Mobile Software für Cashew-Farmer

Feature | 17. Oktober 2011 von Evan Welsh 0

In Afrika nutzen Farmer modernste SAP-Technologie. (Foto: SAP AG)

In Afrika nutzen Farmer modernste SAP-Technologie. (Foto: Evan Welsh)

Heute ist der Tag, den ich seit Wochen mit Spannung erwarte: Ich werde eine Gruppe internationaler Reporter auf einer Reise durch Ghana betreuen. Meine innere Verfassung wechselt zwischen freudiger Erwartung, Unruhe und Angst. Doch kurz bevor ich die neun Journalisten in Empfang nehme und durch Ghana begleite – ein Land, das ich nicht kenne und bis vor Kurzem kaum auf der Landkarte gefunden hätte – weicht meine Anspannung der reinen Vorfreude.

Ein SAP-Kollege, der ebenfalls mitreist und bereits vor Ort ist, schrieb mir gestern in einer E-Mail: „Ich bin so aufgeregt. Heute haben wir die Mobilanwendung draußen im Feld live geschaltet. Ein Wahnsinnsgefühl, dieses Hightech-Projekt mitten auf dem Land mitzuerleben, wo ich gerade neben einem Eselskarren stand.“

Was erwarte ich also von der Reise? Ich werde erleben, wie SAP ghanaische Bauern, in erster Linie Frauen, mit Mobiltechnologie aus der Cloud unterstützt, um sicherere Einkommensquellen zu erschließen. In Tamale im Norden Ghanas werden wir sehen, wie SAP mit PlaNet Finance, einer internationalen Organisation für Mikrofinanzierung, kooperiert. Frauen, die am unteren Ende der Wirtschaftspyramide arbeiten, sollen dadurch die Chance bekommen, sich selbstständig zu machen. Sehen Sie mehr dazu im folgenden Video.

Danach besuchen wir Wenchi in Westghana. Dort unterstützen SAP und die African Cashew Initiative (ACi) Kleinbauern mit innovativer Technologie, von der die ganze Cashew-Wertschöpfungskette profitiert. Die Smartphone Apps von SAP bieten Cashew-Farmern und Käufern Zugang zu Weltmarktpreisen und Informationen über den Anbau und die Vermarktung von Cashewnüssen. So schafft die Software mehr Transparenz zwischen Bauern, weiterverarbeitenden Betrieben und dem Großhandel, siehe auch folgendes Video.

Frauen bei der Nussernte. (Foto: SAP AG)

Frauen bei der Nussernte. (Foto: Evan Welsh)

Mobile Software hilft Bauern beim Verkauf ihrer Waren. (Foto: SAP AG)

Mobile Software hilft Bauern beim Verkauf ihrer Waren. (Foto: Evan Welsh)

Neue Chancen für Ghana

Nach einem Einführungstag in Accra, der Hauptstadt von Ghana, reisen wir mit einem Kleinbus auf einer – mehr oder weniger – asphaltierten Straße von Tamale nach Janga Town im Norden Ghanas. Unterwegs kommen wir an mehreren Checkpoints vorbei, wo grimmig aussehende Männer mit Maschinengewehren durch die Fenster unseres Busses auf unsere weißen Gesichter starren – ein eher seltener Anblick in dieser ländlichen Region. Unser Fahrer erklärt die Präsenz der bewaffneten Männer: Wir befinden uns auf der Hauptverbindungsstraße nach Burkina Faso und Schmuggelei und Raubüberfälle sind keine Seltenheit. Nicht gerade ein beruhigender Gedanke.

Der Weg nach Janga Town ist voller Hindernisse. Nach einem langen Tag mit Projektbriefings in Accra standen wir am Mittwoch vor vier Uhr morgens auf, um um sechs Uhr den Flug nach Tamale zu bekommen, anscheinend die zuverlässigste der wenigen täglichen Flugverbindungen Richtung Norden. Als wir gerade an Bord gehen wollten, erhielten wir die Anweisung, noch im Warteraum Platz zu nehmen. Der Geschwindigkeitsmesser war kaputt und sollte in 10 bis 15 Minuten repariert sein. Anderthalb Stunden später waren wir unterwegs.

Endlich erreichten wir unser Ziel, Janga Town, ein Dorf mit rund 3.000 Einwohnern, Lehmhütten, Hunderten von Ziegen und Hühnern, mehr Kindern als Erwachsenen, einer Moschee, einem riesigen Mobilfunkmast und einem Lagerhaus für die Sheanüsse. Wir wurden bereits erwartet, und als unser Bus auf einem holprigen Feldweg bei ein paar Hütten hielt, wurden wir lächelnd begrüßt. Innerhalb von Minuten waren wir von 50 Kindern umringt. Wie Touristen auf Afrika-Rundreise fingen wir sofort an, Fotos zu machen. Den Kindern machte es den größten Spaß, ihre Gesichter auf den Bildschirmen unserer Digitalkameras wiederzuentdecken.

Doch bevor wir das Dorf erkunden, die Sheanuss-Farmerinnen treffen und dabei zusehen konnten, wie die Barcodes auf den 85-Kilo-Säcken gescannt werden (SAP „in action“ und der eigentliche Grund für unseren Besuch), mussten wir nach gutem alten Brauch zunächst den Dorfältesten aufsuchen. Nachdem lange diskutiert wurde, ob wir Fotos machen dürfen, sagte man uns, der Dorfälteste wolle dafür eine Dose Coca-Cola. Statt Cola nähme er aber auch gerne Bargeld an.

