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Digitale Transformation: Es muss nicht immer Disruption sein

Feature | 21. März 2018 von Derek Klobucher

Die digitale Transformation steht oft für beachtliche Neuerungen, aber nicht notwendigerweise für branchenweite Veränderungen. Wer mithilfe der richtigen Technologien das Wachstum seines Unternehmens fördern will, kann sich einen großen Wettbewerbsvorteil verschaffen und sogar potenzielle Konkurrenten von einem Eintritt in den Markt abhalten.

Laut Mike Flannagan, Senior Vice President für SAP Leonardo Data and Analytics, war es für Unternehmen wie Uber und Airbnb relativ einfach, ganze Branchen zu revolutionieren, da sie bei null angefangen haben. „Sie mussten weder eine langjährige Unternehmenstradition noch einen Ruf schützen“, erklärt Flannagan. „Aber genau das ist die Aufgabe, der sich die meisten von uns jeden Tag stellen müssen.”

Laut Flannagan geht es bei den meisten etablierten Unternehmen im digitalen Transformationsprozess weniger um Veränderungen und Innovationen, sondern vielmehr um Prozessverbesserung und -effizienz. Große Projekte zielen eher darauf ab, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und Kosten zu senken – und so kann ein tiefgreifender Wandel sogar überflüssig werden.

Einen attraktive Erfahrung für Fans

Die nordamerikanische National Hockey League (NHL) bemüht sich mit aller Kraft darum, die Beziehung zu den ohnehin begeisterten Eishockey-Zuschauern weiter zu stärken.

„Das klingt vielleicht nicht gerade nach Innovation, aber die NHL lässt sich einiges einfallen, um sich die Treue der Fans zu sichern“, erläutert Flannagan. „Für die NHL ist es eine Art Prozessverbesserung, auf die sie schon lange hinarbeitet.“

Sportstatistiken sind mit einer gemeinsamen Sprache in einem Stamm vergleichbar. Die NHL hat sich diesbezüglich wirklich weiterentwickelt und bietet den Zuschauern zahlreiche Informationen zur Leistung der Spieler. Seit der Einführung eines Statistikbereichs auf der NHL-Website stieg die Besucherzahl um 25 Prozent und die Verweildauer sogar um 45 Prozent.

„Statistiken müssen keine schnöden, statischen Zahlen in Spalten sein“, meint Chris Foster, NHL Director für Digital Business Development. „Wenn sie ansprechend präsentiert werden, können sie eine starke Anziehungskraft auf Fans ausüben.“

Millionen einsparen mit Analysen

Paketfahrer bei ihrer Arbeit zu unterstützen, klingt auch nicht unbedingt nach digitaler Transformation. Aber optimierte Routen und Abkürzungen brachten dem weltweit tätigen Paketdienst UPS einen enormen Vorteil.

„Mithilfe von erweiterten Analysen ermittelt UPS die besten Strecken für ihre Zusteller“, so Flannagan. „Auf diese Weise konnte das Unternehmen rund 137 Millionen Kilometer pro Jahr sparen und effizientere Routen aufspüren.“

Sensoren für das Internet der Dinge helfen UPS, Standzeiten zu verkürzen, in denen der Fahrer den Lieferwagen verlässt, das Paket zustellt und zum Fahrzeug zurückkehrt. Dies wirkt sich wiederum positiv auf den Kraftstoffverbrauch aus und reduziert Verschleißerscheinungen sowie negative Umweltauswirkungen.

„UPS baute ganz einfache Sensoren in seine Lieferwagen ein, um herauszufinden, wann der Fahrer aussteigt und ein Paket zustellt. Ist das der Fall, wird der Motor automatisch abgestellt“, berichtet Flannagan. „Dadurch war das Unternehmen in der Lage, 100 Millionen Minuten an Standzeiten pro Jahr einzusparen.“

Geringere Kosten durch mehr Effizienz

UPS nahm diese Projekte nicht wegen der digitalen Transformation in Angriff und entschied sich auch nicht aus Innovationsgründen für diese Veränderungen. Flannagan zufolge wollte der Paketdienst schlicht Geld sparen und effizienter werden. Nebenbei erzielte UPS einen echten wettbewerbsrelevanten Kostenvorteil.

„Wenn wir morgen einen Paketdienst wie UPS gründen wollten, müssten wir zunächst überlegen, wie wir diesen Service auf einem standardisierten Markt zu einem geringeren Preis als UPS anbieten können“, meinte Flannagan. „UPS ist mittlerweile jedoch so unglaublich effizient darin geworden, ihre Kosten mit den genannten Aktivitäten zu optimieren, dass es schwierig wäre, in dieses Geschäft einzusteigen und UPS Kunden wegzunehmen.“

Deshalb kann die digitale Transformation nach Meinung von Flannagan auch dazu beitragen, dass sich Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil sichern und ein Produkt oder einen Service zu einem geringeren Preis anbieten können. Das gefällt natürlich auch den Kunden.

„Wenn sich auf diese Weise die Konkurrenz davon abhalten lässt, in den Markt einzusteigen und meinem Unternehmen die Position streitig zu machen, dann ist das auch eine Form von Innovation“, führt Flannagan weiter aus. „Ich bin der Meinung, dass die NHL und UPS Beispiele für Neuerungen sind, die für viele von uns eingängig sind.“

Strategische Ziele erreichen

„Die digitale Transformation ist als Strategie selten ein Selbstzweck“, so SAP Chief Commercial Officer Franck Cohen. „Sie stellt eher eine Möglichkeit dar, strategische Ziele wie Unternehmenswachstum, agilere Betriebsmodelle oder ein besseres Kundenerlebnis zu erreichen.“

Doch viele Unternehmen haben Aufholbedarf. Gemäß einer Accenture-Studie aus dem Jahr 2017 treiben beispielsweise nur zehn Prozent der Führungskräfte in Beschaffungsunternehmen die Digitalisierung mit Nachdruck voran. Dazu kommt noch, dass lediglich fünf Prozent dieser Führungskräfte (0,005 Prozent der Gesamtzahl) innovative digitale Technologie wie Analysen, Social Media und Sensoren einsetzen, um im Leistungsmanagement, bei Spezifikationen und in vielen anderen Bereichen neue Wege zu gehen.

„Ohne die digitale Transformation werden sie Schwierigkeiten haben, ihre Wachstumsziele zu erreichen“, meinte Cohen. „Sie benötigen neue digitale Produkte, neue digitale Services und ein neues Geschäftsmodell, die zu diesen Zielen passen.“

Weitere Informationen:

Was aber sind die ersten Schritte? Der Weg zur digitalen Transformation ist nicht immer eindeutig. Mit Design-Thinking-Methoden helfen Prozessexperten von SAP, eine Unternehmensvision zu entwickeln und umzusetzen. Erfahren Sie mehr über Digital Innovation Services.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf SAP Business Trends. Folgen Sie Derek Klobucher auf Twitter unter @DKlobucher.

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