Nationwide modernisiert Kernbankensystem

Feature | 13. Juni 2013 von Karin Fischenbeck, Paul Baur 0

Foto: Nationwide

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Der Austausch von Kernbankensystemen ist für die Finanzwelt mit hohen Risiken verbunden. Ein System, das über Jahrzehnte erweitert und mühsam verbessert wurde, soll durch eine komplett neue Software, Hardware und neue Prozesse ersetzt werden – ein Unterfangen, das manchem Bankdirektor schlaflose Nächte bereitet. Doch angesichts des verschärften Wettbewerbs, sinkender Margen und fehleranfälliger Altsysteme entscheiden sich inzwischen mehr und mehr Banken für eine flexible und modulare Standardlösung.

Ein gutes Beispiel ist die Nationwide Building Society. Nationwide ist die größte Bausparkasse weltweit, der zweitgrößte Anbieter von Sparkonten sowie der drittgrößte Hypothekenanbieter im Vereinigten Königreich. Bausparkassen – ähnlich den Kreditgenossenschaften in den USA – sind Finanzinstitute, die vollständig im Besitz ihrer Mitglieder sind und bankspezifische sowie allgemeine Finanzdienstleistungen erbringen.

IBM und SAP betreuen gemeinsam Bankenbranche

Ziel von Nationwide ist es, bis 2015 einen 10-prozentigen Marktanteil bei Girokonten zu erreichen (gegenüber 6,2 Prozent im Jahr 2011) und gleichzeitig das bestehende Bausparergeschäft mit sechs Millionen Kunden auszubauen. Die Altsysteme bei Nationwide waren auf das Filialgeschäft ausgerichtet, daher war eine Ausweitung der Transaktionen auf Mobilgeräte, Tablets, Handys oder Online-Banking praktisch unmöglich. Um ihr Ziel zu erreichen, musste die Bausparkasse ihre traditionelle selbstentwickelte Software ablösen und auf neue, flexible Produkte umsteigen.

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Daher startete Nationwide ein auf fünf Jahre angelegtes Programm, um sein Kernbankensystem von Grund auf umzubauen, und implementierte als erste britische Bank das Lösungspaket SAP Transactional Banking. Gemeinsam mit dem Partner IBM Global Business Services arbeitete Nationwide an der Konzipierung und Durchführung der Umstrukturierung. Zusätzlich nutzte das Finanzinstitut Beratungsdienstleistungen von SAP Consulting Services und Axxiome sowie das technische Know-how von SAP.

Im Rahmen einer Partnerschaft unterstützen IBM und SAP gemeinsame Kunden bei der Modernisierung ihrer Kernbankensysteme und der Umstellung auf Multi-Channel-Banking, Online- und Mobile-Banking sowie Analytical Banking. „Im Mittelpunkt der Kooperation von IBM und SAP steht der Bankensektor als strategische Branche. Durch die enge Partnerschaft können wir unsere Expertise bündeln und Banken weltweit helfen, ihre Systeme umzustellen und damit flexibler und effizienter zu werden“, erklärt Simon Paris, SAP Global Head of Financial Services. Auch der neue Präsentationsbereich im IBM Client Center in La Gaude, Frankreich wurde eigens dafür konzipiert.

500 Millionen Pfund investiert

Im ersten Schritt wurden die Anforderungen festgelegt, die sich aus der langfristigen Strategie und den Wachstumszielen sowie den benötigten Service- und Bankenfunktionen ergaben. Über 500 Millionen Pfund sollten investiert werden – daher erforderte die Entscheidung ein hundertprozentiges Vertrauen in den Erfolg der Umstrukturierung und die Unterstützung aller Stakeholder, einschließlich der Partner.

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Richard Heeley, Leiter des Transformationsprojekts bei Nationwide (Foto: Nationwide)

Richard Heeley, Leiter des Transformationsprojekts bei Nationwide (Foto: Nationwide)

„Nationwide wollte die Sicherheit und Zuverlässigkeit eines Partners, der sich für den Bankensektor engagiert und eine langfristige Strategie bieten kann“, so Richard Heeley, Leiter des Transformationsprojekts bei Nationwide. „Hinsichtlich der Software wollten wir eine Echtzeitplattform, die wir kaufen können statt sie selbst zu entwickeln und die in anderen Banken bereits produktiv genutzt wird. All das führte uns zu SAP.“

„SAP ist das Herzstück unseres neuen Kernbankensystems“, erklärt Heeley. Er nennt drei wesentliche Vorteile der Umstellung: die Einführung neuer Produkte, wettbewerbsfähige Preise und Flexibilität. „Nationwide ist die Nummer eins im Kundenservice auf dem britischen Markt. Diese Position wollen wir verteidigen und die SAP-Bankenplattform wird uns dabei helfen“, fügt er hinzu. „Das Produkt ist sofort einsatzbereit“, fährt er fort. „Wir brauchen nur Anpassungen vorzunehmen, um die Anforderungen unserer Kunden zu erfüllen.“

Neue Plattform mit Altsystemen integriert

Was die Software als solche anbelangt, wurde Nationwide von SAP Services und SAP Active Global Support unterstützt. Das SAP-Team sorgte für eine maximale Performance und die Integration mit den Altsystemen. SAP Custom Development stellte außerdem die Webservices-Komponente bereit, die das Backoffice-Team von Nationwide zur Verwaltung der SAP-Lösung benötigt.

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Das Paket SAP Transactional Banking bietet integriertes Multi-Channel-Banking und optimiert Bankenprozesse. Darüber hinaus fördert es die flexible Entwicklung und schnelle Einführung neuer Bankenprodukte. Das sind wichtige Kriterien für die Bausparkasse, die in den letzten sechs Monaten zwei neue Arten von Girokonten auf den Markt gebracht hat. „Zusätzlich zum bestehenden FlexAccount können Kunden sich jetzt auch für das FlexDirect Account entscheiden, ein Konto für reines Online- und Telefonbanking, das künftig in Großbritannien die Nummer eins unter den Girokonten mit Guthabenverzinsung werden soll.“ Daneben bietet Nationwide das FlexPlus Account, das zusätzliche Angebote wie zum Beispiel Versicherungsleistungen umfasst.

„Wir sind mit den Ergebnissen mehr als zufrieden“, so Heeley. „Mit SAP Core Banking sind wir in der Lage, uns an neue Marktbedingungen oder Veränderungen anzupassen, aber auch selbst neue Produkte zu lancieren. Das Projekt wird sich auszahlen.“

Dienstleistungen präziser auf Kunden zuschneiden

„Da immer mehr Kunden auf das neue System transferiert werden, wird unsere IT-Landschaft stärker auf SAP basieren“, fügt er hinzu. „Das erlaubt uns auch, unsere Analytics-Funktionen noch umfassender zu nutzen und Dienstleistungen präziser auf die Anforderungen unserer Kunden abzustimmen.“

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