Internet Explorer 9 – Fit fürs Business?

Feature | 5. April 2011 von Christiane Stagge 0

Das neue Release vom Internet Explorer ist seit kurzem erhältlich. (Grafik: Microsoft)

Der IE9 bietet mehr Funktionen und will die Konkurrenz hinter sich lassen. (Grafik: Microsoft)

Schneller, übersichtlicher, vielseitiger – mit dem Internet Explorer 9 will Microsoft andere Browser wie  Google Chrome und Mozilla Firefox hinter sich lassen.

In der Tat punktet die neue Version mit einigen neuen Funktionen, die sich von der Konkurrenz abheben: Der Internet Explorer 9 unterstützt Multicore-CPUs und nutzt GPU-Beschleunigung durch die Grafikkarte. Dadurch benötigt der Browser weniger Strom und läuft schneller als seine Vorgängerversionen. Von der GPU-Beschleunigung profitieren vor allem Videos und Podcasts, da die Inhalte nicht mehr über Plug-Ins über die CPU berechnet werden. Die neue Javascript Engine „Chakra“ sorgt ebenfalls dafür, dass der Browser schneller läuft. In Benchmarktests ist der IE 9 deshalb deutlich vor Chrome und Firefox.

Der Internet Explorer 9 ist im neuen Internetzeitalter angekommen: Der Browser unterstützt HTML5, SVG, CSS3 und DOM. Webseiten, die auf HTML5- und CSS3-Basis gestaltet sind, passen sich in ihrem Layout dynamisch an das Gerät an, auf dem sie angezeigt werden – wie beispielsweise Smartphone, Notebook oder Desktop-PC.

Mit dem IE9 ist Microsoft früh in die Betaphase gegangen, um genügend Feedback von den Usern zu erhalten. Seit Mitte März ist die finale Version erhältlich. Allerdings gibt es eine kleine, aber nicht unerhebliche Einschränkung: Auf Grund der höheren Performance läuft der IE 9 nicht mehr unter Windows XP, sondern nur noch in den neueren Versionen des Betriebssystems, sprich Windows Vista und Windows 7.

Für Windows Vista gibt es den IE 9 in der 32 Bit-Variante, für Windows 7 zusätzlich noch in der 64 Bit-Version. Das Problem: Viele Firmen haben noch Windows XP im Einsatz und sind deshalb auf den Internet Explorer 8 beschränkt. Lohnt sich der Browserwechsel? Lohnt sich gar ein Umstieg auf Windows 7?

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Häufig besuchte Webseiten lassen sich direkt über die Desktopoberläche öffnen. (Screenshot: Microsoft)

Häufig besuchte Webseiten werden beim Öffnen eines neuen Tabs (Strg. + T) angezeigt. (Screenshot: Microsoft)

Bedienung

Gleich beim Start fällt die abgespeckte Bedienoberfläche auf. Die Anzahl der Schaltflächen ist auf das nötigste beschränkt. Sichtbar sind nur noch die Vor- und Zurück-Buttons, das Adress-Eingabefeld sowie die Menüpunkte „Startseite“, „Favoriten“ und „Optionen“. Die Menü-, Favoriten- und Statusleiste sind nicht mehr sichtbar, lassen sich jedoch manuell aktivieren beziehungsweise kurz einblenden, indem man kurz die Taste „Alt“ drückt.

Praktisch und nur für Windows 7: Favoritenwebseiten lassen sich direkt an der Taskleiste fixieren – einfach den gewünschten Tab mit gedrückter linker Maustaste auf der Taskleiste ablegen und warten, bis das Webseiten-Icon erscheint. Über Thumbnails, einem Mini-Fenster, erhält der Nutzer eine kleine Vorschau auf die Webseite. Ein besonderer Service für alle Facebook-Fans: Eine kleine rote Zahl leuchtet in der oberen Ecke auf, sobald eine neue Nachricht eingetroffen ist.

