Ende der Zettelwirtschaft

Feature | 7. September 2012 von Andreas Schaffry 0

Profil der Kleiner Stanztechnik GmbH aus Pforzheim

Wer im Auto durch einen Fingerdruck auf den Taster des elektrischen Fensterhebers die Seitenfenster öffnet oder schließt, hört ein kurzes Klicken. Das ist der Augenblick, in dem eine in den Taster integrierte so genannte Schnappscheibe den Kontakt zur Bordelektronik herstellt und damit für den zum Heben oder Senken der Fenster notwendigen Strom sorgt.

Neubau für 300 Mitarbeiter

Was viele Autofahrer nicht wissen: Die Schnappscheiben in ihrem Wagen stammen häufig von der Kleiner Stanztechnik GmbH aus Pforzheim, die auf die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Stanzteilen für die Stromversorgung in Automobilen spezialisiert ist. Seit der Gründung 1985 durch Thomas und Joachim Kleiner ist die Firma kontinuierlich gewachsen, in den letzten Jahren dynamisch. Die bisherigen Geschäftsräume reichten nicht mehr aus, sodass das Unternehmen mit seinen rund 300 Mitarbeitern vor drei Jahren einen modernen Neubau in Pforzheim bezog.

Durch die Expansion hat Kleiner auch sein Leistungsspektrum fortwährend erweitert und neue Geschäftsfelder erschlossen, was wiederum durch neue Geschäftsprozesse abzubilden war. Neben Schnappscheiben gehören zum Produktportfolio Mikrostanzteile für die Medizintechnik, etwa als Stecker in Hörgeräten, sowie Steckkontakte, Bondteile und Stanzgitter als Alternative zur klassischen Leiterplatte. Im Programm sind außerdem Stanzteillösungen zur Hochstromkontaktierung in Hybrid- und Elektrofahrzeugen oder für Photovoltaik-Anlagen.

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Frank Chojinski (rechts), Prokurist bei der Kleiner Stanztechnik, und Norman Probst (links), Projektleitung SAP bei der Kleiner Stanztechnik, blicken mit Tobias Wahner (Mitte), Geschäftsführer des Implementierungspartners ITML, auf eine gelungene SAP-Einführung zurück. Foto: Kleiner Stanztechnik GmbH

 „Hinzu kommt, dass wir uns in Zukunft gegenüber Kunden auch als Systemberater mit Entwicklungskompetenz positionieren wollen“, beschreibt Frank Chojinski, Prokurist bei der Kleiner Stanztechnik ein wichtiges Unternehmensziel. Eine effektive IT-Unterstützung der Betriebsabläufe wird damit zum geschäftskritischen Faktor. Die getrennten IT-Systeme für die Finanzbuchhaltung und die Logistik und diverse Excel-Listen, mit denen Kleiner bis vor Kurzem arbeitete, konnten die Prozesse nicht mehr angemessen unterstützen. Die heterogene Softwarelandschaft führte dazu, dass viele Abläufe noch wenig standardisiert waren und zeitaufwendig mit Papierzetteln abgewickelt wurden. Hinzu kam, dass Kleiner eine Umstellung des Betriebssystems auf Microsoft Windows 7 plante, die eingesetzten Releasestände der Altsoftware damit jedoch nicht kompatibel waren. Die entsprechenden Upgrades hätten sehr viel Geld gekostet.

Altsoftware war nicht mehr mit Windows 7 kompatibel

Deshalb war die Einführung von SAP Business All-in-One als integrierter Unternehmenslösung strategisch bedeutsam. „Damit bündeln wir auf der Basis konsistenter Daten die Warenflüsse und Finanzströme von der Angebotserstellung über die Fertigung und die Fakturierung bis hin zur Auslieferung unter einem ERP-Dach und verknüpfen diese miteinander“, erläutert Norman Probst, Projektleitung SAP bei der Kleiner Stanztechnik.

Entscheidend für die Wahl der SAP-Anwendung war, dass diese eine Vielzahl von miteinander integrierten Funktionen und damit eine hohe Prozesssicherheit bietet. Zum Beispiel kann heute ein Kundenauftrag – anders als früher – nicht in die Disposition gegeben werden, ohne dass die für die Bearbeitung benötigten Pflichtfelder ausgefüllt sind. Ebenso wichtig war, dass die SAP-Lösung skalierbar, mandantenfähig und international einsetzbar ist, wodurch sie das hohe Wachstumstempo des Unternehmens mühelos mitgehen kann. Und nicht zuletzt gab es standardisierte und zertifizierte Schnittstellen zu den diversen Subsystemen, etwa für die Betriebsdatenerfassung (BDE) und Maschinendatenerfassung (MDE) in der Produktion, die Qualitätssicherung und die CRM-Software eines Drittanbieters.

