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Wie der Mittelstand zur Cloud kommt

Feature | 17. Oktober 2017 von Andreas Schmitz 4

Ob GRISARD-Gruppe, KACO New Energy oder die Bühler Group: Ein Mix aus on-premise- und Cloud-Systemen prägt die IT-Strategie. Die Cloud gehört dazu, wo es Sinn macht.

Mal ist es das schnelllebige Geschäft, dann ein pures Rechenexempel und oft auch ein Ressourcenthema: Nach dem aktuellen Cloud-Monitor 2017 von KPMG und Bitkom holt der Mittelstand derzeit enorm auf, wenn es darum geht, Cloud Computing einzusetzen. Nach 41 Prozent im Jahr 2014 setzten im vergangenen Jahr bereits 64 Prozent der Unternehmen in Deutschland auf Cloud-Technologien. Damit hinkt der Mittelstand nur noch wenig hinter Konzernen hinterher. Der Schweizer Mobilitätsdienstleister GRISARD hat in einem Geschäftsbereich sein on-premise-ERP abgelöst und durch ein Cloud-ERP ersetzt. Das Unternehmen KACO New Energy, Hersteller von Stromrichtern für erneuerbare Energien, entwickelt derzeit ein Unternehmensportal, in dem Cloud-Services eine besondere Rolle spielen. Und die Bühler Group, ein Technologiekonzern aus der Schweiz, bindet kleine Tochtereinheiten über ERP in der Cloud ein.

GRISARD-Gruppe: Fast die Hälfte der IT-Kosten eingespart

Markus Peier war noch nie der Mann, der gerne die IT bei sich behält. Den Betrieb seines ERP-Systems hatte der Leiter IT und Prozesse beim Schweizer Familienunternehmen GRISARD, das seit 1917 für die Mobilität in der Schweiz mitverantwortlich ist, schon seit Jahren ausgelagert. Doch dann kündigte der Flughafen Zürich den Hosting-Vertrag und forderte Peier auf, innerhalb von drei bis vier Monaten die Systeme umzuziehen – wohin auch immer. „Wir mussten prüfen, mit wem wir uns zusammentun“, erläutert Peier, der – verwundert und genervt von der kurzfristigen Entscheidung – danach in ein von Bechtle gemietetes Rechenzentrum wechselt. Doch war klar, dass das nur eine kurzfristige Lösung sein konnte. „Nicht nur der Umzug war teuer“, erläutert Peier, der für die IT im 80 Mitarbeiter starken Unternehmen zuständig ist. „Auch das ERP war mit SAP R/3 in die Jahre gekommen“, erinnert sich Peier an Ende 2015. Die Entscheidung reifte, das ERP zunächst für die prosperierende Bauproduktesparte des Unternehmens anders aufzusetzen. Ein Pflichtenheft entstand, das sämtliche komplizierten Schnittstellen enthielt – bis hin zu jenen für die Asphaltmischanlagen von Ammann und die Bitumenherstellungsanlage von Benninghoven. Doch eigentlich war schon klar, dass Peier nicht eine „Heerschar von Mitarbeitern“ damit beschäftigen wollte, neue Systeme zu testen. Die Entscheidung fiel für das Cloud-ERP für den Mittelstand von SAP, SAP Business ByDesign. „Die neuen Releases machen uns keine Arbeit mehr, sondern werden direkt aufgespielt, und ich bezahle nur für die Funktionen, die ich benötige“, erläutert Peier. Und: Die Anwendung läuft im SAP-Rechenzentrum – ohne die Gefahr kurzfristiger Kündigungen. Statt der damals fünf Mitarbeiter in der IT hat Peier heute nur noch „2,4“, also sich selber, einen Kollegen und einen Studenten zur Aushilfe. Die Netzwerke werden von Sunrise betreut und sowohl Office 365 von Microsoft und seit dem 1. April 2016 auch SAP Business ByDesign laufen in der Cloud. Über die letzten sechs bis sieben Jahre, so schätzt Peier, hat Grisard durch die Outsourcing- und Cloud-Politik 40 bis 50 Prozent der damaligen IT-Kosten eingespart.