Coca-Cola für Fotos. (Foto: SAP AG)

Coca-Cola für Fotos. (Foto: Evan Welsh)

Evan Welsh auf seiner Rundreise in Afrika. (Foto: SAP AG)

Evan Welsh auf seiner Rundreise in Afrika. (Foto: SAP AG)

Verarbeitung zu Sheabutter

Danach trafen wir 40 Sheanuss-Ernterinnen. Mithilfe eines Dolmetschers erklärten sie uns, wie SAP und der Mikrofinanzierer PlaNet Finance ihr Leben verändert hätten, angefangen bei der neuen Schutzkleidung für die Ernte in den Sheanuss-Feldern. Außerdem wurden ihnen grundlegende Geschäftskenntnisse vermittelt und erklärt, wie sie die Qualität der Sheanüsse verbessern könnten. Daneben erhielten die Frauen Hilfe beim Aufbau von Kollektiven, sodass sie die Nüsse in größeren Mengen verkaufen können. Sechs Kollektive sind jetzt in ein paar Hütten in Janga Town untergebracht; es gibt zahlreiche weitere in der Region.

Doch den nachhaltigsten wirtschaftlichen Nutzen verspricht die Verwendung von Mobiltechnologie. Sobald die Nüsse in 85-Kilo-Säcke verpackt sind, die die Männer auf ihren Köpfen balancieren, werden die Säcke mit einem Smartphone gescannt. Die Erntemenge wird unter dem Namen der jeweiligen Farmerin im Telefon gespeichert und die Frauen können sofort für ihre Arbeit bezahlt werden. Das hat zwei wichtige Vorteile: Jeder Vorgang wird jetzt richtig erfasst und gespeichert, und die Abnehmer können nachverfolgen, wo jede einzelne Nuss herkommt. Und schließlich haben SAP und PlaNet geholfen, Massenabnehmer für die Nüsse zu finden. Diese können sich darauf verlassen, ein hochwertiges Produkt zu erhalten. Die kürzlich durchgeführte Fallstudie der Stanford University, „The Shea Value Chain Reinforcement Initiative, by SAP, PlaNet Finance, Grameen Ghana and Maata-N-Tudu“, ergab, dass das Einkommen der Frauen durch die Sheanuss-Verarbeitung zwischen 59 und 82 Prozent gestiegen ist.

Farmer in Ghana. (Foto: SAP AG)

Farmer in Ghana. (Foto: Evan Welsh)

Verarbeitung von Shea-Nüssen. (Foto: SAP AG)

Verarbeitung von Shea-Nüssen. (Foto: Evan Welsh)

Smartphones erleichtern die Planung

Unser letzter Stopp war die Verarbeitungsanlage Gumu Shea in Tamale, Nordghana. Dort konnten wir beobachten, wie die Sheanüsse zu Sheabutter verarbeitet werden, ein Hauptbestandteil zahlreicher Kosmetikprodukte, die wir in den Industrieländern kaufen.

Als unser Bus auf den staubigen Hof fuhr, suchten wir skeptisch nach der Verarbeitungsanlage. Wir sahen keine Maschinen, nur Strohhütten, nähende Frauen und herumstreunende Kinder und Tiere. Es wurde schnell klar, dass der Begriff „Verarbeitungsanlage“ hier eher großzügig verwendet wird. Denn die gesamte Ausrüstung besteht aus einem manuell bedienbaren Röster (Wert unter 100 Dollar) und einem Trockner für die Nüsse (Wert ca. 50 Dollar). Bei dem Röster handelt es sich im Grunde um eine große Trommel, die eine Frau eine Stunde lang von Hand über einem Feuer dreht. Ab und zu füllt ein Mann das Brennmaterial auf. Eine ungerechte Arbeitsteilung, wie mir scheint.

Mit der Mobiltechnologie von SAP kann die Sheabutter jetzt bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden. Das gewährleistet hohe Qualität, fairen Handel und Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Wie einer der mitreisenden Journalisten bemerkte: „Wir können sehen, dass es den Bauern und ihren Dorfgemeinschaften wirklich hilft, mit SAP die Bestellungen und Lieferungen vom Verkäufer bis zum Käufer zu verfolgen. Diejenigen, die keine Technologie nutzen, sind deutlich im Nachteil.“

Es gibt ein allgemeines Vorurteil, dass SAP-Software kompliziert, teuer und nur etwas für Großunternehmen ist. Doch hier wird sie in den entlegendsten Dörfern Ghanas von einfachen Bauern eingesetzt. Eine der Organisatorinnen des Sheanuss-Projekts dankte SAP für die Smartphones: „Damit haben Sie viele unserer Probleme gelöst. Was einmal erfasst ist, geht nicht mehr verloren. Die Smartphones liefern uns wichtige Informationen über unser Geschäft. Alle Vorgänge sind viel einfacher nachzuweisen. Wir vermerken jeden einzelnen Vorgang mit den Bauern, sodass wir nach der Saison wissen, wer wieviele Nüsse erntet. Das hilft uns, uns auf die nächste Saison vorzubereiten.“

Sobald die Butter Gumu Shea verlässt, wird sie per LKW zum Hafen von Tema in der Nähe von Accra transportiert und ins Ausland verschifft. Unternehmen wie The Body Shop nehmen die Butter direkt von Gumu Shea ab.

In weniger als 24 Stunden hat unsere Reisegruppe wichtige Phasen der Sheanuss-Lieferkette selbst miterlebt – von der Ernte und Verpackung über die Erfassung der Sheanüsse mit SAP-Mobiltechnologie in Janga Town bis hin zur Weiterverarbeitung bei Gumu Shea. Die Lotionen, Cremes und Seifen, die uns dazu dienen, unsere Haut zu pflegen und mit Feuchtigkeit zu versorgen, verdanken wir den Farmern im ländlichen Afrika. Und auch ihr Leben verbessert sich dank der SAP-Software.

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