Mit Software Leben retten

Feature | 28. November 2008 von Vasco Alexander Schmidt, SAP AG 0

Krisenfeste Kommunikation Bei Katastrophenfällen ist die optimale Kommunikation zwischen allen Beteiligten entscheidend. Hier setzt das Forschungsprojekt SoKNOS an.

Mit einem Festakt am Standort Darmstadt eröffnete Henning Kagermann, SAP-Vorstandssprecher, am 19. November 2008 das dritte Living Lab seines Unternehmens. Die Living Labs sind Forschungslabore, die SAP-Forschern, Partnern und zukünftigen Anwendern die Chance geben, gemeinsam mit neuen Technologien zu experimentieren und auf diese Weise schneller zukunftsweisende Innovationen zu entwickeln.

Europaweit gibt es über 50 solcher Labore, zwei davon betreibt SAP: die Future Factory in Dresden und das Future Retail Center in Regensdorf (Schweiz).

Living Lab für öffentliche Sicherheit

Das neu eröffnete Living Lab in Darmstadt greift mit dem Thema öffentliche Sicherheit ein hochaktuelles und brisantes Thema für die IT-Forschung auf. Experten rechnen weltweit mit einer Zunahme von Katastrophen und Krisen – sowohl was die Häufigkeit als auch die Intensität angeht. Über das bestehende Portfolio hinaus sollen durch diese langfristigen Forschungsaktivitäten die Anforderungen von Übermorgen Eingang in die Lösungen von Morgen finden.

„Wir freuen uns, dass die SAP ein solches Living Lab speziell dem Thema öffentliche Sicherheit widmet“, sagte Andreas Storm, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bei der Eröffnung. „Sicherheit und Technik bergen große Potentiale und Chancen für Deutschland“, erklärte er und erinnerte an das Tsunami-Frühwarnsystem, das nach der verheerenden Flutkatastrophe in Asien unter großer deutscher Beteiligung entwickelt und unlängst in Betrieb genommen wurde. Das Future Public Security Center von SAP nannte Storm „ein weiteres Projekt der Exzellenz“.

Projekt SoKNOS vernetzt Einsatzkräfte


Bereits seit einigen Jahren forscht SAP auf Basis bestehender Softwarelösungen im Bereich öffentliche Sicherheit. Bei der Living-Lab-Eröffnung stand das vom BMBF geförderte Projekt SoKNOS (serviceorientierte Architekturen zur Unterstützung von Netzwerken im Rahmen öffentlicher Sicherheit) im Mittelpunkt, das von SAP seit 2007 geleitet wird und gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Forschungseinrichtungen und Anwendern aus Feuerwehr und Polizei durchgeführt wird. Das Projekt wird bis 2009 eine IT-basierte Plattform entwickeln, um Einsatzkräfte, Führungsstäbe und andere Akteure in Katastrophenfällen besser zu vernetzen.

„Bei Katastrophen muss man sich schnell einen Überblick über die Lage verschaffen“, so Henning Kagermann. „Alle verfügbaren Daten müssen zusammengebracht und die zuständigen Experten miteinander vernetzt werden – das geht nur mit modernster Informationstechnik.“ Als Weltmarktführer für Unternehmenssoftware könne SAP jahrzehntelange Erfahrung bei der Standardisierung von Prozessen ebenso einbringen wie die Innovationsführerschaft für eine serviceorientierte Softwarearchitektur, die die Vernetzung verschiedener IT-Infrastrukturen ermöglicht. Mit dem Know-how aus bereits laufenden Kundenprojekten sei SAP damit ein natürlicher Partner zur weiteren Verbesserung der öffentlichen Sicherheit durch IT.

Dass die Vernetzung bisher noch eine große Herausforderung für Einsatzkräfte bei Katastrophen ist, wurde bei der Präsentation der ersten SoKNOS-Ergebnisse deutlich, die Projektleiter Thomas Ziegert von SAP Research gemeinsam mit Sabina Kaczmarek, Leiterin Forschungsprojekte bei der Berliner Feuerwehr, und Benno Fritzen, leitender Branddirektor der Feuerwehr Münster, zeigte.

Sie simulierten das Geschehen in der Einsatzzentrale bei einer Überflutung am Beispiel Köln und erklärten, wie eine moderne IT-Infrastruktur den Führungsstäben helfen kann, schnell und fundiert über Einsätze zu entscheiden. Wo bei der Feuerwehr heute noch Magnettafeln im Einsatz sind, steht im Living Lab von SAP ein wandgroßer Touchscreen, der aktuell und übersichtlich alle Informationen über das Schadensereignis bereitstellt.

Living Lab ermöglicht aktive Einflussnahme

Die Präsentation bewies auch, dass das Konzept der Living Labs für das Thema Katastrophenschutz besonders attraktiv ist: Die späteren Anwender testen hier nicht etwa fertige Prototypen, sondern können die Erstellung der Prototypen bereits in einer ganz frühen Phase des Projekts aktiv beeinflussen. Endanwender werden so zu gleichberechtigten Partnern in der Forschung. Ein wichtiger Aspekt, gerade bei sicherheitskritischen Anwendungen.

Schon heute besitzen Feuerwehren, Polizei, Technisches Hilfswerk sowie Krankenhäuser Softwarelösungen zur Ressourcen- und Einsatzplanung. Deren Daten sind untereinander jedoch häufig nicht kompatibel. Sabina Kaczmarek von der Berliner Feuerwehr erinnerte daran, dass bei Katastrophen wie Überschwemmungen meist eine Informationsflut einsetzt, bei der ein so genannter „Sichter“ zunächst die wesentlichen Informationen erkennen und allen Akteuren schnell zur Verfügung stellen muss. Dies geschieht heute weitgehend manuell, mit Hilfe von Telefon und E-Mail. Hier möchte SoKNOS mit semantischen Technologien und neuartigen Benutzungsschnittstellen eine höhere Automatisierung und Benutzerfreundlichkeit erreichen.

„Unsere Forschungsergebnisse werden dazu beitragen, Leben zu schützen und zu retten“, ist sich Thomas Ziegert sicher. Insgesamt arbeiten fast 70 Mitarbeiter an dem Projekt, das auf 2,5 Jahre angelegt ist, 30 davon stellt SAP. Der Standort Darmstadt verfügt über große Expertise in den Bereichen Multimedia und Kommunikation sowie Mensch-Computer-Interaktion. Neben SAP Research und dem neu eröffneten Living Lab engagiert sich auch die Technische Universität der Stadt.

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