Konsolidieren, harmonisieren, zentral verwalten

Wissen ist Macht – das gilt heute in der Unternehmenswelt mehr denn je. In vielen Großkonzernen und verstärkt auch in mittelständischen Betrieben setzt sich zunehmend das Bewusstsein durch, dass Unternehmensinformationen in Form von Stammdaten ein entscheidendes Unternehmensgut mit enormem Potential für Kosteneinsparungen sind.

In Unternehmen mit heterogener IT-Struktur sind Qualitätslücken und fehleranfällige Geschäftprozesse seit langem ein leidiges Thema. Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen verschärfen das Problem zusätzlich. Letztendlich hängt die Prozessqualität im gesamten Unternehmenskontext immer unmittelbar von der Qualität der Stammdaten ab. Datenkonsistenz muss also flächendeckend in allen Bereichen gewährleistet werden. Dafür bedarf es einer gezielten Strategie bezüglich der Stammdaten.

Punktuelle Lösungen reichen nicht aus

Auf Grund der vielschichtigen Verwendung von Stammdaten im Unternehmen sind punktuelle Lösungen in der Regel nicht ausreichend, um in heterogenen Systemlandschaften einer redundanten Datenhaltung entgegen zu wirken. ETL- oder PIM- Lösungen nähern sich zwar der Stammdatenproblematik an, haben aber nicht die komplette Spannweite – Konsolidierung, Harmonisierung und zentrale Verwaltung – im Visier, sondern fokussieren allenfalls auf spezielle Aspekte.

Notwendig ist daher eine ganzheitliche Sicht auf die Stammdaten. Dieser Anforderung wird SAP NetWeaver mit seiner Komponente für Stammdatenmanagement, SAP NetWeaver Master Data Management (SAP NetWeaver MDM), gerecht. Mit SAP NetWeaver MDM lassen sich zum einen unterschiedliche Stammdatenobjekte wie etwa Geschäftspartner-, Mitarbeiter- oder Produktdaten prozessieren. Zum anderen wird mit der Komponente vorgefertigter Business Content ausgeliefert. Auch ist es möglich, kundenspezifische Stammdatenobjekte zu modellieren.

Umfassendes Stammdaten-Management

SAP NetWeaver MDM liefert Szenarios für verschiedene Grade einer sorgfältigen Stammdatenhaltung. Grundvoraussetzung sind die generischen Szenarios Stammdatenkonsolidierung, Stammdatenharmonisierung und Stammdatenmanagement. Darüber hinaus liefert die Komponente Szenarios für speziellere Geschäftsanwendungen, etwa ein umfassendes Produkt-Content-Management, die Kundendatenintegration und eine globale Datensynchronisation.

Dieses Szenario führt Stammdaten aus verschiedenen Systemen zentral zusammen, erkennt und bereinigt identische Objekte,und verwaltet die lokalen Objektschlüssel für die systemübergreifende Kommunikation. Nach der Konsolidierung stehen die Stammdaten für unternehmensweite Analysen zur Verfügung.

In Ergänzung zur beschriebenen Stammdatenkonsolidierung ermöglicht es dieses Szenario die konsolidierten Stammdateninformationen durch ein Verteilungs-Framework flächendeckend an die angeschlossenen Client-Systeme zu übertragen. Damit ist in heterogenen Systemwelten dauerhaft ein einheitlich hoher Qualitätsstand garantiert.

Während die Stammdatenharmonisierung gewährleistet, dass jede lokale Niederlassung eines Unternehmens mit den gleichen Informationen versorgt ist und dabei die Datenhoheit behält, fokussiert das Stammdatenmanagement auf die zentrale Datenpflege. Kontinuierliche Data-Cleansing-und-Enrichment-Prozesse sowie die Verteilung der zentral angelegten Daten auf die angeschlossenen Anwendungssysteme sind Bestandteil dieses Szenarios.

Dieses Szenario ist speziell für den PIM-Markt ausgelegt. SAP NetWeaver MDM bietet zahlreiche Funktionen, um Produktdaten samt zugehöriger Bilddateien zentral zu verwalten und für die Publikation von Produktkatalogen – sei es als elektronischer Web-Katalog oder als Druckexemplar – aufzubereiten.

