Löschbare Ausdrucke, weniger Papier

Feature | 14. Februar 2007 von admin 0

Dr. Paul Smith

Dr. Paul Smith

Dr. Smith, warum hat Xerox eine Technologie entwickelt, mit der Bilder und Text auf Ausdrucken wieder verschwinden?

Smith: Xerox interessiert sich dafür, wie Papier verwendet wird, im Büro und elektronisch. Unser Projekt, ein Gemeinschaftsvorhaben von XRCC und PARC (Palo Alto Research Center) ging aus einer in Palo Alto begonnenen Studie hervor. Danach werden zwei von fünf ausgedruckten Seiten lediglich einmal, am Tag des Ausdrucks, gelesen und dann weggeworfen. Dazu zählen E-Mails, Referenzmaterial, oder als Extremfall das Deckblatt einer Studie.

Mit zunehmendem Informationsfluss wird gleichzeitig immer mehr gedruckt. Folglich wird der Papierverbrauch in den nächsten zehn Jahren steigen und nicht sinken. Theoretisch lässt sich die Verwendung von Papier durch Technologie ersetzen.
Aus der Praxis wissen wir jedoch, dass Mitarbeiter Texte gerne ausdrucken, weil sie Papier in der Hand haben und darauf beispielsweise Notizen machen möchten. Das löschbare Papier ist ein Beitrag von Xerox zum Umweltschutz. Wir tragen dazu auch mit dem niedrigeren Energieverbrauch unserer Drucker oder den Tintenkartuschen bei, die 90 Prozent weniger Abfall erzeugen als andere.
Das löschbare Papier eignet sich unter anderem für Tagespläne, Deckblätter von Druckaufträgen und andere tagesaktuelle Jobs.

Was ist der Markt für die Technologie?

Smith: Die Technologie lässt die Grenze zwischen Papierdokumenten und digitalen Medien verschwimmen. Sie zielt letztlich darauf ab, den Papierverbrauch erheblich zu senken. Wir befinden uns aber noch im Anfangsstadium. Es geht hier um ein Entwicklungsprojekt, das noch nicht kommerzialisiert wurde. Xerox muss mit verschiedenen Geschäftsbereichen zusammenarbeiten, um zu sehen, wohin uns die Entwicklung führen könnte. Entscheidungen über Ziele und Märkte sind noch nicht gefallen.

Welche Technologie steckt hinter dem löschbaren Papier?

Smith: Für ein löschbares Papier mussten wir zunächst einmal Möglichkeiten finden, um temporäre Bilder zu erstellen. Dazu haben wir chemische Verbindungen entwickelt, die ihre Farbe verändern, wenn sie eine bestimmte Lichtwellenlänge absorbieren, und dann langsam verschwinden. Schrift und Bilder löschen sich in 16 bis 24 Stunden und das Papier kann damit mehrfach verwendet werden. Der Vorgang ist vergleichbar mit dem bei fotochromatischen Gläsern von Sonnenbrillen, die sich wieder entfärben. Wer das Papier sofort wieder verwenden möchten, kann es sogar gleich wieder in den Drucker legen. Der Text wird durch Hitzeinwirkung gelöscht.

XRCC hat das spezielle Papier entwickelt, PARC den zugehörigen Druckerprototyp, der das Bild auf dem Papier mit einem Lichtbalken einer bestimmten Wellenlänge erzeugt.

Wie hoch sind die Kosten des spezialbeschichteten Papiers?

Smith: Das ist ein wichtiger Aspekt. Kunden, mit denen wir gesprochen haben, wollten zwar Wiederverwendbarkeit, aber sie möchten nicht auf die von ihnen geschätzten Vorteile des konventionellen Papiers verzichten. Sie wollen Papier, damit sie darauf schreiben und es in ein Meeting mitnehmen können. Die Kosten müssen niedrig sein und sich im Rahmen der Kosten von normalem Papier bewegen. Die Kosten einer Spezialseite liegen etwa beim Dreifachen des Preises eines normalen Blatts Papier.

