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Mittelstand: Die Trends für 2016

8. Februar 2016 von Andreas Schmitz 5

Mehr Umsatz 2015, geplante Investitionen und Neueinstellungen 2016: Dem Mittelstand in Deutschland geht es gut. Viele Mittelständler sehen Chancen durch Digitalisierung. Auf die Agenda gehört auch das Thema Cybersicherheit.

„Mit der #Digitalisierung ist es wie mit der #Steuerklärung – immer ist etwas anderes wichtiger“, tweetet Diana Scholl. Die Referentin für Bildung und Digitales beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) meint damit das Verhalten vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen, sich noch zu wenig oder gar nicht mit der Digitalisierung zu beschäftigen. „Von Rauchzeichen bis zu Industrie 4.0 reicht das Spektrum im Mittelstand“, so Scholl, wobei Unternehmen die Ausnahme seien, die bereits reif für Industrie 4.0 sind. Vor allem Unwissenheit und Unverständnis begünstigen ihrer Ansicht nach die vorherrschende Angst vor der Digitalisierung. Dabei kann der Mittelstand in Hinsicht auf die geschäftliche Entwicklung gerade offenbar nicht klagen, so Ergebnisse der Unternehmerumfrage 2015/2016 des BVMW.

1. Mittelstand investiert mehr

Die Hälfte der über 2.400 befragten Inhaber mittelständischer Unternehmen geben an, im letzten Geschäftsjahr mehr Umsatz gemacht zu haben, 38 Prozent glauben an eine bessere Geschäftslage für 2016. Diese Zahlen liegen nahe an den Vorjahreszahlen. Entschieden verbessert hat sich die Investitionsbereitschaft. Über 34 Prozent der Befragten will mehr investieren als im Vorjahr, fünf Prozent mehr als in der Umfrage aus dem Vorjahr. In mehr als jedem dritten Unternehmen (39 Prozent) wird es Neueinstellungen geben, während nur in jedem zwanzigsten Unternehmen Arbeitsplätze abgebaut werden. Einziger Dämpfer ist die neue Skepsis in Hinsicht auf die Entwicklung des Exportgeschäfts. Während in der letzten Umfrage noch mehr als jedes dritte Unternehmen ein steigendes Exportgeschäft erwartet hat, sind es aktuell nur noch 12 Prozent. Der Grund hierfür liegt mit darin, dass das Geschäft mit russischen Unternehmen gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent zurückgegangen ist.

2. Die Digitalisierung ist in Lauerstellung

Trotz steigender Investitionsbereitschaft stehen Mittelständler der Digitalisierung abwartend gegenüber. Erstmals hat das BVMW seine Mitglieder zu diesem Thema befragt. Demnach ist etwa die Hälfte der Mittelständler davon überzeugt, dass sie neue Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung ihrer Prozesse entwickeln und die Digitalisierung sich positiv auf den Betrieb und seine geschäftliche Situation auswirken wird. Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass eine große Fraktion im Mittelstand derzeit noch unentschlossen ist. „Das ist nicht überraschend“, kommentiert Digitalisierungs-Expertin Scholl, „es ist mittelstandstypisch, schrittweise und vorsichtig vorzugehen.“ Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Wirtschaftsprüfungshaus PwC zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sein Mittelstandspanel zum Thema Digitalisierung im Mittelstand und fragte auch nach den Entwicklungschancen der Digitalisierung. Knapp Dreiviertel der Befragten ging davon aus, dass die Analyse großer Datenmengen – Big Data – in fünf Jahren wichtig oder sehr wichtig sein wird. Die meisten Befragten sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung dazu beiträgt, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und Umsatzwachstum zu erzielen. Wie schon in der BVMW-Umfrage herrscht bei den Befragten auch hier Skepsis in Hinsicht auf die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Knapp 29 Prozent glauben nicht daran, fast ein Viertel der Befragten hält die Digitalisierung gar für irrelevant. In der Umfrage des BVMW gehen elf Prozent der Befragten gar davon aus, dass die Digitalisierung sich negativ auf das Geschäft auswirken wird. „Dabei kann es existenzgefährdend sein, sich nicht mit dem Thema auseinanderzusetzen“, sagt Scholl vom BVMW. Sie fordert, alles dafür zu tun, dass Mittelständler eine Vorstellung davon bekommen, was digitale Projekte bei ihnen bewirken können.

3. Cybersicherheit wird immer wichtiger

Die Ursachen für die Zurückhaltung der Mittelständler beim Thema Digitalisierung liegen in einer Mixtur aus Respekt vor eigenen und unternehmenskulturellen Veränderungen, teilweise fehlendem Digitalwissen und der Sorge um die Sicherheit der Daten, so Erkenntnisse aus dem PwC-Mittelstandspanel 2015. Experten von PwC haben sich speziell das Thema Cybersicherheit im Mittelstand im Rahmen einer Studie angeschaut und 400 mittelständische Unternehmen in Deutschland befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Cybersicherheit auf die Agenda der Mittelständler gehört. Die Voraussetzung für neue Geschäftsmodelle und effizientere Prozesse durch Digitalisierung ist eine sichere IT. Auch wenn es ein vergleichsweise kleiner Anteil ist, so ist doch jedes zehnte Unternehmen mindestens einmal Opfer eines Cyberangriffs geworden. Besonders häufig betroffen sind die Branchen Technologie, Medien und Telekommunikation (17 Prozent) sowie der Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie (12 Prozent). Die wichtigsten Ziele der Angreifer bestehen darin, die Verfügbarkeit von Systemen zu stören (51 Prozent), Mitarbeiter- und Systemzugangsdaten zu erbeuten (31 Prozent) und das Image der Unternehmen zu schädigen (26 Prozent). Doch zeigt die Studie auch auf, in welchen Bereichen Mittelständler künftig aktiver werden sollten: So werden Sicherheitsschulungen der Mitarbeiter im Mittelstand aktuell offenbar noch zu wenig in den Mittelpunkt der Cyberprävention gerückt. Cybersicherheit ist auch in den Augen von Diana Scholl ein vernachlässigtes und zunehmend wichtiges Thema: „Eindeutig überwiegen die Vorteile der Digitalisierung, doch manche lassen sich durch Sicherheitsbedenken unnötigerweise komplett davon abhalten.“

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Foto: Shutterstock

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