Kooperation mit Profil

Feature | 13. Juni 2007 von admin 0

Kleine und mittelständische Reifenhändler fördern, ohne sie an die „Franchise-Kette“ zu legen – das ist das Ziel der Einkaufskooperation GHU AG (Gesellschaft für Handelseffizienz und Unternehmenspartnerschaften). Unter ihrem Dach haben sich rund 230 kleine und mittelständische Reifenhändler aus ganz Europa zusammengeschlossen. Auf diese Weise will man die Position des Handels gegenüber der Industrie stärken, um günstige Rabatte und Konditionen auszuhandeln. Durch die Bündelung der Kräfte soll außerdem verhindert werden, dass sich die Reifenindustrie alle Absatzkanäle sichert und damit den Handel überflüssig macht.

Die im Mai 2006 gegründete GHU mit Sitz in Fulda vereinigt die Kräfte des Mittelstands. Dennoch sind die einzelnen Mitglieder freie Unternehmen und treten eigenständig auf. Die Kooperation plant mit ihnen allerdings ein gemeinsames Sortiment von mehr als 5.000 Artikeln, kauft diese ein und hält sie vorrätig. Vom Zentrallager in Fulda aus können täglich bis zu 20.000 Reifen auf den Weg gebracht werden – ein großer Vorteil für Händler mit beschränkter Lagerkapazität.

Leistungsstarke IT bringt Reifen ins Rollen

Mit 15 Mitarbeitern ist die Fuldaer Firma eine sehr schlanke Organisation. Umso stärker ist sie auf eine leistungsfähige EDV angewiesen, um die komplexe Disposition und Lieferung zuverlässig zu garantieren. Doch die Auswahl an geeigneten Lösungen war beschränkt, berichtet Thomas Diegelmann, Leiter Materialwirtschaft, Logistik und IT: „Viele Warenwirtschaftssysteme für den Reifenhandel boten für uns keine ausreichenden Planungstools oder Möglichkeiten zur Anbindung von Lieferanten und Systempartnern.“

GHU entschied sich daher für Tradesprint, eine von der cormeta AG entwickelte Unternehmenssoftware auf Basis der Mittelstandslösung SAP All-in-One, die nicht nur Investitionssicherheit versprach, sondern auch speziell auf den Reifenhandel zugeschnitten ist. Sie enthält wichtige und detaillierte branchenspezifische Ergänzungen wie die Suche mit Hilfe von Matchcodes, die standardisierte Datenübermittlung via Electronic Data Interchange (EDI) und den integrierten Webshop.

Den Ausschlag gab schließlich, dass die Software eine dynamische, saisonabhängige Disposition unterstützt. Anhand der bisherigen Verkaufszahlen, der Wiederbeschaffungszeiten, der tagesaktuellen Bestände im GHU-Lager und der Sonderbedarfe von Systempartnern ermittelt sie den optimalen Bestellzeitpunkt und erstellt automatisch Bestellvorschläge. Auch vorübergehende Nachfragespitzen lassen sich besser berücksichtigen. Saisonale und regionale Faktoren können in Tradesprint hinterlegt und jederzeit per Mausklick in einer Bildschirmmaske anzeigt werden.

In 50 Tagen produktiv

Die GHU ging die Einführung der Software mit einem ehrgeizigen Zeitplan an. Nur vier Monate nach ihrer Gründung sollte die Sortimentsplanung aufgebaut und Tradesprint eingeführt sein. Dieser enge Zeitrahmen war bewusst gesetzt, wollte die GHU doch bereits zu Beginn des Wintergeschäfts an den Start gehen.

Tatsächlich war die Software bereits 50 Tage nach Vertragsabschluss einsatzbereit. Maßgeblichen Anteil daran hatten laut Diegelmann die cormeta-Berater. „Die Ettlinger bewiesen, dass sie sich im Reifenhandel auskennen. Über Besonderheiten der Branche wie Zu- und Abschläge, KB-Preise (Kalkulationsbasispreise) und die Bonusarten der Industrie musste man sie nicht erst aufklären. Hinzu kam das fundierte SAP-Wissen“, betont er.

Zunächst führte das Team die zentralen Funktionen für die Auftragsabwicklung und die Warenwirtschaft ein, entwickelte anschließend die Sortimentsplanung und installierte einen Webshop. Kritisch war die Anlage der Stammdaten: In nur acht Wochen mussten zunächst die Lieferanten ausgewählt und die Feinplanung realisiert werden. Erst danach wusste die GHU, welche Artikel sie überhaupt benötigte. Außerdem galt es, die komplexen Preise, Konditionen, Boni oder Abschläge sowie nachträgliche Absprachen in der Lösung zu hinterlegen.

