösung eines namhaften Unternehmens, das schon lange in der Branche tätig ist. Kein mittelständisches Unternehmen muss sich mit seinen kritischen Geschäftsanwendungen in eine Situation begeben, in der das heutige Szenario schon morgen nichts mehr wert ist und nur noch das Hier und Jetzt zählt.”

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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