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SAP in Spanien: 30 Jahre und stärker als je zuvor

Feature | 22. Dezember 2017 von Andrea Diederichs 0

SAP Spanien ist ein Wachstumsmotor mit Innovationskraft und sozialem Gewissen. Geschäftsführer João Paulo lüftet das Geheimnis des Erfolgs – auch in schwierigen Zeiten.

1987 öffnete SAP Spanien mit gerade einmal fünf Mitarbeitern seine Tore. In diesem Jahr feiern 730 Mitarbeiter in Barcelona und Madrid das 30-jährige Firmenjubiläum und blicken auf eine erfolgreiche Vergangenheit zurück. Doch SAP Spanien ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Besonders in den letzten drei bis vier Jahren konnte das Unternehmen trotz schwieriger politischer und wirtschaftlicher Bedingungen ein enormes Wachstum verzeichnen. Managing Director João Paulo im Interview:

Der Umsatz von SAP Spanien hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, die Zahl der Mitarbeiter stieg ebenfalls. Worin liegt das Geheimnis?

João Paulo: Das stimmt. Das Umsatzwachstum ist umso beeindruckender, wenn man unseren wirtschaftlichen Hintergrund betrachtet. In den Krisenjahren 2009 bis 2013 mussten wir massive Umsatzeinbrüche verkraften. Aber in den darauffolgenden vier Jahren zogen die Zahlen enorm an. Außerdem konnten wir das Softwaregeschäft in den letzten drei Jahren um mehr als 90 Prozent ausbauen. Das heißt, wir wachsen schneller als die meisten Länder in der Region EMEA. Das beweist, dass unser Team etwas ganz Besonderes auf die Beine gestellt hat.

Es gibt zwei Geheimisse unseres Erfolgs. Das erste sind die Menschen. Ohne sie wäre nichts von dem, was wir erreicht haben, möglich gewesen. Zum einen haben wir interne Talente in verantwortliche Positionen gebracht, zum anderen haben wir externe Fachleute an Bord geholt, um unser Know-how abzurunden. So kurbeln wir das Wachstum an und setzen einen positiven Kreislauf in Gang.

Das zweite Geheimnis ist, dass die SAP ihren Schwerpunkt sehr stark auf innovative Technologien verlagert hat. Das bietet uns die perfekte Gelegenheit, unsere Kunden zu besuchen und ihre Wahrnehmung von SAP zu verändern.

Wie verändern Sie die Wahrnehmung von SAP im spanischen Markt?

Traditionell werden wir in Spanien als reiner ERP-Anbieter gesehen. Ehrlich gesagt ist es nicht leicht, dieses Bild zu ändern. Daher habe ich es mir zur Priorität gemacht, SAP als Innovationsanbieter zu positionieren. Vor zweieinhalb Jahren haben wir eine „Leuchtturm“-Initiative ins Leben gerufen, bei der es ausschließlich um neue Technologien geht. Ausgewählte Kunden setzen kurze, drei- bis vierwöchige Projekten um, etwa in den Bereichen maschinelles Lernen, Blockchain oder IoT. Ein paar unserer Kunden nennen das auch die „Star Wars“ der SAP.

Um ein Beispiel zu nennen: Zusammen mit dem Öl- und Gasanbieter CEPSA entwickelten wir einen Prototyp einer mobilen App mit dem Apple iOS SDK. Damit können Mitarbeiter und Kunden Daten aus verschiedenen Quellen auf der iWatch, dem iPad oder dem iPhone abrufen. CEPSA gestaltete Prozesse neu, in die Partner, Kunden und Mitarbeiter im gesamten Netzwerk von 1.700 Tankstellen eingebunden sind, die Tag für Tag mehr als ein Million Kunden und ihre Fahrzeuge versorgen.

In der ersten Phase des Leuchtturm-Projekts konzentrierten wir uns darauf, Kunden vom traditionellen On-Premise-Geschäft auf ein vollständiges Cloud-Subskriptionsmodell umzustellen. Die Hotelkette Meliá Hotels International betreibt heute ihre gesamte ERP-Landschaft in der Cloud. Seitdem sind andere ihrem Beispiel gefolgt, unter anderem die führende spanische Supermarktkette Mercadona Group. Sie ist heute einer der größten SAP-Kunden weltweit mit einem vollständigen Cloud-Subskriptionsmodell.

Was ist das Einzigartige an SAP Spanien?

Die Zahlen sind nicht alles. Ich sage meinem Team immer, dass wir etwas bewirken, dass wir Spuren hinterlassen sollten. Natürlich, Wachstum und Umsatz müssen stimmen. Aber ich denke auch an den Markt und unser Partnernetz. Die SAP trägt massiv zum Wachstum der spanischen Wirtschaft bei. Auf jede Stelle, die wir schaffen, kommen zwanzig Stellen in unserem Partnernetz. Die SAP ist also ein starker Multiplikator.

Und dann spielen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Kolleginnen und Kollegen, die als junge Talente bei uns eingestiegen sind, entwickeln sich unglaublich schnell weiter. Andere wurden befördert und haben dadurch einen Motivationsschub erlebt. Diese Motivation geben sie jetzt an ihre Teams weiter.

Ich halte alle drei Dimensionen für äußerst wichtig.

