Mutiger Auftritt des DSAG-Chefs

Feature | 18. September 2013 von Andreas Schmitz 0

Marco Lenck (Mitte), Beate Werner (Schatzmeisterin DSAG) und Jim Hagemann Snabe (rechts) Foto: DSAG

Marco Lenck (Mitte), Beate Werner (Schatzmeisterin DSAG) und SAP-Co-CEO Jim Hagemann Snabe (rechts) Foto: DSAG

„Konstruktive Kritik“ an der SAP hatte Marco Lenck Anfang des Jahres versprochen. Erstmalig führte der IT-Chef der Rhein-Chemie Rheingau GmbH nun als Vorsitzender der DSAG durch den Jahreskongress. Schnell wurde klar: Er wird auch die Dinge ansprechen, die nicht so bequem sind. Beispiel Lizenzen. „Nach vielen Diskussionen“, sagt Lenck, „haben wir nun ein flexibles Lizenzmodell.“ Letzten Endes war es auch SAP klar, dass man „Investitionen, die man nie mehr los wird, nicht tätigt“ (Lenck). Das ist vor allem der Verdienst von Andreas Oczko, dem DSAG-Vorstand für Service und Support, der seit Jahr und Tag an dem Thema dran war und noch auf dem letzten Jahreskongress zwar auf sein Beharrungsvermögen pochte, doch konnte man spüren, wie bei Oczko langsam Zweifel aufkamen. Jetzt also löst sich nicht nur der Protest der SAP-Community gegen die SAP-Lizenzen in Wohlgefallen auf, sondern damit auch die Formel „HANA=teuer“ – ein durchaus erwünschter Nebeneffekt, aus SAP-Sicht. „Jetzt“, so kommentiert Oczko, „kann ich wirklich fragen: Möchte ich mein Unternehmen verändern?“. Damit hat Lenck schon mal den ersten Haken gesetzt hinter seine vier Ziele, die er vor einem halben Jahr definiert hat: „Die Software nutzenbasiert lizensierbar machen“.

Zweite Frage, die den Zuhörern des DSAG-Kongresses auf den Lippen brannte: Was wird aus der SAP, wenn Jim Hagemann Snabe im Mai 2014 nicht mehr Co-CEO ist, sich die schon heute „gefühlte“ Machtverlagerung in Richtung USA manifestiert und das ehemals deutsche Unternehmen nun aus Übersee gesteuert wird? Davon möchte Snabe nichts wissen. Seine Antwort im Wortlaut: „Das Vertrauen zwischen Bill (*McDermott) und mir war immer sehr stark – wir waren sehr sehr eng. Der Grund, warum Bill nicht so oft in Europa war, ist: Er war nicht in Europa, weil ich in Europa war. Das heißt aber nicht, dass Bill demnächst so viel Zeit wie ich in Europa verbringen wird. Gerhard Oswald bleibt auf Vorstandsebene der Mann für die Kunden, der gerade für die Verbesserung der Zusammenarbeit der Sponsor war.“ Zudem nennt Snabe den Namen Bernd Leukert, der für die Anwendungsentwicklung bei SAP zuständig ist und seit kurzem im Global Managing Board der SAP sitzt – eine weitere Schlüsselposition für SAP in Europa. „Ob das auch alles so geht“, beteuert Snabe, wird er dann von seinem Aufsichtsratsposten aus beobachten. All das ändert nichts daran, dass der gebürtige Däne Snabe, der nach einigen Jahren Sprachtraining im Übrigen in flüssigem Deutsch seine freie Rede auf dem Nürnberger Podium gehalten hat, in Europa sehr beliebt war. Nicht nur DSAG-Chef Lenck bedauert sein Ausscheiden. Konsequenz: Die Entwicklung zwischen SAP und den Anwendern steht und fällt mit den Mitarbeitern in den Unternehmen, die sich nicht zuletzt deswegen in DSAG-Arbeitskreisen engagieren, damit ihre Belange auch Gehör finden und auch künftig finden werden. Mikromanagement als Präventionsstrategie gewissermaßen.

Neue Rechenzentren für mehr Datensicherheit

Drittes drängendes Thema auf dem DSAG-Kongress:  Der NSA-Komplex. Wenn Daten von Geheimdiensten abgefischt werden: Was kann SAP dagegen tun, damit das nicht auch mit Kunden der SAP passiert? In den Worten des DSAG-Chefs Lenck: „Es kann nicht sein, dass wir mit unserem Knowhow die Amis stark machen“. Deutlicher lassen sich die Befürchtungen der Anwender nicht auf den Punkt bringen. Es ist nicht Snabes Art, den direkten Konter zu starten: „Das Internet ist nicht für Geschäftssoftware gebaut, sondern für Konsumenten“, sagt Snabe. „Globaler und lokaler“ werden, heißt Snabes Antwort. Soll heißen: Es soll künftig ein Rechenzentrum in jeder Region stehen. Neben den aktuell fünf Rechenzentren weltweit sollen neun neue entstehen. „Daten stehen unter nationaler Gesetzgebung. Dem werden wir gerecht werden“, so der Co-CEO, der nicht nur davon überzeugt ist, so den Business-Kunden einen besseren Schutz ihrer Geschäftsdaten bieten, sondern auch, das Cloud-Geschäft besonders in Europa ankurbeln zu können. Besonders im Schulterschluss mit der vom SAP-Chef anvisierten „Trusted Secure Cloud Infrastructure“ für Europa, die Snabe auf den Weg bringen will. Industriespionage lässt sich so nicht verhindern, aber immerhin reduzieren, so die Botschaft.

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