Dass im Browser mehrere Tabs nebeneinander geöffnet werden, ist nicht neu. Mit dieser Funktion sind auch Firefox und Chrome ausgestattet. Microsoft setzt mit dem IE9 jedoch noch eins drauf: Die Tabs sind nicht mehr starr im Browserfenster gefangen. Der Nutzer kann sie jetzt dynamisch anordnen. Die Tabs lassen sich an unterschiedliche Stellen des Desktops ziehen. So können Anwender auch zwei Webseiten nebeneinander legen und miteinander vergleichen ohne dafür erst ein neues Browserfenster öffnen zu müssen.

Ganz privat: InPrivate-Modus verhindert das Speichern und Nachverfolgen von Surfdaten. (Screenshot: Microsoft)

Ganz privat: InPrivate-Modus verhindert das Speichern und Nachverfolgen von Surfdaten. (Screenshot: Microsoft)

Sicherheit

Der Sicherheitsaspekt eines Browser ist gerade für Firmen besonders wichtig. Wenn sich während des Surfens Trojaner, Viren oder andere Malware ins Firmennetzwerk einschleusen, hat das verheerende Folgen.

Was die Sicherheit angeht, hat Microsoft immer noch deutlich die Nase vorn. Das NSS Labs stufte den Internet Explorer als sichersten Browser ein. Mit keinem anderen Browser sind Nutzer besser geschützt, denn der IE9 bietet zahlreiche Sicherheitsfunktionen.

Die SmartScreen-Filter-Technologie warnt vor potenziell gefährlichen Downloads: Sie erkennt, wie lange eine zum Download verfügbare Datei bereits im Internet ist und ob diese schon auf ihr Gefahrenpotenzial überprüft wurde. Ist der Download bereits als gefährlich eingestuft, gibt der SmartScreen-Filter eine Warnmeldung ab. Die SmartScreen Application Reputation sendet zudem die Dateikennung des gefährlich eingestuften Downloads an den Sicherheitsdienst von Microsoft.

Zusätzlich überprüft der URL-Filter sämtliche besuchte Webseiten anhand einer Liste von gemeldeten Pishingwebseiten. Der Filter gleicht die IP-Adresse ab und schickt über eine SSL-Verbindung die Informationen an Microsoft. Anschließend werden alle Webseiten blockiert, die von Microsoft als gefährlich eingestuft wurden.

Der Download-Manager blockiert zudem Downloads von Pishing-Webseiten. Im Download-Manager werden sämtliche Downloads an einer zentralen Stelle überwacht. Praktisch: Der Download wird an der Stelle fortgesetzt, an der er unterbrochen wurde.

Mit der Tracking Protection-Funktion können Admins verhindern, dass Webseiten Informationen wie Suchbegriffe oder abgeschlossene Online-Käufe speichern und diese Informationen nachverfolgt werden können. Mit der „Do-Not-Track“-Funktion können Admins gezielt Webnetzwerke ausschalten, die das Surfverhalten protokollieren und Surfdaten speichern.

Im InPrivate-Modus können Nutzer vollkommen privat surfen. Er sorgt dafür, dass keinerlei Daten, Verläufe, temporäre Dateien oder Cookies auf dem PC gespeichert werden. Den InPrivate-Modus kann der Nutzer aktivieren, indem er gleichzeitig die Steuerungstaste (Strg.) und die Umschalttaste drückt und anschließend die Taste „P“ betätigt.

Der ActiveX-Filter ist im neuen Release des Internet Explorer mit erweiterten Funktionen ausgestattet. Admins haben eine vielfältigere Entscheidungsfreiheit darin, welche ActiveX-Elemente aufgerufen werden sollen und welche nicht.

Im Tracking-Schutz-Modus können Admins ganze Webseiten blockieren. (Screenshot: Microsoft)

Im Tracking-Schutz-Modus können Admins ganze Webseiten blockieren. (Screenshot: Microsoft)

Internet Explorer 9 im Business – lohnt sich der Umstieg?

Der Internet Explorer ist der am häufigsten benutzte Browser. In China liegt sein Marktanteil sogar bei 90 Prozent.

Viele Unternehmen haben aber noch Windows XP im Einsatz. Der IE9 funktioniert jedoch nur unter Windows Vista und Windows 7.

