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Mit SAP Leonardo neue Geschäftsmodelle erschließen

Feature | 24. Januar 2018 von Claudio Brecht 0

Firmen wie GEA und Hilti lieferten auf dem SAP Leonardo Symposium anschauliche Einblicke in Anwendungsfälle für Technologien des SAP-Leonardo-Portfolios.

Um die Verschiffung von Waren, in die mehrere Parteien involviert sind, möglichst sicher für deren Eigentümer zu gestalten, setzen Menschen bereits seit der Zeit des Römischen Reiches auf eine schriftliche Quittung – heute auch Konnossement oder Englisch „bill of lading“ genannt. Das Besondere dabei: Der Besitz des Schriftstücks signalisiert den Anspruch auf die transportierten Waren. Gegen Vorlage des originalen Dokuments übergibt dementsprechend der jeweilige Spediteur am Zielort die transportierten Waren. Dass dieses System eine Vielzahl von Schwachstellen mit sich bringt, mit Hilfe derer sich Dritte potenziell der Waren bemächtigen können, ist leicht einzusehen – ein konstantes Risiko für den Handel.

Abhilfe kann die Blockchain-Technologie verschaffen: Das verteilte, öffentliche Journal dient dazu, Transaktionen unabänderlich und sicher festzuhalten. Es gilt daher auch als ultimativer Beweis von Besitzrechten. Einen Proof of Concept, in welchem basierend auf Blockchain eine digitale Version des Konnossements bereitgestellt wird, präsentierte Tanja Rückert, President Business Unit IoT & Digital Supply Chain bei der SAP, am 23. Januar am SAP-Standort St. Leon-Rot. Von der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) und der SAP im Rahmen des SAP Leonardo Symposiums eingeladen, konnten SAP-Kunden dort in einer Reihe von Vorträgen, Exponaten und Diskussionsrunden die Möglichkeiten des „Digital Innovation System“ SAP Leonardo kennenlernen.

Effizienzgewinne oder neue Geschäftsmodelle – beides ist möglich

In ihrem Vortrag stellte Rückert auch weitere Beispiele für den bereits jetzt vielfältigen Einsatz von Technologien aus dem SAP-Leonardo-Portfolio in der Industrie vor. So etwa das brasilianische Bergbauunternehmen Vale S.A.: Die Firma habe sich an die SAP gewandt, um ihre hohe Ablehnungsquote von Bestellanforderungen zu senken. „Innerhalb von nur vier Wochen gelang es, mittels eines auf maschinellem Lernen basierenden Prototyps die Ablehnungsquote um 86 Prozent zu senken“, so Rückert.

Nicht nur Effizienzgewinne sind möglich. Die größten Vorteile von SAP Leonardo finden sich in der Schaffung neuer Geschäftsmodelle. Andreas Buchdunger, Management Consultant Digital Transformation beim Messgeräteexperten Endress+Hauser, veranschaulichte dies am Beispiel des SAP Asset Intelligence Networks. Die auf der SAP Cloud Platform basierende Kollaborationslösung erlaubt es der Firma mit Hilfe des Internets der Dinge, Kunden Echtzeit-Verschleißdaten und Analysen zur vorausschauenden Instandhaltung anzubieten. Gleichzeitig liefere die Software dem Unternehmen wertvolle Einsichten über die Benutzung ihrer Endgeräte, welche in die Produktentwicklung einfließen könnten.

GEA: Aus Produkten werden modulare Dienstleistungsangebote

Ähnliche Erfahrungen konnte auch die GEA Group vorweisen, einer der größten Systemanbieter für die nahrungsmittelverarbeitende Industrie und zahlreiche Prozessindustrien. Anselm Schoenmakers, Senior Director und Head of Service Product Management – Extended Life Services bei GEA, berichtete davon, wie sich aus vorausschauender Wartung und der Zustandsüberwachung von Spezialgeräten wie Separatoren und Dekantern neue Dienstleistungsangebote für die Firma ergeben hätten.

„Wir können Kunden das Benchmarken ihrer Geräte hinsichtlich Effizienz und Produktivität anbieten“, so Schoenmakers. Je nach gewünschtem Engagement seien so modulare Service-Level-Vereinbarungen möglich geworden. Der Kunde könne so zwischen verschiedenen Optionen wählen: Vom einfachen Bereitstellen der Maschinen mit regulärem Reporting bis hin zur umfassenden Betreuung ganzer Anlagen und Prozesse durch GEA. Schoenmakers pries auch die benutzerfreundliche Oberfläche SAP Fiori: „Convenience ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.“

Anselm Schoenmakers, Senior Director, Head of Service Product Management – Extended Life Services erklärt die Digitalisierungsstrategie der GEA Group.