Die Mitarbeiter feiern den 30. Geburtstag von SAP Spanien.

Wie steht SAP Spanien zum Thema gesellschaftliche Verantwortung?

Wir haben sehr viel Glück, Teil der SAP-Kultur zu sein. Und es ist unsere Pflicht, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Deshalb fördern wir unterschiedlichste Programme, größtenteils in der Bildung, aber auch in Wissenschaft und Technologie oder in der Robotik.

Darüber setzen wir uns für älteren Menschen oder Menschen mit Behinderungen ein. Zu unseren Kunden zählt eine der größten Organisationen in Europa, die sich der Unterstützung behinderter – ursprünglich nur blinder – Menschen verschrieben hat. Die Arbeitslosenquote der Gesamtbevölkerung in Spanien liegt bei rund 17 Prozent. Bei blinden Menschen beträgt sie nur 6 Prozent. Das ist nur ein Beispiel dafür, was wir bewirken können, wenn wir unsere gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen.

Wie sieht es mit den politischen Verhältnissen aus? Wie wirkt sich die Situation in Katalonien auf das Geschäft der SAP aus?

Natürlich beobachten wir die Entwicklungen genau. In Spanien hatten wir zwei rechtliche Einheiten: eine in Madrid und eine in Barcelona. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Barcelona machten sich Sorgen, wie es mit ihren Arbeitsverträgen weitergehen würde. Aus diesem Grund beschlossen wir ebenso wie einige andere Unternehmen, unsere rechtliche Einheit aus Barcelona nach Madrid zu verlegen, um eventuelle juristische Schwierigkeiten zu vermeiden.

Unser Geschäft leidet durchaus etwas unter den politischen Spannungen. Die Kunden zögern einige Entscheidungen hinaus, und das schlägt sich in unseren Zahlen nieder. Ich denke aber, die Geschichte hat uns gelehrt, dass auf Momente der Anspannung auch wieder Zeiten der Entspannung. Die politische Diskussion hat lange dominiert. Jetzt erleben wir, dass der private Sektor die wirtschaftliche Diskussion beginnt, und ich glaube, damit wird wieder der gesunde Menschenverstand ins Spiel kommen.

Bei SAP Spanien sind Menschen aus 25 Nationen tätig. Ich fand es sehr wichtig und beeindruckend, wie in der ganzen Zeit alle einander mit Respekt begegnet sind. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Aber das muss eben respektvoll geschehen. Genau das konnte ich bei meinen SAP-Kolleginnen und -Kollegen beobachten. Das macht mich sehr stolz.

SAP CEO Bill McDermott mit MD Joao Paulo und SAP-Kunden von der spanischen Post Correos

Sie sprechen von 25 Nationalitäten. Wie stehen die Kunden dazu?

Ich persönlich schätze die Vielfalt sehr. Und das tun unsere Kunden auch. Die Kunden erwarten Know-how. Woher die Menschen kommen, die es mitbringen, interessiert sie nicht. Immer dann, wenn man Hürden errichtet oder Einschränkungen schafft, leidet die Qualität. Die Mercadona Group hat zum Beispiel ganz deutlich gemacht, dass sie die besten Fachkräfte will, die die SAP weltweit zu bieten hat. Gelegentliche Sprachbarrieren oder kulturelle Unterschiede nehmen die Kunden gerne in Kauf. „Talent“ ist die Regel Nummer eins in diesem Spiel.

Ihr Credo lautet „transformationale Führung“. Was heißt das genau?

Ich glaube, dass Unternehmen entweder wachsen oder schrumpfen. Stillstand kann es nicht geben. Denn wer auf Stillstand hin plant, geht unter. Wenn man dagegen auf Wachstum oder grundlegenden Wandel hinarbeitet, kann das Unternehmen wachsen. Immer dann, wenn sich Stabilität einstellt, ist die Zeit für eine Veränderung gekommen. Wir müssen unsere Teams ständig motivieren, die Gegebenheiten in Frage zu stellen oder zu ändern oder sogar jemanden ins Team holen, der alles auf den Kopf stellt.

Aber ich glaube auch, dass wir alle – auf allen Ebenen – offen für Veränderungen sein müssen. Deshalb haben wir eine Kultur der Offenheit geschaffen, in der Mentoring und Retro-Mentoring eine wichtige Rolle spielen. Ich setze mich mit jungen Talenten zusammen und bitte sie, meine Mentoren zu werden. Ich ermutige sie, mir zu erzählen, wie sie denken, was ihnen am Unternehmen nicht gefällt, wie sie auf dem Aktienmarkt investieren oder wie sie die sozialen Medien nutzen. Wenn man für einen solchen Dialog offen ist, profitieren beide Seiten davon.

Was sind die wichtigsten Ziele für die Zukunft?

Wir wollen das Cloud-Unternehmen Nummer eins in Spanien, Portugal und Israel werden. Und wir möchten der Vorreiter auf dem Datenbankmarkt sein. Das ist ein Bereich, dessen Potenzial wir noch nicht genügend ausgeschöpft haben. Bisher ist unser Ertrag in diesem Bereich noch sehr gering. Aber das Marktpotenzial ist gewaltig. Unser Plan für 2020 steht. Ich hoffe, in ein paar Jahren erzählen zu können, dass wir noch einmal um 90 Prozent gewachsen sind.

 

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