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Kirche: IT als Segen betrachten

Feature | 14. Dezember 2017 von Andreas Schmitz 14

Obwohl 70 bis 80 Prozent der Kirchensteuer den 20 evangelischen Landeskirchen und 27 (katholischen) Bistümern zukommt, gibt es wenig Transparenz darüber, was mit diesem Geld geschieht. Der Grund: Technologie hat in der Kirche keine Lobby.

Es war eine Online-Umfrage unter 200 Pfarrern, die das Bistum Köln zum Umdenken brachte. 25 Stunden durchschnittlich müssten sie sich mit Verwaltungsaufgaben beschäftigen, gaben die Pfarrer an. Mehr als die Hälfte ihrer Zeit verbrachten die Geistlichen also nicht mit ihrer Kernaufgabe, für die Menschen in der Gemeinde da zu sein. Das Projekt „Neue Wege in Pastoral und Verwaltung“ wurde auf den Weg gebracht. Es hat das Ziel, ein effizienteres Verwaltungssystem aufzubauen. Dazu gehört nicht nur, Verwaltungsleiter in den Pfarreien einzustellen, sondern auch Prozessoptimierungen und Standardisierungen, die Einführung einer zentralen Stammdatenverwaltung und Liegenschaftsverwaltung voranzutreiben.

Kirchen profitieren noch von der guten Konjunktur

Auf den ersten Blick geht es den Kirchen in Deutschland gut. Obwohl seit 1990 über 12,5 Millionen Menschen aus der Kirche ausgetreten sind und heute „nur“ noch etwa 45,5 Millionen Bundesbürger Kirchensteuer zahlen, stiegen die Einnahmen in den letzten zehn Jahren von acht auf über 11,5 Milliarden Euro. Der Grund: Augenblicklich wächst die Wirtschaft und in Deutschland herrscht nahezu Vollbeschäftigung. „Die gute Beschäftigungssituation kaschiert die wirkliche Lage“, ist Thomas Suermann de Nocker jedoch überzeugt. Der Professor von der FOM-Hochschule für Ökonomie und Management in Essen sieht einen Mitgliederschwund von jährlich einem Prozent, zudem würden gerade „junge und gut verdienende Menschen“ aus der Kirche austreten, wenn sie das erste Mal auf ihre Gehaltsabrechnung schauen. „Durch einen 30-Jährigen, der austritt, entgehen der Kirche über 40 Jahre zuweilen mehrere 100.000 Euro“, weiß der Theologe und Betriebswirt Suermann de Nocker: „Was ist, wenn zusätzlich zu dem Mitgliederschwund noch die Konjunktur nachlässt?“

Transparenz gefordert: Druck für Veränderungen wächst

Der Druck für Veränderungen wächst. Kirchgänger fragen zunehmend hartnäckiger, was mit „ihrem“ Geld passiert und in welche konkreten Projekte die Steuergelder fließen. Das ist nicht zuletzt auch das „Erbe“ des Skandals um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Gelder für privaten Luxus ausgab. Ein Bistum aus Süddeutschland kam kürzlich zudem in die Schlagzeilen, weil es offenbar Rückstellungen in dreistelliger Millionenhöhe für nicht gezahlte Sozialabgaben bilden musste. Nach Ansicht von Suermann de Nocker ist es oft auch heute noch üblich, dass Pfarreien nur die Ein- und Ausgaben in einer Gewinn- und Verlustrechnung zusammenführen, aber keine doppelte Buchführung machen. „Über das wirkliche Vermögen sagt das erst einmal nur wenig aus“, bemerkt Suermann de Nocker. Zudem sind ihre Immobilien wie Kirchen, Kapellen, Pfarr- und Gemeindehäuser häufig nur mit einem symbolischen Euro bewertet und tauchen in keiner Bilanz auf. Eine Gesamtübersicht über die Besitztümer und Rücklagen der Pfarreien ist – im Vergleich zu Unternehmen – nur umständlich zu beschaffen. Technisch gesehen könnte eine integrierte Prozessplattform hier Abhilfe schaffen.