Die Voraussetzungen des Projekts seien dabei alles andere als günstig gewesen. Als international agierendes Unternehmen habe GEA dutzende verschiedene IT-Systeme im Einsatz gehabt. Dennoch, erklärt Schoenmakers, sei die Initiative schnell ein Erfolg geworden. Entscheidend sei dabei nicht nur die technische Seite. Vielmehr sei auch ein innerbetrieblicher Kulturwandel unabdingbar, um die Digitalisierung voll auszuschöpfen. Besonders Netzwerke zur Kooperation über Firmengrenzen hinweg sowie kundenorientierte Methodologien wie Design Thinking seien hierbei hilfreich. Im weiteren plane GEA, mehr selbstlernende Anlagen zu fertigen, sowie durch verbesserte Fernwartung weiter die Notwendigkeit lokaler Expertise abzubauen.

Hilti: Innovationen schnell global verfügbar machen

Auch die Hilti Group, bekannt als Werkzeughersteller und Experte für Befestigungstechnik, setzt bei ihrer digitalen Transformation auf SAP Leonardo. Wie Dr.-Ing. Johannes Reichert, Head of DRIVE – Hiltis Digitalisierungsprojekt – bemerkte, entschied sich das Unternehmen bereits 2001 für die SAP Business Suite. Hilti setzte früh auf Cloud-Lösungen und implementierte SAP Business ByDesign in verschiedenen Tochtergesellschaften. Heute laufen die etwa fünf Milliarden Schweizer Franken Umsatz der Gruppe vollständig über SAP-Systeme.

Während im Bereich des ERP zum November 2018 ein globaler Wechsel auf SAP S/4HANA als digitalem Kern erfolgen soll, erfindet sich die Firma auch zu den Seiten hin weiter neu: Jährlich etwa 60 neue Produkte mit schnellem globalen Rollout erfordern eine passende, integrierte IT-Infrastruktur. Reichert zeigte sich daher besonders begeistert von der Geschwindigkeit, mit der sich SAP Leonardo-basierte Proof of Concepts erstellen lassen: „Das Management ist mit im Boot, und die Kunden sind begeistert“.

So seien einfache, aber für die Kunden sehr nützliche Innovationen günstig möglich geworden. Häufig sei es auf Baustellen aufgrund von Schmutz oder Kratzern ein Problem gewesen, ein bestimmtes Hilti-Werkzeug eindeutig zu identifizieren. Mit Hilfe eines NFC-Chips im Gerät und einer App auf Basis von SAP-Software könnten Kunden das jeweilige Gerät nun mit ihrem privaten Smartphone scannen und eindeutig zuordnen. Als hilfreich hätte sich hierbei ein interdisziplinäres Team von Hilti und der SAP erwiesen, welches sich wöchentlich treffe und regelmäßig Design Thinking Workshops abhalte, um sich zu neusten Entwicklungen auszutauschen.

Auch umfassende Papierarbeit zur Inventarisierung des Werkzeugs auf einer Baustelle gehörte zunehmend der Vergangenheit an. So sei es mittels einer Hilti-App auf Basis des Internets der Dinge möglich, sämtliches benötigtes Werkzeug einer Baustelle zu erfassen, und festzustellen, ob einzelne Geräte fehlten, und wo diese bei Bedarf zu finden seien. Cloud-Plattform sei Dank, könnten Geräteinformationen von ausgeschalteten Geräten direkt bei deren Einschalten aktualisiert werden.

Zum Abschluss empfahl Reichert interessierten Unternehmen sich bei der Digitalisierung nicht ausschließlich auf ihr ERP zu fokussieren. Ein ganzheitlicher Ansatz, der den Nutzen der Schnittstellen mit SAP BW/4HANA und SAP Leonardo erkenne, erlaube es, die größten Geschäftsvorteile hervorzubringen. Insbesondere sei es dabei wichtig, bestehende IT-Landschaften zu überdenken und stets einer „Cloud first“-Maxime zu folgen. Eine Zusammenarbeit von SAP, der jeweiligen Firmen-IT und den Geschäftsbereichen könne Leute mit verschiedensten Fähigkeiten zusammenbringen und so ein nachhaltig innovatives Umfeld fördern.

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