Lohnt sich der Browserwechsel beziehungsweise ein Umstieg auf neue Betriebssystemversionen?

Punkten kann der IE9 deutlich mit seiner Geschwindigkeit. Doch mit dem Browser lässt sich nicht nur schneller surfen, auch die Installation geht deutlich schneller. Admins haben  die Möglichkeit, mehr als 1500 verschiedene Gruppenrichtlinien einzurichten. Diese Richtlinien verhindern beispielsweise, dass der Nutzer unerlaubt Sicherheitsfunktionen wie den SmartScreen-Filter ausschaltet.

Ob Trackingschutz, SmartScreen-Filter oder ActiveX-Bremse: Kein Browser bietet mehr Sicherheitsfunktionen. Admins können zudem sämtliche Security-Features vorkonfigurieren.

Da der IE9 eine stark abgespeckte Bedienoberfläche hat, gibt es kaum Add-ons. Diese kann man aber unter www.ieaddons.com/de herunterladen.

Wer Windows 7 im Einsatz hat und die 64-Bit-Variante des IE9 einsetzen möchte, sollte sich dies nocheinmal überlegen. Die 64-Bit-Variante ist nämlich deutlich langsamer als die 32-Bit-Version, weil diese noch nicht mit der Javacript-Engine „Chakra“ ausgestattet ist.

Wer beim IE8 bleiben möchte sollte aufpassen, dass der IE9 nicht beim Windows-Update automatisch mit eingespielt wird. Um dies zu verhindern, gibt es ein IE9 Blocker Toolkit. Wer zum Update WSUS oder Systems Management Server einsetzt, benötigt dieses Toolkit nicht.

IE9 Installation: Das müssen Sie beachten

Firmen, die sich mit dem Gedanken tragen, den IE9 zu installieren, sollten sich das Internet Explorer Administration Kit (IEAK) herunterladen. Admins können mit Hilfe dieses Tools Anpassungen vornehmen, wie beispielsweise das Firmenlogo integrieren oder verschiedene Einstellungen vornehmen.

Werden alle Webseiten richtig angezeigt? Funktioniert das Intranet? Gibt es Probleme mit dem CMS? Testen lässt sich dies mit dem Application Compatibility Toolkit.Das Microsoft Assessment and Planning Toolkit liefert alle wichtigen Informationen, auf wievielen PCs der IE9 installiert ist und wieviel ActiveX-Controls es gibt.

Laufen SAP-Anwendungen auch mit dem IE9? Laut SDN wird das neue Browserrelelase von SAP derzeit noch nicht unterstützt. Einige Anwender, die sich die Betaversion des IE9 heruntergeladen hatten, berichteten von Problemen mit der SAP GUI 7.20. Inhalte konnten nach der Installation nicht mehr richtig dargetsellt werden.

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3 comments

  1. Anonymous

    Ab Patch-Level 5 ist SAP GUI for Windows 7.20 für die endgültige Version von Internet Explorer 9 freigegeben, die von Microsoft im März 2011 veröffentlicht wurde.
    Bitte beachten Sie, dass die von Microsoft im Februar 2011 veröffentlichte RC-Version (Release Candidate) einen schwerwiegenden Programmfehler enthält, der SAP GUI beim Aufruf eines HTML-Controls zum Absturz bringt. Aus diesem Grund darf diese Version nicht verwendet werden. Wenn Sie also die RC-Version verwenden, führen Sie bitte ein Update auf die endgültige Version von Internet Explorer 9 durch.

  2. Anonymous

    Wir haben den IE 9 unter SAP ByD 2.5 getestet. Er läuft im Moment ohne wesentliche Beanstandung. Lediglich bei der Überprüfung der Computereinstellungen im WC Selfservice bleibt ByD im Zusammenhang mit JAVA hängen. Hat man diese jedoch vorher manuell mit den Erfahrungen aus dem Zusammenspiel mit dem IE 8 korrekt vorgenommen, so scheint es problemlos zu funktionieren. Das Antwortverhalten von ByD wird von den Usern als performanter empfunden. Inwiefern dies der geringeren Anzahl von PlugIns geschuldet ist, konnten wir noch nicht testen..

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