Besondere Herausforderung: Inhalte und Visionen der Kirchen erhalten

Ein Projekt wie jenes in Köln ist nicht zuletzt deshalb auf den Weg gebracht worden, um über eine professionellere Verwaltung mehr Transparenz zu schaffen. Im Kölner Bistum geht es insgesamt um jährlich eine Milliarde Euro Umsatz, um 500 Pfarreien, hunderte Kindertagesstätten, Tagungshäuser und Schulen. Um in Kirchen wirklich Veränderungen zu ermöglichen, ist Sensibilität gefragt. Robert Voglgsang spricht von einem „empathischen Akzeptanzmanagement“, ein Change Management, das die besondere Situation der Kirchen berücksichtigt. „Es ist keineswegs so, dass die Kirchen und auch die Sozialwirtschaft kein Interesse an Standardisierung haben“, erläutert der Kirchen- und Sozialwirtschaftsexperte von SAP Digital Business Services Voglgsang, der selbst zehn Jahre bei der evangelischen Landeskirche in Bayern beschäftigt war. „Es geht vielmehr darum, dass man Kirche noch als Kirche und den kirchlichen Wohlfahrtsträger noch als solchen erkennen kann und er sich weiterhin mit seinen Inhalten und Visionen identifizieren kann.“

Transparenz über alle Rechtsträger hinweg fehlt

Klar ist: Ein Bistum und eine evangelische Landeskirche bestehen aus vielen hundert Körperschaften öffentlichen Rechts, die jede für sich wirtschaftlich unabhängig ist. Zwar beziehen sie 70 bis 80 Prozent ihrer Mittel aus Steuergeldern, doch fließt die individuelle Finanzsituation einer Pfarrei nicht in eine konsolidierte Sicht eines Bistums oder der jeweiligen evangelischen Landeskirche ein. „Eine Kirche gründet sich von unten, ein Unternehmen von oben“, erläutert Suermann de Nocker. Ein Bischof hat also faktisch nicht den Entscheidungsspielraum eines CEOs. Er muss zunächst Gremien von seinen Vorhaben überzeugen. Zudem hat Technologie keinen hohen Stellenwert in der Kirche. In diesem „Milieu, in dem technikskeptische Kräfte sehr präsent sind“ (Suermann de Nocker) geht es dann zunächst darum, die Vorteile der Digitalisierung für die Prozesse in der Kirche zu diskutieren. Und das geschieht etwa in der evangelischen Kirche über das „Kirchenparlament“, die Synode. „Hier wird viel und gründlich diskutiert, bevor eine organisatorische Veränderung oder technische Innovation beschlossen wird“, sagt der Professor. Seine Forderung: „Es muss eine Transparenz über alle Rechtsträger hinweg geben“ – quasi eine „Konzernbilanz“ für Kirchen.

Integrierte Prozesse für Finanzen, Immobilien, Personal: Was IT leisten kann

Die Finanzprozesse, die Immobilienverwaltung sowie das Personal- und Dokumentenmanagement gehören für den SAP-Experten Voglgsang zu den essentiellen Bestandteilen eines Ressourcenmanagements aller kirchlichen, kirchennahen und sozialwirtschaftlich handelnden Organisationen. Die Idee: Das Ressourcenmanagement und damit die Stützprozesse werden in einer strategischen Prozessplattform (wie etwa SAP S/4HANA) abgebildet, ohne dass die kirchlichen und sozialwirtschaftlichen Kernprozesse davon beeinträchtigt werden. „Die Prozesse werden so effizienter, da sie aufeinander abgestimmt sind“, ist Voglgsang überzeugt, der oft eine heterogene IT-Struktur vorfindet. Dabei geht es vorrangig darum, erst einmal zu wissen, welche Ressourcen verwendet werden, um sie dann zielgerichtet einsetzen zu können.

Weitere Informationen:

Sollten Sie Informationen über das Leistungsportfolio oder konkrete Unterstützung benötigen, wenden Sie sich bitte an SAP Digital Business Services.

Kontakt: Robert Voglgsang, Service Account Manager, Kirchen & Non Profit Organisationen, Öffentliche Verwaltung
SAP Deutschland SE & Co. KG
robert.voglgsang@sap.com

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