Kundenstammsätze werden über heterogene Systeme hinweg harmonisiert.

Über dieses Szenario werden vereinheitlichte Objektinformationen in einem industriellen Standardformat mit Datenpools wie UCCnet und Transora synchronisiert und Handelspartnern zugänglich gemacht.

Auf verschiedene Branchen zugeschnitten

Die Stammdatenproblematik an sich ist nicht branchenspezifisch, hat aber durchaus branchenspezifische Ausprägungen. Ein solches Beispiel ist die Konsolidierung von Produkt- und Lieferantendaten, die etwa bei Groß- und Einzelhandel, aber auch in der Konsumgüterindustrie anfällt. Im Gesundheitswesen wiederum ist eine Harmonisierung von Patientendaten zwischen Krankenhäusern, Krankenversicherungen und Arztpraxen von Bedeutung. Für die öffentlichen Verwaltungen ist es wichtig, Einwohnerdaten über verschiedene Verwaltungsbehörden und –instanzen hinweg zu verwalten, während in der Automobilindustrie die Konsolidierung und Strukturierung von Produktdaten nach Standardklassifizierungen zählt.

Daher lässt sich SAP NetWeaver MDM über die einzelnen Szenarios hinaus flexibel an spezielle Branchenbedürfnisse anpassen.

Datenkonsolidierung im Detail

Die eigentliche Datenkonsolidierung, also die Fähigkeit, Dubletten zu erkennen, zu eliminieren und dabei gleichzeitig den Qualitätsstandard für die einzelnen Stammsätze festzulegen, ist Grundvoraussetzung für ein umfassendes Stammdaten-Management. Seit August 2006 bietet SAP NetWeaver MDM zudem die Möglichkeit, Matching-Regeln zu definieren und zu Matching-Strategien zu bündeln. Damit lassen sich über Qualitätsschwellenwerte (Matching Scores) in großen Umfang identische Objektsätze innerhalb eines Stammdaten-Repositorys finden und gegebenenfalls verschmelzen. Ähnliche Objekte werden auf diese Weise systematisch entdeckt und entsprechend der Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um Dubletten handelt, gruppiert. Insbesondere in Gruppen mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit lassen sich die Stammsätze dann interaktiv vergleichen, und gegebenenfalls zusammenführen.

Darüber hinaus lassen sich über eine offene Data Enrichment Architecture qualitätsoptimierte Services zur Datenanreicherung von Drittanbietern – etwa Business Information Provider – nahtlos integrieren. So gibt es beispielsweise eine zertifizierte Trillium-Anbindung zur Anreicherung und Validierung von Adressdaten.

Flexible Architektur

SAP NetWeaver MDM ist sowohl aus architektonischer Sicht als auch in der konkreten Anwendung sehr flexibel. Die Komponente lässt sich entweder auf Stand-Alone-Basis verwenden oder vernetzt im Kontext mit weiteren SAP NetWeaver-Komponenten, etwa SAP NetWeaver Exchange Infrastructure, SAP NetWeaver Portal oder SAP NetWeaver Business Intelligence.

Für zusätzliche Flexibilität sorgen integrierte Application Programming Interfaces (APIs) mit denen SAP NetWeaver MDM anderen Systemen Anschluss zu MDM-Daten und Funktionen gewährt. Über das in SAP NetWeaver enthaltene SAP Composite Application Framework lassen sich zudem mit Guided Procedures Funktionserweiterungen erstellen.

IT-Landschaften werden sich künftig immer mehr in Richtung serviceorientierter Architekturen (SOAs) verlagern. Über diese Services lassen sich Geschäftsprozesse nur dann erfolgreich abwickeln, wenn sie auf konsistenten Referenzdaten basieren. Datenvereinheitlichung und die damit verbundene Stammdatenharmonisierung sind also auch eine notwendige Voraussetzung bei der Einführung einer serviceorientierten Architektur.

Dr. Stefan Klose