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Im Zuge der ERP-Einführung analysierte und überdachte Kleiner auch die internen Geschäftsabläufe und hat deren Qualität optimiert. Das ist gerade im Hinblick auf die in der Automobilindustrie steigenden Kundenanforderungen bei Lieferantenaudits ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Ein Vorteil für Kleiner Stanztechnik war, dass die SAP-Mittelstandslösung bereits vorkonfigurierte typische Prozesse für den Werkzeugbau und die Stanztechnik enthielt, die übernommen werden konnten. Somit reduzierten sich die ansonsten zeit- und kostenintensiven Anpassungen an die individuellen Prozessanforderungen auf ein Mindestmaß.

Start in drei Schritten

Den geeigneten Implementierungs- und Beratungspartner für die neue Software-Lösung fand Kleiner quasi direkt vor der eigenen Haustüre – mit dem ebenfalls in Pforzheim ansässigen SAP-Systemhaus ITML GmbH. Der Echtstart erfolgte in drei Schritten. Die späteren Endanwender konnten sich so sukzessive mit der neuen ERP-Software vertraut machen, was die Akzeptanz erhöhte.

Seit dem Produktivstart können die Mitarbeiter im Einkauf, in der Produktion, im Lager oder im Controlling können ihre täglichen Arbeitsprozesse IT-gestützt, weitgehend standardisiert durchführen. Zum Beispiel werden Kundenaufträge durch elektronische Arbeitsvorräte direkt vom Vertrieb zur weiteren Bearbeitung an die Disposition übergeben. Und sobald ein Fertigungsauftrag fertig produziert ist und zur Auslieferung an den Kunden bereitsteht, erzeugt das System die dafür erforderlichen Lieferscheine.

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Ebenso lassen sich heute alle Daten und Geschäftsvorgänge transparent überblicken. Die Mitarbeiter in Einkauf und Fertigung können quasi per Knopfdruck den aktuellen Lagerbestand abrufen und mit den Bedarfsanforderungen aus den Aufträgen abgleichen. Der Vertrieb kann wiederum den Status von Kundenaufträgen jederzeit einsehen und weiß somit stets, wo diese gerade stehen.

Konsolidierte Zahlen zu Kosten und Erlösen

Alle Zahlen zu Kosten und Umsätzen aus den einzelnen Geschäftsbereichen fließen umgehend in die Finanzbuchhaltung und in das Controlling und sind dort jederzeit auswertbar. Die Mitarbeiter im Controlling erhalten insbesondere konsolidierte Zahlen zu den Kosten und Erlösen für alle Kundenaufträge, die an einem Stanzwerkzeug durchgeführt wurden.

Bei Kleiner gibt man sich mit dem Erreichten nicht zufrieden: Geplant ist, in Zukunft mit der SAP-Lösung die Prozesse bei der Leihgutabwicklung durchzuführen und darin auch die Mess- und Prüfdaten und die Prüfergebnisse für das Qualitätsmanagement detailliert zu dokumentieren. Nicht zuletzt soll im Vertrieb die Vorkalkulation von Kundenaufträgen durch den Einsatz der SAP-Variantenkonfiguration (LO-VC) vereinfacht werden.

Highlights der Implementierung

  • Daten und Prozesse auf einer integrierten ERP-Plattform gebündelt
  • Übernahme vorkonfigurierter Prozesse verringert Anpassungsaufwand
  • Einführung in time and budget mit kompetentem Partner
  • Erhöht Akzeptanz bei Endanwendern durch schrittweise Einführung

Vorteile für Kleiner Stanztechnik

  • Prozessqualität nachhaltig optimiert
  • Durch automatisierte Betriebsabläufe den Papieraufwand reduziert
  • Bessere Controlling-Möglichkeiten durch klare Sicht auf Finanzdaten
  • Effiziente und vorausschauende Unternehmenssteuerung
  • International einsetzbare und skalierbare Lösung unterstützt Wachstum

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