Konsistente Sicht auf alle Geschäftsbereiche mit SAP NetWeaver

Feature | 7. März 2005 von admin 0

Angenommen, ein Einkäufer steht in Verhandlung mit einem langjährigen Lieferanten: Nur durch einen vollständigen Überblick über alle Ausgaben für diesen Partner hat er einen guten Stand bei diesen Gesprächen und künftigen Einkäufen. Obendrein müssen die Berichte des einkaufenden Unternehmens alle Geschäftspartner in allen Unternehmensbereichen umfassen, sonst geht es von einer schlechten Informationsbasis aus: von veralteten Produkten, fehlenden oder doppelten Daten zu den Lieferanten und ihren Beziehungen untereinander. Der mangelnde Überblick über Produkte und Lieferanten beruht auf einem Mangel an konsistenten Stammdaten – und kann teuer werden.
Wie soll die IT dem abhelfen? Welche Werkzeuge können Stamm- und Bewegungsdaten, historische wie auch aktuelle Daten integrieren, weiterbearbeiten, konsolidieren und verteilen? Dieser Artikel zeigt, wie SAP NetWeaver diese verschiedenartigen Herausforderungen bewältigt, vor allem aber Stammdaten sofort und konsistent bereitstellt.
SAP-Kunden, die schon SAP Business Intelligence (SAP BI) einsetzen, verfügen damit bereits über die Möglichkeit, Berichte aus historischen Daten zu erstellen. Wenn sie ihr aktuelles SAP Business Information Warehouse 3.5 (SAP BW) mit den SAP-NetWeaver-Komponenten SAP Master Data Management (SAP MDM) und SAP Exchange Infrastructure (SAP XI) kombinieren, können sie auf Anfragen jederzeit konsistente Daten liefern und ihrem Management so eine detailgenaue und aktuelle Sicht auf ihr Unternehmen bieten.

Flexibler Zugriff auf Daten Mit Hilfe von ETL und EAI

In vielen Firmen sind die Daten fragmentiert und über Dutzende oder sogar Hunderte von Datenbanken und Anwendungen verteilt. Sie müssen erst integriert, standardisiert, synchronisiert und angereichert werden, bevor sie sich nutzen lassen. Dies geschieht in der Regel über ETL-Prozesse (ETL = Extraktion, Transformation, Laden). SAP BI bietet solche Funktionen für die Datenextraktion. Über die offenen Schnittstellen von SAP BI lassen sich Daten aus praktisch jeder Quelle abrufen, selbst aus den heute üblichen großen Mengen an Bewegungsdaten. Mit der Enterprise Application Integration (EAI) gehen die Unternehmen bei der Datenbereitstellung noch einen Schritt weiter. EAI lässt verschiedene Anwendungen miteinander kommunizieren. Die Integrationsplattform SAP XI unterstützt die Bereitstellung von Daten in Echtzeit: Sie werden sofort im Data Warehouse oder im Operational Data Store aktualisiert.
Nicht alle Benutzer benötigen Daten in Echtzeit. Mit SAP NetWeaver können die Anwender jetzt neben aktuellen Daten für schnelle Entscheidungen auch große Mengen historischer Daten für strategische Analysen erhalten – ohne Redundanzen bei Stamm- oder Bewegungsdaten.
SAP MDM arbeitet Hand in Hand mit der SAP Exchange Infrastructure, um ein einheitliches und synchrones Bild von Produkt- und Lieferantendaten entstehen zu lassen. Durch diese Funktionalität werden die Stammdaten auf verschiedene Systeme verteilt und bleiben konsistent, sogar über Unternehmensgrenzen hinweg. Die Plattform SAP NetWeaver ermöglicht also die vollständige Integration von Informationen.

SAP NetWeaver versorgt SAP BI mit konsolidierten Stammdaten

Über den Austausch von XML-Nachrichten verbindet die SAP Exchange Infrastructure SAP MDM mit anderen Lösungen wie SAP Enterprise Buyer Professional (SAP EBP), SAP R/3 oder Fremdsystemen. Mit einer Kombination von SAP XI und SAP BI senden die Kunden Daten aus verschiedenen Quellen, beispielsweise auch aus SAP MDM, an SAP BI. Dabei verteilt, transformiert und transportiert SAP XI die Nachrichten, die zwischen den Systemen ausgetauscht werden.

Aktuelle Daten, die von der SAP Exchange Infrastructure geliefert und versendet werden, lassen sich auch an die SAP-BI-Komponenten Data Warehouse und Operational Data Store schicken. Dazu muss die jeweilige Komponente an SAP XI angebunden werden. So lassen sich die von SAP XI verteilten Daten an SAP BI senden. Damit wird, um es anders auszudrücken, SAP BI zum Stammdaten-Client. Dies lässt sich in drei Schritten verwirklichen.

