IT-Türen zwischen Versicherern öffnen

Feature | 5. September 2007 von admin 0

Die Wurzeln des Versicherungswesens lassen sich bis ins alte Babylon zurückverfolgen. So mussten dem Codex des Hammurabi zufolge Seeleute ihren Reeder dafür bezahlen, dass ihren Familien im Falle eines Schiffbruchs – und somit des Todes – mögliche Schulden erlassen wurden. Damals wurden die „Versicherungssummen“ und das zugehörige Risiko nur grob abgeschätzt, der Deal per Handschlag besiegelt. Nicht nur das hat sich bis dato geändert.
Risikoabschätzungen sind heute zentrale Aufgabenstellungen eines jeden Versicherers. Zur Verfügung stehen hierfür unter anderem eine schier unendliche Liste von Werkzeugen, Tabellen, Statistiken, Studien und Expertisen. Darüber hinaus wird das ermittelte Risiko auf Rückversicherer und Rück-Rückversicherer verteilt. Auch die Zeiten der Versicherungsgeneralisten – im alten Babylon der Arbeitgeber, der für den Gesamtschaden gerade stand – sind vorbei. Stattdessen ist der Markt unter zahlreichen Spezialanbietern aufgeteilt, etwa für Kfz- und Privathaftpflicht, Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung oder Betrugs- und Schadensmanagement.
Bislang waren jedoch die „IT-Türen“ zwischen diesen Spezialisten weitgehend geschlossen, die Versicherer oft durch proprietäre Lösungen voneinander abgeschottet. Basierend auf dem Konzept der Enterprise SOA bietet SAP nun mit SAP for Insurance eine Plattform, die die Kommunikation innerhalb und außerhalb von SAP-Anwendungen ermöglicht. „Liegt beispielsweise ein Schadensfall vor, den ich auf Betrug prüfen möchte, und irgendein Experte hat hierfür das entsprechende Werkzeug in seiner IT, so kann ich mich dort einklinken ohne mir über aufwändige Programmierungen und Anpassungen der Software Gedanken zu machen”, nennt Craig Himmelberger, Solution Manager für SAP for Insurance, ein mögliches Szenario.

Die Branche profitiert von durchgängigen Prozessen

Das Portfolio von SAP for Insurance umfasst Anwendungen für das Schadensmanagement (SAP Claims Management), zur Kapitalanlagenverwaltung (SAP Financial Asset Management), für Debitoren- und Inkassomanagement (SAP Insurance Collections and Disbursements), für das Provisionsmanagement (SAP Incentive and Commission Management) sowie für Rückversicherungsgeschäfte (SAP Reinsurance Management). Da SAP for Insurance auf dem Konzept der Enterprise SOA beruht, steht die Funktionalität dieser Anwendungen jeweils auch stand-alone zur Verfügung.
So lassen sich mit SAP Claims Management beispielsweise Schäden melden und erfassen (Insurance Claim Notification Processing und Insurance Claim Processing), Provisionen abwickeln (Commission Processing), Berechtigungsnachweise verwalten (Credential Processing) und Forderungen bearbeiten (Insurance Receivables and Payables Processing). Im Zusammenspiel bieten diese Enterprise Services Versicherern die Möglichkeit, automatisiert erste Schadensanzeigen (First Notice of Loss, FNOL) oder Schadensmeldungen (First Report of Injury, FROI) über die gängigen FNOL-Dienstleister oder Agenturmanagementsysteme zu senden und zu empfangen und nahtlos weiterzuverarbeiten.
Die Integrationsplattform SAP NetWeaver, auf der die Enterprise Services aufsetzen, ist der Türöffner für Drittanbieter, Versicherungsvertreter und Schadenssachbearbeiter. Die offene Plattform bietet ihnen die Möglichkeit, Informationen auszutauschen und sowohl vom Know-how als auch von vorhandenen Anwendungen oder Innovationen der anderen zu profitieren.
Deckung zu fairen Preisen und guter Service hingegen steht für die Kunden der Versicherer im Vordergrund. Die Wiederverwendbarkeit des Kern-Codes und der Anwendungsinfrastruktur für interne und externe Verbindungen senkt in diesem Sinne die Kosten der Versicherer, reduziert die Kundenantwortzeiten und hilft Eingabefehler zu vermeiden.
Ursprünglich war SAP for Insurance eine monolithische Anwendung. Um das Konzept der Enterprise SOA umzusetzen, hat SAP auf XML-Basis die Lösung in kleine Funktionseinheiten, die Enterprise Services, zerlegt. Diese Services kommunizieren auf einer semantischen Ebene und verständigen sich darüber, welche Informationen wo und wie in der Lösung verarbeitet werden müssen. Der ACORD-Standard (ACORD XML Notification of Loss) dient der gesamten Versicherungsbranche als einheitliche „Sprache“, die damit insgesamt vom straffen und für Fehler unanfälligen Datenaustausch profitiert.

Einfaches Schadensmanagement

Capita, britischer Spezialist für Schadensmanagement, setzt bereits seit 2005 auf SAP Claims Management. Das Unternehmen hat mit SAP NetWeaver eine Enterprise SOA aufgebaut und sich via ACORD-Standard in der Branche zu einem Outsourcing-Dienstleister für Schadensmanagement gemausert. Ruft ein Versicherungsnehmer einen der Auftraggeber von Capita an, wird der Back-End-Prozess für das Schadensmanagement von Capita übernommen und dann an die Versicherung zurückgegeben.
Die Funktionen von SAP Claims Management sind hierfür bei Capita um das Enterprise Service Bundle „Insurance Claims Handling“ erweitert. Die zusätzlichen Business-Objekte „Maintain Insurance Claim Notification“, „Confirm Insurance Claim Notification Creation“, „Notify of Insurance Claim Notification Processes“, „Create Insurance Claim Notification“, „Maintain Insurance Claim“ und „Confirm Insurance Claim Creation“ erleichtern es, Schadensmeldungen einfacher zu erstellen, beizubehalten und zu bestätigen.

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