Das Geheimnis der Weltmarktführer

Feature | 1. Juni 2011 von Christiane Stagge 0

Einblicke in die Unternehmensspezifika von Weltmarktführern. (Foto: Fotolia)

Einblicke in die Unternehmensspezifika von Weltmarktführern. (Foto: Fotolia)

Miele-Waschmaschinen, VW-Autos, Bosch-Bohrmaschinen  – die Auswahl an Unternehmen, deren Produkte im Markt führend sind, ist groß. Unter Weltmarktführer sind sämtliche Unternehmen zu verstehen, die eine der globalen Top 3-Positionen für ihr Marktsegment  besetzen. Doch warum haben einige Unternehmen mehr Erfolg als andere?

In Bielefeld und München trafen sich Wissenschaftler, Firmenvertreter und Berater, um dem  „Geheimnis der Weltmarktführer“ auf den Grund zu gehen. Auf der Fachtagung vom SAP-Partner Itelligence erläuterten ausgewählte Unternehmen ihre Erfolgsstrategie, wie zum Beispiel Vetter Pharma, das sich einst aus einer Apotheke zu einem Weltkonzern für vorgefüllte Injektionssysteme entwickelte.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete Prof. Dr. Bernd Venohr mit dem Vortrag „Das Geheimnis der Weltmarktführer“.Venohr war fünf Jahre lang Geschäftsführer von Accenture, ist als Berater tätig und beschäftigt sich als Wissenschaftler an der Goethe-Universität Frankfurt mit den versteckten Potenzialen kleiner und mittelständischer Unternehmen. Für sein Buch „Hidden Champions“ hat er eine Datenbank mit 1500 deutschen Unternehmen ausgewertet, die als Weltmarktführer zu verstehen sind. Interessant: Von den 1500 untersuchten Firmen gehören 1300 zum Mittelstand.

Venohrs Fazit:

  • Deutschland gewinnt als einziges Industrieland neben China seit mehreren Jahren wieder Anteile auf dem Weltmarkt.
  • Weltweit rangieren deutsche Unternehmen in etwa Zweidritteln aller Marktsegmente unter den Top-3-Anbietern und sind demnach Weltmarktführer. Den größten Anteil nimmt dabei der Maschinenbau ein.

Die 70-70-70-Regel

Venohr definiert für den deutschen Markt die 70/70/70-Regel: 70 Prozent der weltmarktführenden Unternehmen sind im Familienbesitz, 70 Prozent der Weltmarktführer haben ihren Standort in der Provinz und die meisten Firmen seien mindestens 70 Jahre alt und werden schon von der dritten Generation geführt.

Der hohe Anteil an Familienunternehmen in Deutschland spielt für den Erfolg eine entscheidende Rolle. Venohr schreibt dem aufgeklärten Familienkapitalismus eine entscheidende Funktion zu: In Familienunternehmen werden moralische Grundwerte wie Unabhängigkeit von Investoren, Nachhaltigkeit von Mitarbeiter- und Kundenbeziehungen, Kontinuität in der Führungseben und eine hohe Re-Investitionsquote stärker gelebt als in anderen Firmen.

Eine weitere Strategie, die laut Venohr zum Erfolg führt: die globale Nischendominanz. Erfolgreiche Firmen decken entweder Premium-Massenmärkte ab, wie Daimler, Audi, BMW oder sind in kleinen Nischenmärkten zu finden. Ein Beispiel dafür ist die Firma Veigel, die Fahrschulautos weltweit mit Doppelbedienungen und Zusatzpedalen ausstattet.

Durch hochflexible Produktionssysteme gehören deutsche Firmen in der Fertigung zur Spitzenklasse. Im operativen Management, welches die Fertigungsprozesse betrifft,  nehme Deutschland weltweit nach den USA Platz Zwei ein.

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Prof. Dr. Bernd Venohr untersuchte Weltmarktführer und entdeckte dabei viele Gemeinsamkeiten. (Foto: Christiane Stagge)

Prof. Dr. Bernd Venohr untersuchte Weltmarktführer und entdeckte dabei viele Gemeinsamkeiten. (Foto: Christiane Stagge)

Einmal Weltmarktführer – immer Weltmarktführer?

Heidelberger Druck hat es vorgemacht: Langfristiger Erfolg ist die Ausnahme. In den 80er Jahren, so Venohr, zählte der Konzern zum erfolgreichsten Unternehmen weltweit, zwanzig Jahre später kämpfte die Firma gegen die Insolvenz.

Die Gründe für das Scheitern von Firmen sind allgemein vielfältig und reichen von Fehlern im Management bis hin zum Rückgang des Marktes, Überexpansion, Technologiesprüngen und zu hohem Fremdkapital.

Kein „Klein aber fein“

Laut Venohr können 80 Prozent der Firmen ihre Position behaupten. Das Wichtigste, was Inhaber beachten müssen: Firmen brauchen Wachstum. Das Motto „Klein aber fein“ sei höchstens für hochspezialisierte Einzelkämpfer wie Chirurgen oder Anwälte angemessen, für Firmen jedoch nicht zielführend.

Neue Mitarbeiter spielen für Erfolg und Wachstum eine entscheidende Rolle, denn sie bringen neues Wissen in die Firma. Die Mitarbeiterbindung sei hierbei ganz entscheidend: Kollegen brauchen Anreize und Karriereperspektiven, ansonsten wandern die guten Leute ab.

Das Kerngeschäft bildet laut Venohr die Basis für die Unternehmen. Entscheidend aber sei es, neue Geschäftsmodelle zu finden und Kundengruppen zu erweitern. Firmen dürften sich nicht nur auf ein Produkt konzentrieren.

SAP als Weltmarktführer

Die 70/70/70-Regel trifft für SAP nicht zu: SAP ist weder ein Familienunternehmen noch 70 Jahre alt. SAP hat es jedoch geschafft, sein Kerngeschäft zu erweitern. Während früher zum Kundenstamm hauptsächlich Großkonzerne gehörten und SAP riesige Softwarepakete wie R/3 und Business Suite auslieferte, nimmt das Unternehmen nun den Mittelstand in den Fokus und entwickelt flexible OnDemand-Software.

Als Partner übernimmt Itelligence die Beratung, das Hosting und den Vertrieb der Software. Itelligence bietet Branchenlösungen für die Luftfahrtindustrie, Automobilindustrie, Chemiekonzerne, Metallindustrie, Dienstleister und Holzverarbeitung an. Zum Lösungsportfolio gehören neben SAP ERP auch die OnDemand-Software Business ByDesign.

Globalisierung, flexible Geschäftsmodelle und mobile Software sieht Michael Vollmer, Geschäftsbereichsleiter von Itelligence, als die Parameter künftiger Unternehmenssoftware.

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