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Modebranche: Ein Wimpernschlag entscheidet

Feature | 25. Oktober 2017 von Andreas Schmitz 16

Die Angst vor Amazon geht um. Nicht zuletzt deshalb schafft SAP nun ein System, das Kunden so individuell wie möglich anspricht und Prozesse für den Einzel-, den Großhandel und die Herstellung in einem System vereint: SAP S/4HANA for Fashion and Vertical Business.

Ein kurzer Blick auf die aktuellste globale Studie über die Modebranche von McKinsey offenbart das ganze Dilemma, in dem die Branche steckt: Mehr als zwei Drittel der für den „Global Fashion Survey 2017“ befragten Verantwortlichen sind davon überzeugt, dass sich die Bedingungen für ihre Geschäfte im vergangenen Jahr verschlechtert haben. Wuchs die Branche 2010 noch um 10 Prozent, ist heute noch ein mageres Prozent übrig. Immer mehr Unternehmen strukturieren sich um, schließen Filialen und entlassen Personal. Die Volatilität eines ungewissen Marktes, der stärkere Wettbewerb durch Online-Händler und die steigende Geschwindigkeit, in der auf Kundenwünsche reagiert werden muss fordern Modeunternehmen aktuell besonders. Doch klar ist auch: Nicht nur den Ausweg aus der Krise und der Ungewissheit, sondern sogar neue Perspektiven sehen viele in der Digitalisierung und darin, Konsumenten ihre individuellen Wünsche von den Augen abzulesen.

SAP S/4HANA für die Modebranche, SAP Cloud Platform und SAP Customer Activity Repository: Die Balance zwischen Stabilität und Agilität

Softwarelösungen müssen sich diesen neuen Anforderungen anpassen. Den Kunden über alle Kanäle ansprechen, noch dazu möglichst individuell und immer ein Auge auf dem internationalen Markt: Diese Anforderungen sind für Christoph Schröder gewissermaßen schon eine Selbstverständlichkeit, die sich schon vor drei Jahren etwa in der SAP-Fashion-Management-Lösung manifestierte. Doch sind bis heute noch weitere Anforderungen hinzugekommen. „Die Geschwindigkeit hat zugenommen, in der Konsumenten ihre Wünsche ändern“, sagt der bei SAP global für Softwarelösungen in der Modebranche zuständige Schröder: „Wir wissen nicht, wie das Geschäft morgen aussieht.“ Mit einem hochstandardisierten Kern (also SAP S/4HANA) als Konstante und der Möglichkeit, Prozesse zu erweitern (SAP Cloud Platform) und jederzeit Kundenwünsche aus Kauf- und Interaktionshistorien ablesen zu können (SAP Customer Activity Repository) hat Schröder nun die Basis für Unternehmen geschaffen, um dem Kunden die Macht zu geben, ohne aber selbst „Federn“ zu lassen. „Monolithische und über die Jahre stark angepasste ERP-Systeme drängen Unternehmen in die Ecke: Wer für jede Anpassung im System erst einmal in den Maschinenraum zum Löten gehen muss, ist heute nicht mehr schnell genug“, sagt Schröder, der mit der Mitte September 2017 gelaunchten Branchenlösung SAP S/4HANA for fashion and vertical business die nötige Balance zwischen Stabilität und Agilität schaffen will.

Vertikale Integration: Der Abschied von „führenden Systemen“

Charakteristisch für die Modebranche war in der Vergangenheit, dass es auf der einen Seite klassische Händler wie etwa s.Oliver oder Esprit gab, die ihre Produkte ausschließlich über eigene Filialen verkauft haben. Sportartikelhersteller wie Adidas oder Puma hingegen haben ihre Produkte über den Groß- und Einzelhandel verkaufen lassen. Wollte nun ein klassischer Händler auch über Kaufhäuser wie Karstadt oder Kaufhof seine Produkte anbieten oder ein Sportartikelhersteller seine Produkte in eigenen Filialen verkaufen, musste er sich zwei unterschiedliche Systeme zulegen. Die Herausforderung: Es gab nur ein „führendes System.“ „Die anderen waren gewissermaßen blind“, sagt Schröder. Es konnte also passieren, dass im einen Lager Produkte bereits ausverkauft sind, im anderen aber ein Überbestand verzeichnet wird.

SAP S/4HANA for fashion and vertical business: Einzel-, Großhandel und Herstellung aus einer Hand

Das wird künftig nicht mehr passieren. „Komplette vertikale Integration“ lautet die Vision für SAP S/4HANA for fashion and vertical business. Die ist für Unternehmen wie etwa Armani, Luxottica und Salvatore Ferragamo besonders interessant, die ihre Produkte selbst herstellen, in eigenen Läden wie auch Kaufhäusern verkaufen und sämtliche Prozesse über ein System abgewicken möchten. Aktuell sind Einzelhandels- sowie Großhandelsprozesse in der neuen Branchenlösung vereint, womit ein Hersteller nun nicht mehr über den Großhandel alleine gehen muss, sondern Filialen eröffnen kann. „Vorwärts integrieren“, nennt das SAP-Manager Schröder, während klassische Händler „rückwärts integriert“ nun Großhändler mit ihren Produkten „versorgen“ können. Für die meisten Modeunternehmen reicht das aus. Der letzte Baustein – die Herstellungsprozesse – sollen im Herbst 2018 folgen. Der Vorteil: Wer einen akuten Bedarf an Hosen, Hemden und Mänteln hat, kann schneller reagieren als bisher – ein wertvolles Plus in Hinsicht auf Geschwindigkeit.

Ein weiterer Vorteil (auch ohne die Integration der Herstellungsprozesse): Da die meisten Unternehmen saisonal ihre Badehosen, Schals, Business-Anzüge oder Sneaker anbieten, heißt das für sie auch, dass sie möglichst ohne Restbestände aus der Saison rausgehen wollen. Vom Planen über den Einkauf, über den Vertrieb über Online- und Offline-Kanäle bis hin zu abgestimmten Schlussverkaufskampagnen sind künftig sämtliche Prozesse aufeinander abgestimmt, egal ob die Produkte bei Karstadt oder im eigenen Flagship-Store verkauft werden. „Niemand hat ein Interesse daran, nicht verkaufte Ware abschreiben zu müssen“, weiß Modeexperte Schröder.

McKinsey: Entscheider wollen Lieferketten effizienter machen

Die McKinsey-Studie offenbart ein zartes Plus von drei Prozent mehr Optimisten (40 Prozent) gegenüber Pessimisten (37 Prozent) für die geschäftlichen Entwicklungen im Jahr 2017. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Digitalisierung vorangebracht wird. Besonders in eine effizientere Lieferkette wollen die meisten Entscheider investieren, was nicht zuletzt auch ein Schritt in Richtung einer vertikalen Integration sein dürfte.

Weitere Informationen:

Im „Value Paper” “Transform Fashion and Vertical Business with SAP S/4HANA” erfahren Sie weitere Details zur neuen Lösung von SAP.

Foto: Ferragamo, Geschäftsbericht 2016

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