Kleine Auflage – große Wirkung

Feature | 3. Februar 2003 von admin 0

 

Bis aus Rohmaterialien wie Papier, Pappe oder Kunststoff eine aufwendig gestaltete Fachzeitschrift oder attraktive Verpackung entsteht, ist es ein weiter Weg. Gleichzeitig werden die Kundenwünsche an Druckereien und Verpackungsmittelindustrie von Jahr zu Jahr spezifischer. Immer kleinere Auflagen, Auflagensplitts zur getrennten regionalen Verteilung, Personalisierung der Druckprodukte, kürzere Durchlaufzeiten, interaktive Medien – das alles zu bewältigen ist eine organisatorische und unternehmenspolitische Herausforderung und macht zunehmenden Kommunikationsaufwand nötig. Schließlich gilt es eine Vielzahl von Faktoren wie Ressourcen, Rohware, Lager, Logistik, Organisation, Auftrags- und Kundenmanagement zu steuern.
Einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erzielen Unternehmen hierbei zum einen, wenn sie Materialwirtschaft und Produktionsplanung mit Kunden, Produzenten und Lieferanten verknüpfen. Zum anderen, wenn sie technische und betriebswirtschaftliche Funktionen integrieren. Aktuelle Themen in der Branche sind deshalb Workflow, E-Commerce, Customer Relationship Management (CRM), Anbindung der Maschinenleitstände an das betriebswirtschaftliche System und Supply Chain Management (SCM).

Problemstellung: Kundenauftragsfertigung

Das zentrale Thema in der graphischen Industrie ist die Erstellung von Kalkulationen. Hierbei gilt es eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen. Generell lässt sich bei der Produktionsplanung zwischen Kundenauftrags- und Serienfertigung unterscheiden, wobei in der Praxis auch Mischformen anzutreffen sind. In der Druck- und Verpackungsindustrie liegt hauptsächlich eine Kundenauftragsfertigung vor, also eine Massenfertigung kundenindividueller Produkte. Da jedes Produkt unterschiedlich ist, muss der Produktionsablauf individuell geplant, gesteuert und abgewickelt werden.
Die Herstellungskosten kalkuliert das Unternehmen in Angebot und Auftrag für jedes Druck- oder Verpackungsprodukt neu. Dadurch ist es kaum möglich, für jedes angebotene Druckerzeugnis mit seiner Ausprägungsvielfalt eigene Artikelnummern mit Arbeitsplan und Stückliste zu vergeben. Darüber hinaus muss das Unternehmen in der Angebotsphase in der Lage sein, mehrere Auflagen- und technische Varianten zu kalkulieren. Gleichzeitig gilt es, die Preise dem Kunden gegenüber differenziert darzustellen, was flexible Preisstrukturen in Angebot und Auftrag erfordert.

Mit dem Variantenkonfigurator planen

Für diese Aufgabenstellung bietet SAP R/3 die Möglichkeit, komplexe Produktstrukturen über den Variantenkonfigurator abzubilden. Der Variantenkonfigurator ist ein integriertes Tool des SAP-R/3-Systems, mit dem sich komplexe Produkte speziell nach den Kundenwünschen fertigen lassen. Beispiel: Ein Kunde gibt die Eigenschaften einer Zeitschrift vor, wie Länge/Breite, Farbigkeit, Lack oder Beihefter. Mit Hilfe der Variantenkonfiguration lässt sich sicherstellen, dass die Publikation entsprechend den Kundenwünschen gefertigt werden kann. Grenzen setzen dabei nur technische und vertriebliche Gründe. Alle Varianten eines Produkts werden über ein konfigurierbares Material abgebildet. So muss nicht für jede Variante eines Produkts ein Material angelegt werden. Zum konfigurierbaren Material legt der Produktionsleiter eine Maximal-Stückliste und einen Maximal-Arbeitsplan an, der alle Komponenten und Vorgänge enthält, die zur Fertigung der gewünschten Varianten benötigt wird.
Standard-Arbeitspläne und Standard-Stücklisten mit Hilfe des Variantenkonfigurators zu bestimmen, ist jedoch aufgrund der Vielzahl von Einflussgrößen, beispielsweise Papier, Farbe oder Umfang, und Produktionswegen – etwa Druckmaschine, Bindeart, Klebemaschine – sehr aufwendig. Die Applikation ist deshalb nur bedingt für die Druck- und Verpackungsindustrie einsetzbar. Sollte sich aufgrund einer neuen Maschinenanschaffung ein Produktionsweg oder Arbeitsgang ändern, entsteht in vielen Fällen ein hoher Aufwand, um die Maximal-Stückliste und den Maximal-Arbeitsplan zu überarbeiten. Hinzu kommt, dass beim Aufbau des Beziehungswissens im Variantenkonfigurator aufgrund der komplexen Syntax Programmierkenntnisse erforderlich sind.

