Soccer team in a huddle

Vertrauen schaffen, wo es darauf ankommt – Katastrophenhilfe mit Blockchain

Feature | 5. Dezember 2017 von Jeanette Rohr 1

Bricht eine Katastrophe herein, reagieren Staaten und Nichtregierungsorganisationen immer schnell mit humanitärer Hilfe. Doch aufgrund mangelnder Transparenz zwischen den verschiedenen Hilfsorganisationen, können diese Maßnahmen oft nicht richtig greifen. Mit Blockchain-Technologie lässt sich schnell und einfach ein unabhängiges Erfassungssystem erstellen, das entscheidend dazu beitragen könnte, den Menschen in Not schneller und effektiver zu helfen.

Im Januar 2010 wurde Haitis Hauptstadt Port-au-Prince von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,0 heimgesucht, was zu einer der schlimmsten Naturkatastrophen aller Zeiten führte. Innerhalb von 24 Stunden waren Helfer aus über 20 Ländern und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) unterwegs, um Katastrophenhilfe zu leisten. Das Spektrum reichte von Bergungsaktionen und medizinischer Betreuung bis hin zur Versorgung mit Wasser und Nahrung. Um effizienter arbeiten zu können, bündelten sie ihre Maßnahmen. Jedes Rettungsteam brachte spezielle Ressourcen und bestimmtes Wissen mit. Später gaben die Vereinten Nationen jedoch bekannt, dass die Teams nicht effizient zusammenarbeiten konnten, weil es keinen einheitlichen Kommunikationskanal gab und mit zu vielen unstrukturierten Datenquellen gearbeitet wurde, zum Beispiel E-Mail und soziale Medien.

Stellen Sie sich vor, eine französische Hilfsorganisation möchte medizinische Unterstützung leisten und mehrere Ärzte in ein bestimmtes Gebiet auf der Insel bringen – aber sie haben keine Ahnung, wie dies geschehen soll. In der Zwischenzeit haben die USA drei Helikopter in der Nähe. Wie können beide sofort wissen, dass hier Angebot und Bedarf zusammenpassen?

Auch wenn genügend Geld zur Verfügung steht, gibt es derzeit keine schnelle und zuverlässige Methode, die anderen Parteien darüber zu informieren, was benötigt wird. Mit einem gemeinsamen Erfassungssystem ließe sich die Katastrophenhilfe optimieren. Doch vorher wären Fragen zu klären wie: Wer soll Eigentümer des Systems sein? Bei wem soll die Datenhoheit liegen?

Katastrophenhilfe erfordert Interaktion zwischen Partnern

Zweifelsohne hat die Menschheit große Fortschritte in Bezug auf Katastrophenhilfe gemacht. Wenn verschiedene Länder und nichtstaatliche Organisationen sich zusammentun, muss das gebeutelte Land nicht mehr allein mit den Folgen fertig werden. Doch Maßnahmen, die von verschiedenen Gruppen durchgeführt werden und rasches Handeln erfordern, bringen gewisse Herausforderungen mit sich. Regierungsorganisationen setzen oft auch Streitkräfte in Katastrophengebieten ein. Aber die Truppen sind nicht darauf erpicht, anderen Einblicke in ihre Arbeitsweise zu gewähren. Diese verständliche Zurückhaltung, sensible Daten preis zu geben, kann dazu führen, dass möglicherweise lebensrettende Informationen nur verzögert oder gar nicht zugänglich sind. Die größte Stärke dieser gemeinsamen Hilfsmaßnahmen kann auch zur größten Schwäche werden.

Bei Maßnahmen mit mehreren Beteiligten ist es üblich, mehrere Systeme zu einem Verbund zusammenzufassen. Die technische Komplexität jedoch erschwert die Inbetriebnahme in Situationen, in denen es keine Zeit zu verlieren gibt. Darüber hinaus gibt es Sicherheitsrisiken, die alle Beteiligten zögern lassen, Einblicke in die Kapazitäten ihrer Ressourcen gewähren. Doch in Katastrophenfällen ist absolute Transparenz notwendig. Die verschiedenen Hilfsorganisationen müssen nahtlos zusammenarbeiten und in Echtzeit Informationen austauschen können. Möglich ist dies nur in einem verteilten Netzwerk.

Und hier kommt die Blockchain ins Spiel.

Vertrauen schaffen, aber auch Effizienz gewährleisten

Mit Blockchain-Technologie lassen sich die zentralen Systeme der teilnehmenden Hilfsorganisationen über ein verteiltes Netzwerk miteinander verbinden. Für die Beteiligten bedeutet dies:

  • Verteilte Befugnis: Alle Beteiligten sind gleichberechtigt und können weiterhin ihr eigenes Einsatzplanungssystem verwenden.
  • Interaktion zwischen Partnern: Mit Blockchain steht eine zentrale Informationsquelle für alle Maßnahmen zur Verfügung, die in Echtzeit aktualisiert wird. Jeder Teilnehmer hat Zugriff auf die Transaktionshistorie.
  • Ad-hoc-Funktionalität: Die Teilnehmer können dem Netzwerk jederzeit beitreten oder aussteigen.
  • Datenschutz: Die Teilnehmer behalten ihre Datenhoheit und müssen ihre Kapazitäten anderen Teilnehmern gegenüber nicht offenlegen.

Aber zurück zum Szenario in Haiti: Die Franzosen würden über die App einen Hubschraubertransport anfordern. Diese Anfrage würde dann an alle Teilnehmer der Hilfsmission gesendet. Alle anderen Teilnehmer könnten die Anfrage sofort sehen und mit einem entsprechenden Angebot reagieren. Die USA könnten dann einen ihrer drei Hubschrauber losschicken, der dann innerhalb von 30 Minuten zur Verfügung stehen würde.

Bei der sogenannten Smart-Contract-Technologie stellt ein offener Algorithmus in der Blockchain sicher, dass die Parteien sich an gemeinsam vereinbarte Regeln halten. Das heißt, Anfragen, die über Smart Contracts laufen, würden automatisch akzeptiert, wenn die Bedingungen stimmen. So könnte unverzüglich Hilfe geleistet werden. Die Historie der Transaktionen wird auf sichere Weise in der Blockchain gespeichert.

Dieses Szenario ist zwar noch nicht die Realität, aber ein Grund, weshalb die SAP davon überzeugt ist, dass Blockchain ein vielversprechendes Konzept ist – ein Ansatz mit dem sich komplexe Mehr-Parteien-Prozesse vereinfachen und Vertrauen zwischen den Teilnehmern herstellen lassen. Mit ihrem Know-how in 25 Branchen und 12 Geschäftsbereichen lotet die SAP die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie aus, denn sie hat das Potenzial, die Abläufe in der weltweiten Wirtschaft und das Leben von Menschen zu verbessern.

Bildquelle: Shutterstock

Tags: ,

Leave a Reply