Die Technologie ist Teil eines Projekts rund um künftige „dynamische Dokumente“. Wie identifizieren Sie solche Dokumente?

Smith: Wir verwenden einen Six-Sigma-Prozess, der Kunden dabei unterstützen kann, enorme Vorteile bei der Erstellung, Speicherung und Verteilung von Papier sowie von elektronischen Dokumenten und Akten zu erzielen.

Das dokumentbezogene Six-Sigma-Konzept folgt einem Arbeitsprozess, der von höherer Qualität und geringerem Abfall profitiert. Bessere Prozesse für das Dokumenten-, Akten- und Informationsmanagement haben quantifizierbare Vorteile, etwa eine größere Effizienz, eine schnellere Reaktion, ein besserer Kundenservice und geringere Kosten.

Was bedeutet „Smart Document Management“ für Xerox? Wie werden die Dokumente und der Umgang mit ihnen intelligenter?

Smith: Wir machen Dokumente intelligenter, damit sie sich gewissermaßen selbst verwalten. Wir haben eine Reihe von Projekten in diesem Bereich.

Das ist zum einen das Kategorisierungssystem, das ein elektronisches Dokument liest, je nach Sachverhalt über dessen Klassifizierung entscheidet und es dann automatisch an die E-Mail-Adresse der richtigen Person oder an das Online- Dokumentenverwaltungssystem weiterleitet. Das System ist derzeit unter anderem bei einem Kunden in Europa installiert und unterstützt ihn beim Durchsuchen und Kategorisieren von etwa sechs Millionen Dokumenten. Daraus entstand schließlich die weltweit größte Datenbank.
Ein anderes Programm bezeichnen wir als „intelligente Redaktion“. Damit können Dokumentverantwortliche leichter steuern, wer was in einem Dokument sehen kann und wer Zugriff auf bestimmte Dokumente und Informationen hat.
DocuShare wiederum ist eine Art intelligente Ablage. Wir verwenden es zum einen intern, zum anderen hat es die NASA seit 2004 in Gebrauch. Es macht das Content Management effizienter, besser nachvollziehbar und sicherer. Um gedruckte und elektronische Inhalte abzudecken, ist es mit Desktop-Anwendungen und vielen Scanner- und Ausgabegeräten integriert, darunter Xerox WorkCentre Pro-, DocuTech- und iGen3-Geräte.

Wissenschaftler untersuchen auch spezielle Imaging-Techniken, die Kopien als solche kenntlich machen sollen. Welche Technologien bietet Xerox an?

Smith: Eine unserer Techniken auf diesem Gebiet ist GlossMark. Sie erstellt Schriftarten und Bilder mit Xerox-Software und erzeugt gezielt verschieden stark glänzende Bereiche auf einer Seite. Mit der Drucktechnologie lassen sich hologrammartige Wörter und Bilder integrieren. Diese sind als zusätzliches und separates Bild sichtbar, wenn das Papier schräg gehalten wird, können aber auf herkömmlichen Geräten nicht gescannt oder kopiert werden.

UVMark ist eine andere Möglichkeit, einen Ausdruck mit einer Sicherheitsschicht zu versehen. Ein Digitaldrucker erstellt damit einen beliebigen Text, der unsichtbar bleibt, bis er ultraviolettem Licht ausgesetzt wird.

Wie weit ist die Xerox-Forschung mit der Identifikation von Dokumenten via RFID?

Smith: Xerox arbeitet an der gedruckten organischen Elektronik, einer möglicherweise bahnbrechenden Technologie. Diese gedruckte Schaltungen könnten den normalen RFID-Etiketten Konkurrenz machen, die massenhaft in Asien hergestellt werden. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg zu gehen. Die Kosten für die Herstellung solcher gedruckter Elektronik sind derzeit noch zu hoch.

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