Kunststoffteile für Erlkönige

Feature | 22. August 2007 von admin 0

Automobilhersteller erproben neue Modelle schon früh auf der Basis von funktionsfähigen Prototypen und – kurz bevor sie in Serienfertigung gehen – mit den viel gejagten „Erlkönigen“. Wenn Hersteller wie VW oder Porsche auf diese Weise ihre Premium-Marken weiterentwickeln, sind darin meist Kunststoffteile verbaut, die von der Pre-Prototyping GmbH stammen, etwa Radläufe, Stoßfänger oder Verkleidungen.
„In der Entwicklungsphase bestellen Hersteller die für den Prototypenbau benötigten Teile oft sehr kurzfristig“, weiß Lars Jörges, Geschäftsführer der Pre-Prototyping GmbH. Dann muss bei dem Zulieferer alles schnell gehen, denn die Produktions- und Liefertermine sind sehr eng. Eine leistungsfähige Software reduziert den aufkommenden Arbeitsaufwand, der durch die vielen parallelen Prozesse im Projektablauf entsteht, dabei erheblich.

Von der Zettelwirtschaft …

Noch bis vor kurzem wickelte der Mittelständler Lieferabrufe von Herstellern auf Basis weitgehend manueller und papiergebundener Abläufe ab. Die Geschäftsprozesse in der Buchhaltung sowie für die EDI-Lieferabrufe, die Teileerfassung und die Produktion waren mit unterschiedlichen, unzureichend miteinander verbundenen Software-Lösungen abgebildet. Entsprechend hoch war der Verwaltungsaufwand.
Bestellte ein Hersteller etwa 200 Türverkleidungen mit Liefertermin zwei Wochen später, füllte die Arbeitsvorbereitung hastig Papierformulare mit den Bedarfsmeldungen für die Fertigung aus und übergab diese dem Produktionsleiter. Um die Bedarfe für die Produktion einzuplanen, musste der Produktionsleiter im Lager nachsehen, ob die benötigten Teile verfügbar waren. Mit Hilfe von Kontrollzetteln, in die sowohl Eingänge als auch Entnahmen eingetragen wurden, prüfte er, was vorrätig war und was bestellt werden musste. Und erst danach konnte er den Spritzplan für die Produktion erstellen. „Der Vorgang kostete viel Zeit und barg das Risiko von Fehlern, denn die Bestandsgenauigkeit hing davon ab, wie sorgfältig die Eintragungen auf den Kontrollzetteln waren“, berichtet der Geschäftsführer.

… zu IT-gestützten Abläufen

Das ist jetzt anders. Mithilfe von SAP Business One und einer integrierten Zusatzlösung für die Produktionsplanung und -steuerung, hat Pre-Prototyping durchgehend IT-gestützte Abläufe geschaffen – von der Bestellung bis zur Auslieferung an den Kunden. Da die meisten der benötigten Formulare, etwa für Angebote, Rechnungen oder Prüfpläne, bereits in den Lösungen hinterlegt sind, ließen sich papierbasierte Arbeitsschritte problemlos ablösen. Darüber hinaus sind in der neuen Software die einzelnen Abläufe klar definiert, was eine hohe Prozesssicherheit garantiert.
Trifft eine Kundenbestellung ein, erzeugt die integrierte Zusatzlösung automatisch die Stücklisten für die Produktion und generiert eine Bestellvorschlagsliste. Dabei signalisiert eine grafische Plantafel dem Produktionsleiter sofort, wie lange die Vorräte am Lager für den Lieferabruf reichen und wann er Teile nachbestellen muss. Die fertig produzierten Kunststoffteile werden mit Hilfe von SAP Business One anhand der vor Produktionsbeginn vergebenen Artikelnummer direkt ins Lager gebucht. Liefert Pre-Prototyping die 200 Türverkleidungen an den Kunden aus, erstellt der Lagerverwalter den Lieferschein per Knopfdruck und die Ware wird automatisch aus dem Lager ausgebucht. „Auf diese Weise wissen wir jederzeit genau, welche Produkte ausgeliefert wurden und welche noch am Lager sind“, erläutert Jörges.
Darüber hinaus wird der Produktionsleiter jetzt weitgehend von lästigen Verwaltungsaufgaben entlastet und kann so den größten Teil seiner Schicht an der Spritzguss- oder Fräsmaschine arbeiten. Der Vorteil ist für den Geschäftsführer offensichtlich: „Dadurch kommen wir in der Produktion mit dem vorhandenen Personal aus und sparen Kosten.“