Drei Schritte zur Stammdatenverteilung an SAP BI

Stammdatenbereitstellung an SAP BI anbinden

Stammdatenbereitstellung an SAP BI anbinden

Angenommen, der Administrator für die Stammdaten legt auf dem Stammdatenserver einen neuen Geschäftspartner (business partner object – BUPA) als Objekt an. Das Objekt enthält Namen, Adressen sowie Kredit- und Bankdaten des Lieferanten und soll an die jeweiligen Stammdaten-Clients weitergereicht werden. Einer dieser Clients ist SAP BI. Um die neuen Stammdaten an SAP BI zu senden, muss der Administrator den zu diesem Objekt gehörenden Business Content in SAP BI identifizieren und für ihn eine entsprechende XML-Schnittstelle in SAP BI erstellen, die Daten von SAP XI einlesen kann. Zweitens muss er in der XI-Komponente Integration Builder eine Schnittstelle für eingehende Meldungen gestalten. Diese bildet die Struktur der Stammdaten aus SAP MDM auf diejenige der BI-Daten (zu Geschäftspartnern und Lieferante) ab. Schließlich muss der Administrator in SAP BI ein Objekt für eine Proxy-Schnittstelle anlegen. Damit liefert SAP XI über einen entsprechenden Service Nachrichten an SAP BI – einmalig und in korrekter Reihenfolge.

Funktionsweise von SAP MDM

Lieferanten, die über die Jahre Fusionen, Übernahmen oder die Ausgründung von Tochtergesellschaften erlebt haben, sind in den Systemen ihrer Geschäftspartner häufig unter mehreren IDs registriert. SAP MDM ruft aus allen Quellsystemen die zugehörigen Daten ab und verknüpft die unterschiedlichen Lieferantennummern zu einer einzigen Master-ID auf einem speziellen Server. Das System speichert für jeden Lieferanten die Schlüsseldatensätze, um gegebenenfalls modifizierte Referenzdaten davon an die Stammdaten-Clients weiterzugeben. Die ursprünglichen Daten verbleiben in SAP MDM. Damit erhalten die Benutzer alle Interaktionen mit dem Lieferanten auf einen Blick. Es entstehen keine Dubletten von Stammdaten, die Sicht auf Produkte und Lieferanten bleibt konsistent, was letztlich auch der Berichterstellung zugute kommt.

Weitere Vorteile der Kombination von SAP BI und SAP XI

Die Integration von SAP BI und SAP XI bietet außerdem bessere Optionen zur Übergabe von Nachrichteninhalten zwischen Sender und Empfänger. Normalerweise werden Daten nur auf Anforderung des Schedulers ins BI übertragen (Pull-Service). Durch die EAI-Funktionalität in SAP XI lassen sich Daten auch per Push-Service in die Delta-Queue von SAP BI stellen. Die Datenübertragung basiert auf XML und ist konform mit SOAP (Simple Object Access Protocol).
Daten, die von SAP BI akzeptiert werden sollen, müssen ein der SAP-BI-Komponentenschnittstelle angepasstes Format haben. Dafür muss die SAP-MDM-Datenstruktur auf das SAP-BI-Informationsmodell abgebildet werden. Der Integration Builder von SAP XI unterstützt diese Anpassung durch grafische Modelle und eine Überblicksdarstellung der abzubildenden Objekte. Die Benutzer können nun verschiedene Daten an ein SAP-BI-System weitergeben, indem sie die Schnittstellen bestücken. Beispielsweise rufen sie Daten aus dem SAP-MDM-System ab, wandeln sie in XML oder ein anderes Format um und übertragen sie in SAP BI. Dort lassen sich die Daten für das Berichtswesen weiterverarbeiten.

Zusätzliche Vorteile bietet die verbesserte Kommunikation durch Proxys – ausführbare Schnittstellen für die Kommunikation zwischen einer Anwendung und dem SAP XI Integration Server. SAP XI sendet die Nachricht an das Proxy-Framework von SAP BI. Von dort werden die Stammdaten in die BI-Delta-Queue geschrieben. So ist die Konsistenz der übermittelten Nachrichten gewährleistet.

Firmen, die SAP BW mit SAP XI und SAP MDM kombinieren, können für den Datentransfer von den Stärken der beiden Technologien ETL und EAI profitieren. Das integrierte Informationsmodell von SAP NetWeaver ermöglicht es ihnen, für die Verwaltung ihrer Stammdaten auf alle Daten zuzugreifen und sie von System zu System zu übermitteln. Mit Hilfe des Metadatenmodells von SAP NetWeaver lassen sich historische und Echtzeitdaten einfach zusammenführen. So erhalten Benutzer einen umfassenden Einblick, der auf mannigfachen Quellen beruht.
Eine ausführliche Dokumentation zu SAP-MDM-Szenarien und zur Verteilung von Stammdaten an ein SAP-BI-System finden Sie unter http://help.sap.com/nw04.

Quelle: SAP Insider

Claudia Weller

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Rainer Uhle

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