KACO New Energy: Ein halbes Jahr Zeit für IT-Infrastruktur

Roland Nowak war noch nicht lange im Unternehmen und schon kam dieser neue Auftrag. KACO New Energy hatte Anfang 2013 eine Ausschreibung für ein Photovoltaik-Kraftwerk in St. Antonio in Texas gewonnen. Die Infrastruktur des heute 600 Mitarbeiter „starken“ Unternehmens KACO New Energy bestand in den USA jedoch gerade einmal aus einem Vertriebsteam an der Westküste. Eine wesentliche Anforderung an das Projekt war der Aufbau einer Produktion vor Ort. Innerhalb weniger Monate müsste also eine Produktionsstätte von Null an aufgebaut sein. „Eine IT-Infrastruktur musste her – und zwar schnell“, sagt Nowak. Die Warenwirtschaft und Finanzprozesse vor Ort waren nicht reif genug, Personal gab es so gut wie gar nicht. „Ein klassischer Rollout kam also nicht in Frage“, so Nowak. Was also tun? Nach seinem kurzen Motto „TSC“ (transparency, speed, cost) entschied sich Nowak nach einer intensiven Sitzung mit COO Volker Heuser dafür, Landesgesellschaften wie jene in den USA über SAP Business ByDesign an das SAP ERP ECC in Neckarsulm in Deutschland anzubinden. Gleichzeitig zur Remote-Implementierung der Software entwickelte KACO New Energy eine Produktionslinie in Neckarsulm und schickte sie nach Übersee, um sie dort in der neuen Produktionsstätte zu implementieren. „Vertrieb, Sales, Einkauf und Finanzen liefen ab Mai“, erinnert sich Nowak. Die Produktion startete im August. „Diese Geschwindigkeit lässt sich nur mit Cloud-Software umsetzen“, ist Nowak überzeugt, der inzwischen neue Landesgesellschaften zu 80 Prozent automatisch anbinden kann. Ein End-to-End-Datenmanagement, das im Zuge der hybriden Strategie entstanden ist, sowie die Erfahrung durch die Implementierungen von SAP-Cloud-Produkten haben mit dazu beigetragen, dass das möglich wurde. Das nächste Ziel ist, in 2018 mit myKACO.com eine Serviceplattform zu schaffen und die Cloud-Systeme wie SAP Hybris (für Service und Kundenmanagement) und SAP Business ByDesign mit dem on-premise-SAP-ERP als „Inner Core“ in einem hybriden IT-Eco-System zu vereinen.

Bühler Group: Cloud ist on-premise ebenbürtig

Für Vidor Kapy ist die hybride IT-Struktur selbstverständlich geworden. „Hochstandardisierte Themen können in der Cloud betrieben werden“, sagt der Head of Application and Technology Management der Bühler Group aus der Schweiz. Spezifische Themen jedoch, durch die sich die Bühler Group von der Konkurrenz abheben kann und für die selbst entwickelte Programme nötig werden, basieren hingegen nicht auf Cloud-Technologie. Besonders die „Hauptwertschöpfungskette“ bildet der Engineering-Dienstleisters nicht in der Cloud ab, doch für Nebenprozesse wie etwa das Employee Performance Management im HR-Bereich oder das Content-Management-System für das Intranet ist es keine Frage, ob die Technologie Cloud-basiert ist oder nicht. „Man muss sich sehr genau anschauen, welche Prozesse bereits in der Cloud abzubilden sind und welche nicht“, rät Kapy. So setzen beispielsweise einige asiatische Gesellschaften der Bühler Group SAP Business ByDesign ein, auch wenn die Bühler Group mit über zwei Milliarden Euro Umsatz kaum noch zum Mittelstand zählt. Der Grund liegt für Kapy darin, dass ein ERP-Rollout für Gesellschaften zu aufwändig wäre, die nicht mehr als drei Millionen Euro Umsatz machen und in denen nicht mehr als fünf Mitarbeiter SAP nutzen. Also kommt für Finanz-, Lager- und Bestellprozesse in Jakarta, Manila und Bangkok nun das Cloud-ERP zum Einsatz. „Nur für Fertigungsprozesse lässt sich diese ERP-Cloud bei uns noch nicht nutzen“, meint Kapy, der über neue IT-Lösungen immer individuell entscheidet. Und dann gehen wieder on-premise- und Cloud-Lösungen an den Start.

Weitere Informationen:

SAP-Software für den Mittelstand auf einen Blick

SAP Business One

SAP Business ByDesign

SAP S/4HANA Cloud

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