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Marc Girardelli: Ohne Risiko gibt’s keinen Erfolg

Feature | 18. Oktober 2017 von Andreas Schmitz 2

Initiator der längsten Skihalle der Welt, Geschäftsführer einer eigenen Marke für Skibekleidung, Krimiautor und Keynote-Speaker auf dem SAP Infotag Lager- und Transportmanagement: Dem viermaligen Weltmeister Marc Girardelli wird auch nach Ende seiner Karriere als Skirennfahrer nicht langweilig.

Herr Girardelli, der erfolgreiche Skifahrer Girardelli ist seit 20 Jahren Geschichte. Wie haben Sie den Wechsel von der Skipiste in das Leben danach hinbekommen?

Das hat seine Zeit gebraucht. Schließlich habe ich mich nicht ganz freiwillig aus dem Skizirkus verabschiedet. Nach 16 Operationen, 11 davon am Knie, wollte mein Körper einfach nicht mehr. Schon meine Karriere begann ja mit einem schweren Sturz, bei dem sich mein Knie einmal um die eigene Achse gedreht hatte. Ich war damals 19 Jahre alt und die Ärzte sagten mir, dass ich wahrscheinlich nie mehr Ski fahren könnte, schon gar nicht auf Weltklasseniveau und zu 15 Prozent Sportinvalide sei. Ich habe danach extrem hart trainiert, neue Trainingsmethoden ausprobiert und danach erst meine ganzen Erfolge eingefahren.


Marc Girardelli wird als Keynote-Speaker auf dem SAP-Infotag Lager- und Transportmanagement in Mannheim am 7. November 2017 über „Grenzerfahrungen im Spitzensport“ berichten. Das Motto des Kongresses: Logistik ist live. Unternehmen wie Brose, Würth, Conrad Elektronik und WILO berichten auf dem Kongress über den Einsatz von Lager- und Transportmanagement-Systemen.


Braucht es diese Grenzsituationen, um besser zu werden?

Ich hätte gut drauf verzichten können. Aber klar ist: Um erfolgreich zu sein, reicht kein „weiter so“. Sie müssen ein Stück weit ausbrechen, Dinge ausprobieren, von denen man nicht weiß, wie sie ausgehen. Wer sich die Piste herunterstürzt und gewinnen will, muss an seine Grenze gehen, sich auf seine natürlichen Reflexe verlassen und vertrauen, dass es gut ausgeht. Das ist auch nach meiner Karriere nicht unbedingt anders: Wer hätte im Jahr 2000 gedacht, dass eine Skihalle auf einer Kohlehalde in Bottrop im Ruhrgebiet später mehr als 500.000 Skibegeisterte im Jahr anziehen würde? Das Alpincenter ist 600 Meter lang und heute noch die längste Skihalle der Welt. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal einen Krimi schreibe – „Abfahrt in den Tod“ (mit Co-Autorin Michaela Grünig). Ohne es auszuprobieren, kann ich ja nicht wissen, ob es sich lohnt, das Risiko einzugehen. Da hat es sich auf jeden Fall gelohnt. (Der Folge-Krimi ist bereits im Druck und erscheint Ende Januar.)

Sie waren Gründer und Geschäftsführer der Firma, die diese Skihalle auf die Beine gestellt hat. Heute haben Sie die Marc Girardelli Sport AG, eine Bekleidungsfirma, die Sie mit Ihrem Schulfreund und Ex-Liegelind-Geschäftsführer Martin Wunderlich betreiben. Warum sind Sie aus dem Alpincenter ausgestiegen?

Es wurde mir zu groß. Ich war plötzlich Chef von 120 Mitarbeitern, habe sie aber behandelt wie Freunde oder Kollegen. Das wurde irgendwann schamlos ausgenutzt. Mir fehlte einfach die „harte Hand“, die ein Manager für ein solches Unternehmen braucht. In der neuen Firma sind wir zu zweit. Da kommen diese Fragen gar nicht auf, zumal unsere Rollen klar definiert sind: Ich bin der Verkäufer und „Klinikenputzer“ und Martin derjenige, der die Zahlen zusammenhält und das Administrative erledigt. Wir verkaufen Skibekleidung für Skiclubs und Skischulen wie auch für Firmen, aber nicht in Sportgeschäften.

Damit ersparen Sie sich auch komplexe Logistikprozesse.

Uns war vor allem der Vertrieb zu kompliziert. Deshalb können unsere Kunden jetzt auf unserer eigenen Webseite Bekleidung eigenständig designen. Innerhalb kurzer Zeit können wir die Ware produzieren lassen und wunschgemäß an die Kunden ausliefern. Das ist vor allem deshalb möglich, weil wir in der EU produzieren lassen. Da geht es aber nicht um Milliardenumsätze.

Wenn im Konzern Produktionsbänder stehen bleiben oder die Lieferkette unterbrochen ist, gehen die Verluste schnell in die Millionen. Wie kann ein Manager trotz des permanenten Risikos, dass etwas schief gehen kann, noch gut schlafen?

Wer eine derartig große Verantwortung hat, trägt immer auch ein gewisses Risiko mit, dass etwas schief gehen kann. Fehler passieren – auf der Piste wie im Unternehmen. Wichtig ist allerdings sie genau zu analysieren und künftig zu vermeiden. Manchmal sind Fehler und kleinere Katastrophen auch Glücksfälle. Oft helfen sie dabei, alte eingefahrene Strukturen aufzureißen, um danach erst modern und erfolgreich zu werden.

Gehen Sie dem Skifahren also konsequenterweise jetzt aus dem Weg?

Glücklicherweise nein. Vor sieben Jahren hatte ich echte gesundheitliche Probleme und stand kurz vor der Entscheidung, mir ein künstliches Kniegelenk einsetzen zu lassen. Durch einen neuen Therapieansatz, der besonders die Kapillardurchblutung ankurbelt, habe ich das in den Griff bekommen und kann nun wieder schmerzfrei Sport betreiben und Ski fahren. Mit dieser Methode hat übrigens auch der spätere Olympiasieger im Speerwurf Thomas Röhler im letzten Jahr vier Wochen vor den Olympischen Spielen eine Muskelverletzung erfolgreich behandelt. Etwas Glück gehört eben immer auch mit dazu.

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