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Lean Manufacturing Planning and Control: 6 Gründe für ein Cockpit

Feature | 22. November 2017 von Andreas Schmitz 1

Auf einem Cockpit sehen, welche Auswirkung neue oder umdisponierte Aufträge auf die Planung haben: Das ist eines der wichtigen Ziele des Add-ons für Lean Manufacturing Planning and Control (LMPC).

Wenn ein Hersteller von Nahrungsmitteln für Montag eine Produktion plant, in der keinerlei Spuren von Nüssen enthalten sein dürfen, ist das für ihn eine Herausforderung. Einerseits steht am produktionsfreien Sonntag die große Reinigung der Maschinen an, zum anderen ist ein Winkelzug in der Produktionsplanung nötig. „Allein auf Basis von Auftragslisten lassen sich die nussfreien Aufträge nicht finden“, erläutert Ferenc Gulyássy, Berater im Bereich Supply Chain Management Consulting Solutions von SAP. Meist werden Excel-Listen bemüht, die mehrfach persönlich kontrolliert werden müssen, ehe die Auftragsliste für den Montag steht. Mit Hilfe des Add-ons für Lean Manufacturing Planning and Control, hingegen lassen sich nun jene Aufträge bündeln, die etwa nussfrei sein sollen, die den Anforderungen an Bio-Produkte genügen und koscher sein müssen. „Das LMPC kommt ursprünglich aus dem Automobilbereich, lässt sich aber prinzipiell in allen Branchen einsetzen, die selbst produzieren“, erläutert Gulyássy. Über 60 Kunden setzen das Add-on bereits ein, derzeit noch etwa 80 Prozent davon in der Autoindustrie.

Folgende Funktionen bietet die Lösung:

1. Kapazitätsengpaß auf Cockpit erkennen

Um eine Produktion planen zu können, ist es wichtig, einerseits die anstehenden Aufträge zu sehen, andererseits aber auch einschätzen zu können, ob sie in der gewünschten Zeit erledigt werden können. „Gibt es einen Engpass oder nicht?“, benennt Gulyássy die Königsfrage in der Produktion. Das Add-on führt die anstehenden Aufträge zusammen und berechnet nicht nur, ob die Produktion das leisten kann, macht also eine Kapazitätsauswertung (siehe Grafik). Es ist darüber hinaus in der Lage, einen Kapazitätsabgleich vorzunehmen, der grafisch auf dem Cockpit zu sehen ist. „Zeigt das Cockpit die Überlastung einer Produktionslinie an, lassen sich einzelne Aufträge herauslösen und in andere Slots schieben“, sagt Gulyássy, der vor allem in der sofortigen Visualisierung der Auswirkung eines verschobenen Auftrags einen großen Vorteil sieht. Denn eine entsprechende Funktion, die die graphische mit der tabellarischen Plantafel kombiniert und – als eingebettete Funktion – sowohl die Kapazitätsauslastung als auch den resultierenden Bestandsverlauf zeigt, gebe es im Standard „nur auf verschiedene Transaktionen aufgeteilt“.



2. Standard schnittstellenfrei erweitern

Auch Wettbewerber auf dem Markt liefern bereits eigene Erweiterungen für den Standard etwa hinsichtlich der Visualisierungen und des Kapazitätsmanagements. Doch haben sie den Nachteil, dass sie meist über eine Schnittstelle an SAP-Systeme angeschlossen werden müssen. Das Add-on hingegen ist schnittstellenfrei. „Schnittstellen sind aufwändig zu warten, verkomplizieren Updates und können fehlerbehaftet sein“, erläutert Gulyássy, „zudem müssen die Daten für deren Verarbeitung hin- und hergeschickt werden, heraus aus dem SAP-System und wieder hinein, sie erzeugen also Duplikate.“

3. Lean-Methode Heijunka neben Feinplanung nutzen

Das Add-on verbindet unter anderem die aus der Toyota-Produktionsphilosophie stammende Lean-Manufacturing-Methode Heijunka mit der Feinplanung, um – wie Gulyássy sagt – „das Beste aus beiden Welten“ zu nutzen. Vorteil für die Praxis: Treten Kapazitätsspitzen auf, die eine Überlastung der Produktion bedeuten würden, lassen sie sich „nivellieren“. „Diese Glättung kann sowohl vor dem Kapazitätsabgleich als auch aus dem Cockpit heraus während der interaktiven Feinplanung heraus angestoßen werden“, erläutert Gulyássy. Im Standard wäre es möglich, einzelne Aufträge abzuarbeiten oder zusammenzufassen, eine „geglättete Logik“ und damit eine gleichmäßige Auslastung in der Produktion wäre jedoch nur mit „immensen manuellen Aufwand“ möglich.

4. Sämtliche Bereiche der Kapazitätsplanung nutzbar

Die Zusatzlösung von SAP ist für alle Kapazitätsplanungsbereiche verwendbar. Sind in der diskreten Fertigung Plan- und Fertigungsaufträge, in der Prozessindustrie wie Pharma und Chemie Plan- und Prozessaufträge oder in der Serienfertigung „nur“ Planaufträge nötig, deckt das Add-on sämtliche Planungsbereiche ab, die auch der Standard adressiert. Dazu gehört auch, dass die Bereiche Plant Maintenance (PM) sowie Projekt System (PS) planbar sind – also auf der einen Seite die vorbeugende Instandhaltung sowie Projekte mit längeren Laufzeiten und komplexen Abhängigkeiten.

5. Über 70 Planungsalgorithmen einsetzbar

Das Add-on ermöglicht aktuell über 70 Planungsalgorithmen. „Diese Algorithmen geben nach individuellen Logiken vor, wie Reihenfolgen von Aufträgen gebildet werden und verschiebt Aufträge etwa so, dass die Kapazitätsgrenzen immer berücksichtigt werden“, erläutert SAP-Experte Gulyássy. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, „nussfreie“ Produktionen in der Nahrungsmittelindustrie mittels eines „Product Wheels“ zu planen oder die Nivellierungsfunktion zu nutzen, mit deren Hilfe Bedarfsspitzen gekappt und große Schwankungen im Bedarf ausgewogener auf die einzelnen Perioden verteilt werden können. Liegen zu viele Aufträge vor, gibt das System eine Warnung heraus und der Nutzer wird aufgefordert, vorliegende Aufträge zu priorisieren und damit auch zu bestimmen, welche Aufträge sich verzögern werden.

6. Kanban neben der Feinplanung einsetzbar

In der Planung wird in der Regel vorhergesagt, wie viele Teile einer Ware produziert werden müssen und die Produktion richtet sich danach (Push-Prinzip). Die Prozesssteuerungsmethode Kanban hingegen beruht auf einem entgegengesetzten Prinzip und fordert erst dann den nächsten Prozessschritt ein, wenn er nötig wird (Pull-Prinzip). Ist die Produktion eines Bauteils nötig, wird der Kanban als Bestellkarte dazu eingesetzt, Teile zu produzieren, da das Lager sie nicht mehr vorrätig hat. Diese durch Kanban angestoßenen Aufträge müssen unter Umständen nun wiederum in der Feinplanung berücksichtigt werden. Das Add-on ermöglicht also letztlich, Kanban mit der Feinplanung zu verbinden.

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