Fundierte Sortimentsplanung

Nach einem reibungslosen Produktivstart ist die Kooperation mit ihrer ERP-Software sehr zufrieden. „Tradesprint deckt alle unsere Anforderungen ab, sowohl beim Preismanagement und in der Warenwirtschaft als auch bei der zentralen Fakturierung und dem Flotten- und Leasinggeschäft“, fasst Diegelmann zusammen. Die Lösung bildet die umfassenden Bonus- und Gutschriftenabrechnungen ab und bietet detaillierte Funktionen für Kunden- und Lieferantenbewertungen. Darüber hinaus ist in Tradesprint ein Data Warehouse integriert, mit dem die GHU die regionalen Artikelangebote zentral speichert und bei der Preisfindung berücksichtigt.

Zur Planung des Sortiments zieht GHU die Verkaufshistorie, aktuelle Markteinschätzungen und Lagerbestände sowie Daten über Fahrzeugbestände vom Kraftfahrzeugbundesamt heran, die detailliert nach Region aufgeschlüsselt sind und Aufschluss über das Reifenabsatzpotenzial geben. Auch die Preisempfehlungen der Hersteller fließen in die Planungen ein. In regelmäßigen Abständen wird der Materialstamm mit den Hersteller-Artikeln und aktuellen Preisen überarbeitet. Anhand dieser Informationen erstellt die GHU zunächst einen Gesamtplan für jeweils sechs Monate, der für jedes Produktsegment (Reifen, Felgen, Zubehör), jede Warengruppe, zum Beispiel Pkw-, Offroad-, Motorrad- und Landwirtschaftsreifen, jedes Preissegment und jede Marke den voraussichtlichen Bedarf zeigt.

Aus diesem Gesamtplan lassen sich Einzelpläne für die Händler generieren. Ab Juli 2007 können die Mitglieder diese Übersichten über das Systempartner-Portal im Webshop zur Abstimmung aufrufen – zurzeit erfolgt dies noch per E-Mail. Weicht die Prognose vom tatsächlichen Bedarf ab, kann der Händler die Planung unmittelbar im Portal überarbeiten. Die aktualisierten Daten werden direkt in das Data Warehouse von Tradesprint übernommen. Die Lösung aktualisiert dann automatisch den Bedarf pro Artikel und Hersteller, so dass anhand des abgestimmten Planes eine bedarfsgerechte Beschaffung erfolgt.

Nachschub innerhalb von 24 Stunden

Auf Wunsch steuert die Gesellschaft auch den Nachschub für ihre Mitglieder. Der Händler meldet täglich die Abverkäufe und die aktuellen Bestände. Tradesprint prüft, ob der auf dem Einzelplan basierende und festgelegte Mindestbestand unterschritten wurde und stößt, falls dem so ist, automatisch den Nachschub an. Dabei bestimmt jeder Händler selbst, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit er beliefert werden möchte. Die Bestände sind stets so definiert, dass sie im Allgemeinen den Zeitraum zwischen zwei Lieferungen abdecken. Sollte dies einmal wegen unerwartet hoher Nachfrage nicht der Fall sein, kann der Kunde telefonisch oder über den Webshop sofort nachbestellen. Die Lieferung erfolgt innerhalb von 24 Stunden.

Das Geschäftsmodell der GHU geht auf: Die Mitgliederzahlen sind seit der Gründung stetig gestiegen. Bis Ende 2007 rechnet die Kooperation mit 300 Partnern. Laut Diegelmann liegt die Attraktivität seines Unternehmens auf der Hand. „In einem mit knappen Margen operierenden Markt, in dem jeder Cent zählt, ist eine klare Sicht auf die aktuelle Einkaufssituation sehr wichtig. Genau die bieten wir unseren Mitgliedern, weil wir die komplexen Rabattsysteme aller Reifenhersteller in unserer EDV-Lösung problemlos abbilden, überwachen und täglich aktualisieren können.“
Auch um die Pflege der Materialstammdaten müssen sich die Händler nicht kümmern. Obendrein entlastet die Fuldaer Kooperation ihre Mitglieder von Disposition und Bestellung. „Wir verbinden Logistik-Know-how mit Kapitalkraft und Vermarktungswissen und bieten unseren Partnern durch unsere Dienstleistungen einen messbaren Mehrwert, nicht nur bei den Preisen“, betont Diegelmann. Einen maßgeblichen Beitrag dazu leistet die Unternehmssoftware auf SAP-Basis: Tradesprint bringt die Reifen ins Rollen.

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