Mit RFID zur Real-World-Awareness (Teil 2)

Feature | 27. Juni 2005 von admin 0

Teil 1
Für die Verbindung von SAP Software über SAP Exchange Infrastructure liefert SAP entsprechende Voreinstellungen als so genannten XI-Content. Für die Verbindung von SAP Auto-ID Infrastructure 2.1 mit Backends von SAP sind dies XI-Contents zum Anschluss von:

  • SAP R/3 4.6c, SAP R/3 Enterprise Extension Set 2.0 oder mySAP ERP 2004
  • SAP Supply Chain Management 4.1
  • SAP AII 2.1

Der von SAP vorbereitete XI-Content bezüglich RFID basiert auf Szenarien. So orientiert sich das Standard-Szenario “RFID-Enabled Outbound Processing” beispielsweise an den wichtigsten Prozessschritten, die die Lieferanten großer Abnehmer mit RFID-Funktionalität ausstatten müssen. Insbesondere umfasst diese Liste die folgenden Punkte:

  • Ausstattung der Paletten und Verpackungseinheiten mit RFID-Etiketten, die es zumindest erlauben, das jeweilige Exemplar eindeutig zu identifizieren
  • Mitverfolgen, welche Verpackungseinheit auf welche Palette gepackt wird
  • Buchen des Warenausgangs für jede Palette samt ihres Inhalts, sobald die Sensoren die Verladung melden

Darüber hinaus unterstützt SAP AII 2.1 SP2 den Wareneingang mit RFID beim Abnehmer. . Im Idealfall erhält der Abnehmer ein Lieferavis, in dem bereits alle EPCs der Paletten und Kartons einer Lieferung verzeichnet sind. Das erleichtert ihm die Wareneingangsprüfung. Dass die Prozesse solcherart auf RFID zugeschnitten sind, spiegelt sich im Gegenzug auch in der Gestaltung der Nachrichten wieder.

Produkte und Nummernkreise

Die Identifizierung von Paletten oder Kartons ist oft Produkt-bezogen. Werden die RFID-Chips solcher Gebinde erstellt, enthalten sie auch die Identifikationsnummer, die das Produkt verschlüsselt. Aus diesem Grund muss SAP Auto-ID Infrastructure nicht nur die wichtigsten Produktdaten vorrätig haben, sondern zur Erstellung der RFID-Etiketten auch einen Ausschnitt aus dem Nummernkreis für die Identifikation. Der komplette Nummernkreis wird jedoch im ERP-Backend verwaltet. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass mehrere SAP-AII-Systeme ohne Überschneidungen mit Ausschnitten des Nummernkreises versorgt sind. Hat eines dieser SAP-AII-Systeme den zugeteilten Ausschnitt aus dem Nummernkreis verbraucht, muss es beim ERP-Backend einen neuen anfordern.

Daten der Lieferung und erwartete Aktion

SAP Auto-ID Infrastructure synchronisiert die Daten zur Lieferung aus SAP R/3 mit dem tatsächlichen, physischen Geschehen. Handelt es sich um geplante Ereignisse, etwa das Verpacken von Kartons auf Paletten, so gibt SAP R/3 die Information über den geplanten Vorgang inklusive des Lieferungsbezuges an SAP AII weiter. SAP Auto-ID Infrastructure verfolgt den Verpackungsvorgang und meldet Erfolg oder Misserfolg sowie die Identifikationsnummern der verknüpften Verpackungseinheiten zurück.
Im Falle des Warenausgangs erfolgt die Kommunikation analog. Der geplante Warenausgang wird von SAP R/3 an SAP AII geschickt, das Ergebnis wird von dort an das ERP-Backend zurückgemeldet.

Ereignisgenerierung für SAP Event Management

SAP Auto-ID Infrastructure ist auch in der Lage, Ereignisse an das Supply Chain Event Management (SCEM) innerhalb SAP SCM 4.1 zu melden. Im Gefüge der RFID-Szenarien übernimmt diese Anwendung das betriebs- und firmenübergreifende Event-Management, das sich ganz an den Geschäftsprozessen orientiert.

