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Künstlerische Intelligenz: Wie Kunst als Innovationsmotor dient

Feature | 24. Februar 2017 von Andrea Schmieden 4

Dirk Dobiéy, früher bei SAP, ist Mitgründer von Age of Artists. Er ist überzeugt: Unternehmen können viel von künstlerischen Prozessen lernen.

Für Age of Artists stehen nicht Kunstwerke im Mittelpunkt, sondern die künstlerische Herangehensweise zum Schaffen kreativer und origineller Werke. Übersetzt man das in die Sprache der Wirtschaft, wird die Verbindung schnell klar: Es geht um Innovationen und darum, wie wir unser kreatives Potenzial entwickeln können, um mit neuen und komplexen Herausforderungen umzugehen.

Oder wie Dobiéy es ausdrückt: „Künstliche Intelligenz ist ein großes Thema. Genau deswegen sollten wir auch über künstlerische Intelligenz nachdenken. Mit dem Vormarsch von Machine Learning und Big Data ist das menschliche Schaffenspotenzial vielleicht eines der wenigen Dinge, die uns helfen, weiterhin im Geschäft zu bleiben.”

Was Kunst mit Big Data und maschinellem Lernen verbindet

Ob Maler, Schriftsteller, Musiker oder andere Kunstschaffende – allen scheint eine Art  künstlerischer Haltung gemeinsam zu sein. Deren Hauptbestandteile haben Dobiéy und sein Team in mehr als 100 Interviews mit Künstlern und Vordenkern aus unterschiedlichen Disziplinen herausgearbeitet: Neugier, Leidenschaft, Zuversicht und Resilienz. Diese Haltung hilft Künstlern, mit Komplexität, Mehrdeutigkeit, Unsicherheit und Zweifel umzugehen und am Ende etwas zu schaffen, das sogar sie selbst überrascht. „Ich möchte gern etwas Interessanteres erhalten als das, was ich mir ausdenken kann“, zitiert Dobiéy den Künstler Gerhard Richter.

Dobiéy und sein Team identifizierten die Elemente des künstlerischen Prozesses – eine Anzahl allgemeiner Muster wie zum Beispiel Wahrnehmung und Reflexion. Anders als man vielleicht vermuten würde, verwenden Künstler häufig viel Zeit und Energie auf Wahrnehmung und Reflexion, bevor sie überhaupt mit der Gestaltung anfangen und auch noch während des Schaffensprozesses. Sie experimentieren, improvisieren und lernen von ihren Ergebnissen, herausgefordert und vorangetrieben von Reaktionen und Kritik.

Kreativität wecken mit Design Thinking

Für Anwender von Design Thinking mögen viele dieser Aspekte bekannt klingen. „Design Thinking ist eine wunderbare Methode“, erklärt Dobiéy. Allerdings hat er beobachtet, dass viele sich dennoch schwer tun mit Unsicherheiten, dem Hinterfragen von Annahmen oder dem Verwerfen von Ideen oder gar damit, komplett von vorne zu beginnen, wenn es sich einfach nicht richtig anfühlt. Dann tendiert man schnell dazu, den einfachsten Weg zu gehen, den Prozess abzukürzen und die Perspektive zu früh einzuschränken. „Einfach eine bestimmte Methode anzuwenden, führt nicht unbedingt zu Innovation. Wir müssen eine andere Haltung entwickeln“, so Dobiéy. Und darum geht es in seinem Unternehmen: Menschen darin zu unterstützen, eine künstlerische Haltung zu entfalten und Organisationen zu helfen, eine Kultur der Kreativität zu etablieren. „Unser Ziel ist es natürlich nicht, aus jedem einen Künstler im herkömmlichen Sinn zu machen. Vielmehr versetzen wir uns in den entsprechenden betrieblichen Kontext und helfen Organisationen, ihre Herausforderungen auf neue Arten anzugehen und neue Möglichkeiten zu sehen. Für uns ist ein solches Projekt ein Kunstwerk.“

„Es geht um Sinnhaftigkeit“

Dobiéy gründete sein Unternehmen 2015 als gemeinnützige GmbH für Beratung, Ausbildung und Forschung. Ihm geht es dabei darum, etwas Sinnvolles zu tun. In einem seiner Projekte ging es zum Beispiel um die Beurteilung der Wirksamkeit von Entwicklungshilfe. „Wie kann man beurteilen, ob die Bohrung von zweihundert Brunnen ein gutes Ergebnis ist oder nicht?“ Dirks Team half, einen qualitativen und partizipativen Ansatz zur Feststellung des Projekterfolgs auszuarbeiten. „Das war eine völlig neuartige Sichtweise für unseren Kunden“, fasst Dobiéy zusammen. 

„Rückblickend bin ich zutiefst dankbar“

Bei SAP war Dobiéy über mehr als 10 Jahre in verschiedenen Managementpositionen tätig. Sein eigenes Unternehmen zu gründen, war eine große Veränderung für ihn. „Es ist kein linearer Karrierepfad und Selbständigkeit kann oft auch anstrengend sein. Aber es ist auch sehr aufregend und ausgesprochen vielfältig … und ich muss weniger Templates ausfüllen“, schmunzelt er. Zurückblickend sagt er: „Ich bin zutiefst dankbar für meine Zeit bei SAP. SAP bietet viele Freiräume. Aber manchmal ist man so im Tagesgeschäft gefangen, dass man sie gar nicht sieht. Aber sie sind definitiv da.“

Große Träume

Für die Zukunft hat er große Träume: „Manchmal wird in Meetings gesagt: Wir dürfen uns nicht zu viel vornehmen, wir können nicht die Welt retten. Aber das ist genau das, was wir tun sollten. Unsere Welt verändert sich und nicht immer zum Guten. Ich vertraue nicht auf große Änderungen, die von ‚oben‘ oder ‚außen‘ kommen. Wenn wir alle unsere Wahrnehmung verstärken, um bessere Fragen zu stellen, mehr reflektieren, um gute Entscheidungen zu treffen, unsere Umgebung beeinflussen und kooperieren, dann können wir eine Zukunft schaffen, in der wir alle leben möchten.“

Weitere Informationen:

SAP-Alumni-Netzwerk

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