Das Rechenzentrum

Feature | 23. Mai 2007 von admin 0

Herr von zur Mühlen, wie ist „Das sichere Rechenzentrum“ entstanden?

von zur Mühlen: Zum Thema Sicherheit gab es 1987 auf der CeBIT nur 14 Aussteller. Vorstandsmitglied Ernst Raue, damals noch Referent, erkannte, dass auf dem Gebiet Potenzial zu erwarten war. Ich machte ihm den Vorschlag, in einer Sonderschau Sicherheitsthemen komprimiert aufzubereiten. Als Zielgruppe sollten nicht Sicherheitsfachleute angesprochen werden, sondern Führungskräfte mit Sicherheitsverantwortung. Sie sollten sich in ein bis eineinhalb Stunden einen aktuellen Überblick verschaffen können. Das war das Konzept: 1988 nahmen schon 40 Aussteller mit Sicherheitsthemen teil. Heute sind es knapp 550.

Was war die größte Herausforderung bei der Umsetzung?

von zur Mühlen: Es ist sehr schwer, Aussteller dazu zu bewegen, nicht einfach ein Exponat auf die Messe zu stellen und einen Mann, um es zu erklären. Sondern erklärungsbedürftige Produkte so elektrisch und elektronisch mit anderen Komponenten zusammenzuschließen, dass man den Beweis der Funktionsfähigkeit erbringt. Man bedenke: Wir haben in fünf Tagen Aufbauarbeit ein funktionsfähiges, hochverfügbares RZ errichtet. Zwei redundante unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) speisten zwei Stromschienen ein. Die Rechner in den Racks arbeiteten und gaben Wärme ab, die mit neuester Technik abgeführt wurde. Ein Leitstand steuerte alles und teilte mit, wenn Toleranzen nicht eingehalten wurden. Die Racks waren mit zutrittskontrollierten Türen ausgestattet, die für die Beratungsingenieure remote oder offline nach Bedarf zur Vorführung frei geschaltet wurden. Wie im wirklichen Leben, wenn ein Berechtigter an sein Rack und nur an seines gehen darf…

Was genau passiert in „Das sichere Rechenzentrum“

von zur Mühlen: Wir haben im DSR etwa 40 Vorträge zu verschiedenen Sicherheitsthemen gehalten und sie durch praktische Funktionsvorführung begleitet. Der Interessierte sieht teilweise erstmalig, wie gut und scheinbar „easy“ das alles ist, wenn seine Probleme systematisch geplant werden. Meine Ingenieure betrachten das DSR in der CefIS als richtiges Projekt. Es wird ingenieurmäßig durchgeplant und sowohl mit den Ausstellern als auch mit den Lieferanten wie im wirklichen Leben realisiert.

Wer sind Ihre Partner?

von zur Mühlen: Wir haben keine festen Kooperationspartner. Wir nehmen daher wechselnde Aussteller mit ins Boot, mit denen wir die Schau durchführen. Voriges Jahr war beispielsweise Knürr ein Partner, dieses Jahr kamen die Racks von Schroff. Auch bei den anderen Produkten, die eingebunden werden, suchen wir nach Novitäten. So hatten wir diesmal Weiss-Klimatechnik mit einer Weltneuheit eines Umluftkühlgerätes integriert, das mit rund 30 Prozent des Energiebedarfs auskommt.

Welche thematischen Schwerpunkte fokussieren Sie?

von zur Mühlen: Zunächst lag der Schwerpunkt auf der physischen Sicherheit eines Rechenzentrums. Danach standen logisch-organisatorische Themen im Vordergrund. Und in den letzten Jahren läuft beides parallel.

Wenn sich ein Unternehmen dazu entscheidet, sein Rechenzentrum rundum auf den neusten Sicherheitsstand zu bringen – was würden Sie den IT-Verantwortlichen empfehlen?

von zur Mühlen: Sorgfältige Bestandsaufnahme, kreative Lösungen entwickeln lassen, die durchaus auch Mut zur (Finanz-)Lücke haben können. Man kann viele Risiken, die man nicht zu vermeiden in der Lage ist, durch alternative, etwa organisatorische, Maßnahmen abfangen. Der Mix muss kreativ sein. Übrigens: Das sollte jemand machen, dessen Unternehmen in keiner Weise mit Lieferinteressen verbunden ist. Viele Hersteller haben heute Beratungs- und Planungsunternehmen. Sie sind preiswert und machen das zu Pauschalen. Aber irgendwo muss das Geld ja herkommen…

Das klingt teuer.

von zur Mühlen: Es gibt aber kostengünstige Lösungen, die beispielsweise für den Mittelstand eine Alternative darstellen. Statt teurer Raumzellensysteme kann man mit bauseitigen Lösungen den gleichen Effekt für ein Drittel der Kosten erzielen. Kreativität ist hier besonders gefragt. Die Kosten eines RZ lassen sich aber nicht pauschal benennen. Das hängt von vielen Faktoren ab. Es gibt funktionsfähige RZ mit angemessener Sicherheit für 3.500€/m² genauso wie solche für 8.000€/m².

Was muss man bei der Planung eines Rechenzentrums berücksichtigen?

von zur Mühlen: Vor allem darf man nicht in Einzellösungen denken. Man muss in Prozessen denken und planen. Sicherheit im Sinne von Hochverfügbarkeit ist ein Querschnittsthema. Das setzt Querschnittswissen und Erfahrung voraus. Viele Planer haben nur Produktwissen. Zudem redet man vom Schadenereignis. Schaden ist immer Ergebnis eines Prozesses. Der Prozess wird durch ein Mini-Ereignis ausgelöst und entwickelt sich dann zu einem Ergebnis – dem Schaden. Der Planer muss in die Parameter eingreifen, die den Prozess abbrechen lassen. Das ist eine andere Denkweise als die herkömmliche Denkweise von Ingenieuren. Sie geht viel weiter.

Und wie ist das Feedback der Unternehmen auf der CeBIT?

VZM: 2007 gab es ein ungewöhnlich gutes Echo. Das liegt aber auch an der konjunkturellen Stimmungslage in der IT. Die Investitionsstaus werden teilweise aufgelöst und geben den Verantwortlichen Entscheidungsspielräume. Das beeinflusst die Stimmung positiv.

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