Klar definierte Standards sind gefragt

Feature | 31. März 2003 von admin 0

Laura DiDio, Analystin beim Marktforschungsunternehmen Yankee Group Inc., verwendet das Wort “Webify” um zu beschreiben, was die Unternehmen mit ihren Enterprise Resource Planning- (ERP) und anderen unternehmenskritischen IT-Systemen vorhaben. Wesentliche Geschäftsprozesse sollen ins Internet verlagert, Geschäftseinheiten und Niederlassungen miteinander verbunden und auch die Partner unternehmensübergreifend angekoppelt werden. Darzulegen, wie sich dies umsetzen lässt, war Ziel des Yankee Group Integration Technologies Forum, auf dem auch E-Business-Unternehmen wie SAP oder die Hubspan Inc. als Sponsoren und mit Vorträgen vertreten waren.
DiDio gab in ihrem Vortrag zu Bedenken, dass bisher erst sieben bis zehn Prozent der führenden Unternehmen “webified” sind. Sie geht jedoch davon aus, dass viele Unternehmen noch in diesem oder spätestens im kommenden Jahr Web Services implementieren und verwenden werden. Der Grund: Nach Meinung der Analysten lässt sich durch Web Services die Wertschöpfung aus den bestehenden Systemen erhöhen. Nicht nur, dass sich Aufgabenstellungen rationaler umsetzen lassen oder die Kommunikation verbessert ist. Vor allem, so DiDio, seien die Gesamtkosten, die den Unternehmen durch Beschaffung, Betrieb und Wartung einer IT-Lösung entstehen, die Total Cost of Technology Ownership, deutlich geringer. Doch DiDio mahnt die Unternehmen, sich vorsichtig an das Internet heranzutasten. Zuerst müssten sie die Vielzahl neuer Protokolle und Plattformen in den Griff bekommen. Ob XML oder UDDI, SOAP oder WSDL – E-Business bedient sich einer eigenen Sprache.

Interoperabilität der Produkte gewährleisten

Einige der bedeutendsten Standadisierungsinitiativen

Einige der bedeutendsten Standadisierungsinitiativen

“Die Buchstabensuppe bei Abkürzungen und Akronymen rund um Web Services ist dicht”, so DiDio. Derzeit gibt es etwa 22 verschiedene Standards, die jeweils von einer wachsenden und wechselnden Anzahl von Koalitionen unterschiedlicher Anbieter unterstützt werden. OASIS, ebXML.org und W3C sind nur einige der zugehörigen Gremien. Daher, fordert DiDio, müssen Integratoren von Web Services und Softwareanbieter die Interoperabilität ihrer Produkte gewährleisten. Sei dies nicht gegeben, könne das Websystem eines Unternehmens unter Umständen nicht mit dem System eines Partners kommunizieren. Die einfache aber verheerende Folge: Unterbrechung der Geschäftsprozesse und damit Verminderung der Produktivität. Proprietäre Systeme, schlussfolgert DiDio, sind nicht mehr zeitgemäß – es gelte, sie auf jeden Fall zu vermeiden.
Peter Graf, Vice President Marketing der Collaborative Solutions Group bei SAP, bekräftigte daher auf dem Forum das Engagement von SAP für offene Standards. Er erklärte, dass die von SAP entwickelte Integrations- und Applikationsplattform NetWeaver und die integrierte Kommunikationsplattform xApps Teil der neuen, offenen und interoperablen Web-basierten SAP Enterprise Services Architecture (SAP ESA) seien. Im Sinne der Offenheit sind die Applikationen der SAP ESA kompatibel mit den gängigen Entwicklungs-Plattformen für das Web. Dazu zählen beispielsweise die .NET-Lösung von Microsoft oder die Java-basierte WebSphere von IBM. Auf der Konferenz wurde auch Sinisa Zimek, Director of Technology Architecture bei SAP Labs, als jüngstes Mitglied des Gremiums für offene Standards bei OASIS vorgestellt – ein weiteres Zeichen dafür, wie ernst SAP diese Aufgabenstellung nimmt.

Ohne klare Standards kein Gang ins Internet

Es sei zwar sehr mühsam, sich durch den Dschungel der neuen Web Services zu kämpfen, doch den Unternehmen bliebe nichts anderes übrig, gab Jon Derome, ebenfalls Analyst bei der Yankee Group, zu verstehen. Die Kosten und Risiken bei Webanwendungen würden jedoch automatisch sinken, je mehr sich die Industrie auf gemeinsame Standards verständigen könne. Ohne solche Standards allerdings wird es seiner Meinung nach unglaublich teuer sein, Prozesse über das Web abzuwickeln.
“Web Services in einem Unternehmen zu etablieren erfordert neue Wege beim Personaleinsatz, innovative Designmuster, neue Fertigkeiten und Werkzeuge – und bringt zunächst höhere Kosten mit sich. Solange es keine klaren Standards gibt, werden sich die Unternehmen daher nur sehr langsam ins Internet vorwagen” warnte Howard Smith, Verfasser des Buches “Business Process Management: The Third Wave” und Chief Technology Officer bei der Computer Sciences Corp. Auch bei Web Services sei eine sorgfältige Annäherung an den Themenkreis notwendig – damit sich die entsprechenden Projekte nicht in die lange Liste von IT-Implementierungen einreihten, die die Erwartungen nicht erfüllt haben.

Standardisierung der Technologien als Ziel

Zeus Kerrvala, Vice President for Applications Infrastructure and Software Platforms, Enterprise Computing and Networking bei der Yankee Group, fasste die Zielsetzung bei Web Services zusammen: Für technologische Fragestellungen seien Standards zu schaffen. Zu den Technologien und Protokollen, die bei der Ausführung spezifischer Aufgaben der Web Services eine Schlüsselfunktion inne haben, zählen beispielsweise:

  • Das Internet Protocol (IP), das Hyptertext Transfer Protocol (HTTP) und das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) werden größtenteils für die Übertragung und den Austausch von Nachrichten verwendet.
  • Die Extensible Markup Language (XML) ermöglicht den Austausch ungleicher Codes und Inhalte.
  • Das Simple Object Access Protocol (SOAP) dient dazu, andere Webdienste zu finden und mit diesen zu kommunizieren.
  • Die Web Services Description Language (WSDL) wird verwendet, um einen Webdienst für bestimmte Zwecke zu definieren.
  • Die Universal Description, Discovery and Integration (UDDI) wird zum Publizieren und Auffinden von Webdiensten eingesetzt.

Abschließend nannte Venu Vasudevan, Senior Researcher bei Motorola Labs, seine Definition für Web Services. Web Services sind Gebilde, die durch eine Internet-Adresse (http-URL) identifiziert sind und über offene XML-Schnittstellen verfügen. Ein Web-Service kann anhand der hhtp-URL von einem anderen Web Service gefunden werden – die Ausführung des Programms beziehungsweise das Zusammenspiel der Web Services läuft über XML.

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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