Branchenlösung trägt funktionalen Anforderungen Rechnung

Für das Systemhaus Steeb war dies der Ausgangspunkt, um eine eigene Branchenlösung zu entwickeln, die seit 2001 von der SAP qualifiziert ist. Mit der Branchenlösung steht dem Anwender ein voll integriertes Werkzeug in der SAP R/3-Umgebung zur Verfügung, das den funktionalen Anforderungen der Druck- und Verpackungsindustrie Rechnung trägt. Die Anwendungssoftware SAP R/3 und die Branchensoftware von Steeb Anwendungssysteme GmbH bieten die Möglichkeit, sämtliche Geschäftsprozesse unternehmensweit und werksübergreifend in einem integrativen System abzubilden. Da die Lösung alle druck- und verpackungsspezifischen Funktionen integriert, stehen alle weiteren Funktionen der SAP-R/3-Komponenten zur Verfügung. Die Prozesse der Vertriebs-, Beschaffungs- und Produktionslogistik werden durch die Logistik-Komponenten des SAP-R/3-Systems abgebildet.

Auftragsabwicklung mit dem Produktkonfigurator

Kernstück der Branchenlösung ist der Produkt-Konfigurator für Druck- und Verpackungsprodukte. Er ermöglicht es, auf der Grundlage einer technischen Beschreibung (Konfiguration) des Druck- beziehungsweise Verpackungsproduktes, Produktionswege mit Arbeitsvorgängen und Materialien zu definieren. Diese bilden die Basis, um die Produktkosten zu kalkulieren und liefern die wesentlichen Grunddaten für eine integrierte Materialwirtschaft und Fertigungssteuerung. Über das Customizing wird die technische Beschreibung realisiert. Mit einer einfachen Syntax kann nahezu jede Eigenschaft eines Druck- oder Verpackungsproduktes mittels Beziehungswissen abgebildet werden.
Der Produkt-Konfigurator ist ein wesentlicher Bestandteil der Auftragsabwicklung eines Produktes. Er wird in der Angebotsphase bei der Vorkalkulation zur Ermittlung der Produktkosten eingesetzt. Nach der Auftragserteilung wird er zur Erstellung einer Auftragskalkulation herangezogen. Die Produktkosten selbst bilden jeweils die Basis für die Preisfindung im Angebots- oder Auftragsbeleg des SAP R/3 Vertriebssystems. Auf Basis der Druck-Konfiguration kann die Anlage des Fertigungsauftrages erfolgen. Dieser liefert dann die Grunddaten für die Materialbedarfsplanung, Arbeitsvorbereitung und die Erstellung der Arbeitspapiere.

Unterschiedliche Produkte – unterschiedliche Merkmale

Etiketten, Faltschachteln oder Broschüren haben unterschiedliche technische Merkmale und müssen deshalb unterschiedlich konfiguriert werden. Außerdem variieren die Features in Abhängigkeit vom Produktionsweg (Bogendruck oder Rollendruck) oder vom Fertigungsbereich (Satz, Vorstufe, Druck oder Bindung). Zur Konfiguration gehört auch die Auswahl von Papier oder Karton. Auf Grundlage der Material-Eigenschaften (Grammatur, Volumen oder Format) lassen sich die Rohstoffe aus dem Materialstamm auswählen. Zusätzlich zur technischen Beschreibung wird bei der Konfiguration der Produktionsweg ausgewählt. Auf der Basis dieses Produktionsweges und eines umfangreichen Beziehungswissens erfolgt schließlich der Aufbau der Arbeitsgänge, Materialien und Fremdleistungen zum Produktionsteil. Dabei werden alle notwendigen Vorgangsmengen und Vorgangszeiten sowie Materialbedarfe ermittelt wie beispielsweise Montagen, Platten, Einrichten, Farbwechsel, Plattenwechsel, Fortdruck, Zuschuss, oder auch Rohbogenmengen.

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