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Lateinamerikanische Kunst bei SAP

Feature | 4. November 2016 von Andrea Diederichs 0

Die neue SAP-Kunstausstellung, „Un Paseo de Arte Latino“, ist eine wahre Entdeckungsreise durch junge lateinamerikanische Kunst. Dabei offenbart sich manches Werk erst auf den zweiten Blick.

„Un Paseo de Arte Latino“ – wörtlich ist das ein Spaziergang auf den Spuren junger Künstler aus Südamerika und der Karibik. Der Titel der Ausstellung lässt an ein Sonntagsvergnügen denken, farbenfroh, exotisch, tropisch warm. Doch was den Ausstellungsbesucher erwartet, ist eine eher nachdenkliche Reise quer über einen ganzen Kontinent. Es sind ruhige, zurückgenommene Farben und Formen, und es ist die Begegnung mit 17 zeitgenössischen Künstlern, deren Werke so unterschiedlich sind wie die Länder, aus denen sie stammen.

„Die Werke erzählen eine Geschichte“, erklärt Kuratorin Alexandra Cozgarea, „sie gehen sehr stark auf politische und wirtschaftliche Situationen in den jeweiligen Ländern ein“. So zeigt „Panorama Catatumbo“ der Künstlerin Noemí Pérez vordergründig ein Dschungel-Dickicht, eine intakte, unberührte Natur, vielleicht sogar eine Kulisse für magische Geschichten, wie wir sie gerne in Südamerika verorten. Erst auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter kleine, ins Bild verwobene Szenen, die auch zu diesem Ort gehören: illegaler Gold-Abbau, Kokainanbau oder der Raubbau an der Natur.

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Auch die Goldmaske des Yosman Botero, die wie ein historischer Fund aus dem untergegangenen Inka-Reich wirkt, offenbart ihre tiefere Dimension erst bei genauerem Hinsehen. Die filigranen Ornamente, aus denen die Maske zusammengesetzt ist, sind in Wahrheit Abbildungen von Sturmgewehren der kolumbianischen Regierung und der Guerrillabewegung FARC.

Postcolombino #3, Yosman Botero

Andere Werke erzählen von einer Reise, von einem Kontinent in Bewegung, so wie der steinerne Koffer des Puertoricaners Karlo Andrei Ibarra. „Desterrados“ heißt dieses Objekt, zu Deutsch „Die Vertriebenen“. Der ursprüngliche Pflasterstein stammt aus der Zeit der Kolonialisierung Südamerikas, der Zeit der Vertreibung und letztlich der Vernichtung indigener Völker.

Desterrados, Karlo Andrei Ibarra

Heimatlosigkeit und Orientierungslosigkeit sind auch Motive eines Wandteppichs von Ibarra. Darin verarbeitet er ein Zitat des uruguayischen Dichters Mario Benedetti, der als politisch Verfolgter ein rastloses Leben im Exil verbrachte: „Cuando teníamos las respuestas nos cambiaron las preguntas“. („Als wir die Antworten gefunden hatten, änderten sie uns die Fragen.“)

„Der Kontinent ist im Wandel, und die Künstler reagieren darauf, fast wie feine Seismographen. Sie kritisieren die politischen Umstände, doch in den Werken scheint auch Hoffnung durch“, erklärt Alexandra. Wie bei dem Papierkunstwerk „Migrantes“ (Migranten) von Sebastián Camacho, das wie ein Engelsflügel oder eine Vogelschwinge an Freiheit denken lässt, an Leichtigkeit und an den Wunsch, sich einfach in die Luft zu erheben und vom Wind getragen zu werden.

Migrantes, Sebastián Camacho

Mit Medien wie Malerei, Fotografie, Zeichnungen oder Objekten beleuchten die Künstler unterschiedlichste Aspekte kolonialer Geschichte und aktueller Lebenswirklichkeit. Die Werke, die vorwiegend aus der Sammlung Funcke stammen, verbindet nur „ihre Lebendigkeit, die Aufbruchstimmung, die sich in ihnen ausdrückt, fast wie eine Vibration“, so Alexandra.

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Seit mehr als zwanzig Jahren ist SAP mit rund 4.000 Mitarbeitern in Süd- und Mittelamerika und der Karibik vertreten. Claudio Muruzábal, der die Geschäfte der SAP in der Region Lateinamerika und Karibik leitet, betont in seinem Video-Grußwort, „dass Lateinamerika vor allem von Kreativität lebt. Das zeichnet uns aus und hat einen wichtigen Bezug zu uns als Unternehmen. Denn Kreativität in der Kunst ist auch Innovation. Und letztlich geht es bei Technologie um Innovation.“

Rund 500 Gäste besuchten die Vernissage am 21. Oktober, die musikalisch von der Band Havana Coastline begleitet wurde. Die Ausstellung läuft bis zum 24. Februar 2017 im Internationalen SAP- Schulungszentrum (Gebäude 5) in Walldorf. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 10.00 bis 20.00 Uhr, der Eintritt ist frei.

Die hier dargestellten Werke sind eine freundliche Leihgabe der Sammlung Funcke.

Video: Kesja Cichowski, Norbert Steinhauser

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