Rundum-Blick auf das Unternehmen

Solange das Unternehmen relativ klein war, blieb der mit den manuellen Prozessen verbundene Aufwand überschaubar. Doch Pre-Prototyping ist erfolgreich und wächst schnell. 1999 von Lars Jörges als Ein-Mann-Firma gegründet, zählt der im thüringischen Krauthausen ansässige Betrieb heute 40 Mitarbeiter. „Wir wachsen pro Jahr um durchschnittlich 25 Prozent. Dabei kommen zwischen zehn und 15 neue Produktionsartikel hinzu“, berichtet Jörges. Insgesamt produziert der mittelständische Automobilzulieferer heute rund 160.000 Teile im Jahr, meist in Kleinserien.
Mit den heterogenen Anwendungen fehlte ein Rundum-Blick auf das gesamte Unternehmen auf Grundlage einer zentralen Datenverwaltung sowie ein aussagefähiges Berichtswesen. Auswertungen zu betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, etwa zu Auftrags- und Zahlungseingängen, Auftragsvolumen sowie zur Betriebsauslastung waren nur über eigens definierte Excel-Tabellen möglich. „Was wir benötigten, war eine integrierte, skalierbare und zukunftssichere betriebswirtschaftliche Software, die unsere Wachstums-Strategie und deren Tempo langfristig unterstützt“, bringt es der Geschäftsführer auf den Punkt.

Durch Radiowerbung zur neuen Software

Über einen Werbespot im Radio wurde Lars Jörges ganz zufällig auf SAP Business One aufmerksam. Schon bei der ersten Präsentation der Standardsoftware durch den SAP-Partner Planorg aus Jena zeigte sich, dass diese bereits viele wichtige Prozesse vom Einkauf über die Finanzbuchhaltung bis zum Controlling abdeckte.
Weitere wichtige Argumente für SAP Business One waren, dass die Software kontinuierlich weiterentwickelt wird, international einsetzbar ist und dass es eine voll integrierte Zusatzlösung für die Produktionsplanung und -steuerung gab. „Dabei merkt der Anwender nicht, ob er mit der SAP-Software oder der Zusatzlösung arbeitet“, betont Jörges. Darüber hinaus überzeugten die einfache und selbsterklärende Bedienung von SAP Business One, das Preis-Leistungsverhältnis sowie das Einführungskonzept von Planorg.
Die Implementierung inklusive Übernahme der Altdaten und Anwenderschulung dauerte nur rund vier Monate. Bereits ab Anfang April 2007 arbeiteten die elf Anwender mit der neuen Lösung. Mit Ausnahme der Software für die EDI-Lieferabrufe, die über eine Schnittstelle in SAP Business One integriert wurde, löste das Unternehmen alle bisherigen Einzellösungen auf einen Schlag ab.

Werkzeuge schneller einkaufen

Die integrierte Software sorgt seitdem nicht nur für effizientere Abläufe in der Produktion, sondern auch im Einkauf und in der Lagerverwaltung. Der Einkauf kann die benötigten Teile auf Knopfdruck bestellen und deren Anlieferung beschleunigen, da ausgewählte externe Lieferanten mitsamt den aktuellen Einkaufspreisen für Materialien in SAP Business One hinterlegt sind. Das ist ein großer Vorteil, wenn die hauseigene Konstruktion rasch Rohteile benötigt, um spezielle Formteile für die Projekte in der Fertigung zu fräsen.
Außerdem wird der Lagerverwalter automatisch über das voraussichtliche Lieferdatum der Materialien informiert. Bei Eintreffen der Teile bucht der Lagerist diese über die Daten auf dem Lieferschein und anhand der Bestellnummer umgehend ins Lager ein. Gleichzeitig erhält der Einkauf eine Rückmeldung und informiert die Konstruktions- und Entwicklungsabteilung über die Lieferung, was den internen Abstimmungsaufwand im Vergleich zu früher deutlich senkt.
Mehr Transparenz hat der Mittelständler mithilfe der SAP-Standardlösung auch in die Entwicklung sowie in das Kerngeschäft mit Lehren und Vorrichtungen gebracht, mit denen Vorgabemaße der Hersteller für die Werkstücke überprüft werden.

Mehr Zeit für strategische Aufgaben

Einen zusätzlichen Mehrwert liefert das integrierte Berichtwesen von SAP Business One. Per Mausklick erhält Geschäftsführer Jörges heute detaillierte betriebswirtschaftliche Auswertungen zu wichtigen Unternehmenskennzahlen, etwa zu Umsätzen, Cashflow oder Außenständen: „Dadurch wissen wir immer genau, wo wir stehen und können die strategische Weiterentwicklung unseres Geschäfts besser planen.“
Und hier hat Pre-Prototyping noch viel vor. So bemüht sich der Mittelständler im nächsten Schritt um die Zertifizierung nach ISO/TS 16949, einer wichtigen Qualitätsnorm für Automobilzulieferer, um die Qualitätsansprüche seiner Kunden noch besser zu erfüllen. Auch die Gründung einer Niederlassung in Indien ist geplant, damit das Unternehmen die Anforderungen eines großen Kunden vor Ort abdecken kann.

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