Lieferavis

Ein Abnehmer soll nicht nur über die zu erwartende Lieferung, sondern auch über die Identifikationsnummern der Verpackungseinheiten informiert werden. Unter den bereits seit längerem definierten IDocs von SAP existiert auch ein Lieferavis. Eine neue Variante enthält zusätzlich eine Liste von EPCs zur Lieferung.
Darauf aufbauend kann ein mit SAP Software ausgestatteter Abnehmer das Lieferavis zur Anlage einer Anlieferung im ERP und zur Überprüfung der eingegangenen Paletten im SAP AII 2.1 nutzen.

Routing und Mapping

Datenfluss

Datenfluss

Alle Informationen, die zwischen SAP Auto-ID Infrastructure und den ERP-Backends fließen, werden über SAP Exchange Infrastructure ausgetauscht. Dadurch ist es beispielsweise möglich, Dateninhalte eines Nicht-SAP-Systems, die einer Auslieferung aus SAP R/3 entsprechen, ebenfalls mit SAP Auto-ID Infrastructure auszutauschen. Zu diesem Zweck müssen entsprechende Interface-Beschreibungen sowie Mapping- und Routing-Anweisungen in SAP Exchange Infrastructure hinterlegt sein.
Die Nachrichten, die SAP R/3, mySAP ERP oder SAP Supply Chain Management gemäß des Szenarios “RFID-Enabled Outbound Processing” versenden oder empfangen, sind im IDoc-Format. SAP AII hingegen versendet und empfängt XMLs, wobei die Inhalte jedoch den Inhalten der IDocs entsprechen. SAP Exchange Infrastructure übernimmt die Transformation.
Je nach Anzahl der zu verarbeitenden Verpackungseinheiten hat SAP Auto-ID Infrastructure unter Umständen in kurzer Zeit riesige Datenmengen zu verarbeiten. Daher bietet es sich an, SAP AII in den Betriebsstätten eines Unternehmens zu installieren. Selbst bei ansonsten zentral gehaltener IT werden in größeren Unternehmen mehrere SAP-AII-Installationen für einzelne oder mehrere Betriebsstätten zuständig sein. In diesen Fällen ist es auch erforderlich, mehrere SAP-AII-Installationen mit der Backend-Lösung zu verknüpfen. Nachrichten vom Backend müssen dann auch den richtigen SAP-AII-Empfänger erreichen. Das hierzu notwendige Routing übernimmt SAP Exchange Infrastructure.
Es ist auch möglich, dass der Empfänger einer Nachricht nicht über eine Adressierung im Nachrichten-Header, sondern in Abhängigkeit des Inhaltes der Nachricht von der SAP Exchange Infrastructure ermittelt wird.

Anbindung einer Nicht-SAP-Lösung

SAP XI 3.0 bietet ein Prozess-Management an, in dem Nachrichten einen vom Kunden eingestellten Prozess der Bearbeitung durchlaufen. Abhängig vom Ergebnis einzelner Bearbeitungsschritte werden weitere Aktionen durchgeführt. Damit eröffnet die Verwendung von SAP Exchange Infrastructure bei der Kommunikation zwischen SAP Auto-ID Infrastructure und ERP-Lösungen alle Möglichkeiten, auch Fremdsysteme mit RFID-Fähigkeiten auszustatten und neue Prozessvarianten zu integrieren.
Sollen die Auslieferungs-Prozessschritte “Packen” und “Laden” analog zu dem beschriebenen Outbound-Szenario an ein Nicht-SAP-Backend angebunden werden, ergeben sich für SAP Exchange Infrastructure grob folgende Schritte:

  • <sum> Backend-System im System Landscape Directory eintragen. Das System Landscape Directory enthält sowohl Informationen über die vorhandenen Softwareprodukte als auch die Beschreibung der installierten Systemlandschaft. Diese Informationen werden unter anderem von den Komponenten der SAP Exchange Infrastructure genutzt.
  • Neues Nachrichtenformat im Integration Repository definieren. Es stehen Adapter zur Verfügung, um unterschiedlichste Formate zu integrieren.
  • Mapping zu den Nachrichten der SAP Auto-ID Infrastructure im Integration Repository definieren. Zur Unterstützung des Anwenders bei der Definition steht unter anderem ein graphisches Mapping-Werkzeug zur Verfügung.
  • Routing im Integration Directory einstellen.

Uwe Schäfer

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