Nachhaltigkeit auf der Agenda des CFO

Im Gastkommentar erklärt Luka Mucic, Finanzvorstand der SAP SE, weshalb Nachhaltigkeit für CFOs immer mehr zu einem entscheidenden Thema wird.

Luka Mucic, Finanzvorstand der SAP SE

Jedes Unternehmen muss zeigen, dass es einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leistet. Der Satz hat es in sich. Er stammt von Larry Fink, Chef des weltweit führenden Vermögensverwalters BlackRock. Fink forderte in seiner diesjährigen Neujahrsbotschaft Vorstände in aller Welt auf, die Nachhaltigkeit ihres Handelns zu belegen. Ohne eine sinnstiftende Ausrich­tung des Unternehmens werden sie ihre gesellschaftliche Akzeptanz und die Rückendeckung der Investoren verlieren, so Fink weiter.

Manch einer mag sich nun fragen, wie derartige Worte denn zu einem Top-Investor passen. Doch sie sind alles andere als weltfremd. Tatsächlich steigt bei institutionellen Anlegern das Interesse an Nachhaltigkeit bereits seit Jahren. Inzwischen orientieren sich 53 Prozent der in Europa gemanagten Vermögensanlagen auch an sozialen und umweltbezogenen Kriterien. Weltweit liegt der Wert bei 26 Prozent, so der jüngste Marktbericht der Global Sustainable Investment Alliance.

Nachhaltigkeit rückt auf der CFO-Agenda nach oben

Für Finanzvorstände greift es daher zu kurz, einzig Zahlen zur finanziellen Performance vorzulegen. Mehr und mehr Anleger verlangen Informationen darüber, welches Wechselspiel es zwischen der wirtschaftlichen Leistung eines Unternehmens und seinem Umgang mit Mensch und Umwelt gibt – im eigenen Haus und in der gesamten Wertschöpfungskette. Entsprechend erweitert sich die Sicht des CFO. Das erforderliche Wissen liefert die integrierte Berichterstattung. Sie bildet die materiellen und immateriellen Wertschöpfungsfaktoren gleichrangig ab und stellt ihre Wechselwirkungen anschaulich dar.

Doch was heißt das konkret? In unserem Fall messen wir den Geschäfts­erfolg über vier zentrale Größen: Umsatz und operative Marge zeigen den zurückliegenden Erfolg. Mitarbeiterengagement und Kundenbindung geben Hinweise darauf, was wir in Zukunft erreichen können. Vermeintlich weiche Faktoren wie die beiden zuletzt genannten gewinnen an Aussagekraft, wenn wir ihre ökonomische Wirkung in Euro belegen. Mit welch bemer­kenswerter Stärke nichtmonetäre KPIs auf das Betriebsergebnis einzahlen, zeigt zum Beispiel unser Index zur Gesundheitskultur im Unternehmen. Mit jedem Prozentpunkt, den der Index zu- oder abnimmt, verändert sich das jährliche Betriebsergebnis um 85 bis 95 Mio. Euro.

Diese Transparenz hilft, Unternehmen vorausschauend zu steuern. Zudem fördert sie den Dialog mit Kunden, Mitarbeitern, Partnern und öffentlichen Akteuren. Damit trägt der integrierte Bericht auf allen Ebenen dazu bei, Unternehmen erfolgreicher zu machen. Woran sicherlich auch Larry Fink denkt, wenn er die Vorstände in aller Welt zum Handeln aufruft.

Dieser Artikel erschien zuerst im Handelsblatt.