Netzwerke steuern, Aufträge erfüllen

Feature | 9. April 2008 von Bernd Mosbrucker 0

Kunden erwarten immer mehr Service und immer kürzere Auftragsdurchlaufzeiten. Um den Kundenanforderungen zu entsprechen, arbeiten heute viele Unternehmen bei der Auftragsabwicklung mit einem Netzwerk von Partnern zusammen. Hierzu gehören Hersteller, Verlader, Kunden, Logistikdienstleister und Spezialisten wie Zoll- oder Versicherungsagenten.

Dabei nimmt zwar jeder seine spezifische Funktion wahr, doch alle Beteiligten müssen auch effizient zusammenarbeiten. Logistikdienstleister koordinieren häufig die Netzwerke zur Auftragserfüllung und stellen die Verbindung zu globalen und regionalen Partnern her. Dabei haben sie sowohl den operativen Horizont eines Herstellers als auch das Netzwerk insgesamt im Blick.

Hersteller und Händler sind als Verlader zunehmend bereit, die gesamte Auftragserfüllung an Logistikdienstleister zu übergeben. Dazu gehören logistische Zusatzleistungen wie Verpackung, Etikettierung und die einfache Montage von Komponenten. Aber auch komplexe Fertigungsschritte, Bestandsführung, Fakturierung und Buchhaltung kann der Logistikdienstleister im Auftrag des Verladers übernehmen.

Selbst die Definition kompletter Bedarfs- und Beschaffungsstrategien wird heutzutage ausgelagert. Die Logistikdienstleister müssen maßgeschneiderte Prozesse für verschiedene Strategien anbieten, beispielsweise für ein Push-Modell mit langen Durchlaufzeiten oder einen nachfragegesteuerten Ansatz, bei dem unmittelbar auf Kundenaufträge reagiert wird.

Den Logistikdienstleistern bietet sich hierbei die Chance, ihr Tätigkeitsfeld zu erweitern. Sie können auf den wachsenden Bedarf nach zusätzlichem Service eingehen und Leistungen anbieten, die über die reine Lagerung und Transportabwicklung hinausgehen. Steigende Kosten, vor allem für Kraftstoff, fördern diese Entwicklung: Sie verringern die Margen von Logistikunternehmen, die sich auf das reine Transportgeschäft beschränken.

Logistik auslagern, Kontrolle behalten

Wenn Verlader die Verwaltung und Abwicklung ihrer Aufträge auslagern, erwarten sie Dienstleistungen mit klaren Budgets und nahtlos integrierten Prozessen. Gleichzeitig benötigen sie auch jederzeit Einblick in alle Abläufe und möchten die Kontrolle über Entscheidungen behalten. Allerdings gleicht ausgelagerte Logistik auch heute noch häufig einer “Blackbox”: Verlader und Kunden sehen nicht, was während der Auftragserfüllung geschieht. Folglich haben sie keine Möglichkeit, Vorgänge zu beeinflussen, zu genehmigen und zu ändern, die der Logistikdienstleister abwickelt.

Ein weiteres Risiko für Verlader mit ausgelagerter Logistik besteht darin, enge Beziehungen zum Kunden zu verlieren. Kurzfristige Gelegenheiten für zusätzlichen Umsatz lassen sich nicht mehr wahrnehmen, da die Kunden verstärkt mit den Logistikpartnern zu tun haben und die operativen Kontakte mit dem Verlader der Ware reduzieren.

Wenn die Verantwortung für Dienstleistungen ausgelagert wird, steigt der Bedarf an integrierter Kommunikation und gemeinsamem Prozessmanagement zwischen Verladern und Logistikdienstleistern. Es gilt, nicht nur laufende Aktivitäten zu überwachen: Echtzeit-Informationen zu Transporten sollen Prozesse, Finanzen und Logistik gleichzeitig transparent machen. Wenn diese Übersicht in den internen Lösungen des Verladers zur Verfügung steht, hat er das gleiche Maß an Kontrolle wie bei einem Transport mit eigener Flotte und eigenem Personal.

Nahtlose Verbindung

Die serviceorientierte Architektur für Geschäftsanwendungen (Enterprise SOA) ist der Schlüsselfaktor für die ständige elektronische Zusammenarbeit zwischen Verladern, Logistikdienstleistern und Endkunden. In einer Enterprise SOA läuft die Kommunikation nicht zentralisiert ab, sondern in Echtzeit in einem Peer-to-Peer-Netzwerk.

Enterprise Services, mit denen sich Geschäftsprozesse über Unternehmensgrenzen hinweg nahtlos miteinander verbinden lassen, unterstützen etablierte Kommunikationsmuster und Protokolle wie EDIFact und ANSI X.12. Mit Enterprise SOA wird es möglich, funktionsfähige Netzwerke zur Auftragserfüllung in kurzer Zeit einzurichten.

Seit November 2007 stellt das Release 6.0 der Anwendung SAP Transportation Management (SAP TM) Enterprise-SOA-Funktionalität bereit. Damit verbindet sie verschiedene EDI-Standards und Kommunikationsplattformen für unterschiedliche Verkehrsträger.

Beispielsweise unterstützt SAP TM die problemlose Integration mit GTNexus und Inttra, den größten Plattformen für die Buchung von Schiffskapazitäten und Echtzeit-Tracking bei Reedereien. Die nahtlos integrierte Anwendung SAP TM stellt den kompletten Transportlebenszyklus dar – unabhängig davon, ob Waren per LKW, Bahn, Schiff oder Flugzeug transportiert werden.

Beziehung in Echtzeit

SAP TM ist nicht nur der Schlüssel, um Partner via Enterprise SOA anzubinden. Die Anwendung steigert außerdem die Flexibilität bei Warenbewegungen, beim Be- und Entladen oder An- und Abkuppeln von Anhängern und Zugmaschinen.

In Echtzeit verarbeitet SAP TM Updates und Änderungen von Seiten der beteiligten Geschäftspartner. Entscheidungen lassen sich so rasch an veränderte Situationen anpassen. Die Anwender vergleichen die ursprünglichen Kundenanfragen mit dem aktuellen Arbeitsstatus und übermitteln ihre Entscheidungen per Fax, E-Mail oder über elektronische Standardnachrichten an die beteiligten Partner.

So schafft SAP TM eine Partnerbeziehung in Echtzeit zwischen Verladern, Logistikdienstleistern und den Warenempfängern – beispielsweise für lokale Auslieferungsservices, die Untervergabe von Aufträgen an Spediteure oder die zentrale Abrechnung von Frachtkosten. Das Netzwerk wird auf Transaktionsbasis verwaltet: Ein bestimmter Frachtbrief, ein Kundenauftrag oder eine bestimmte Lieferung dient als gemeinsamer Bezugspunkt.

Die Funktionen von SAP TM für die Frachtkalkulation und Fakturierung sind nahtlos mit Finanzwesen und Buchhaltung in SAP ERP integriert. Darüber hinaus ermöglicht es die Anwendung, die komplette Transportroute für eine Ware bereits bei der Auftragserstellung zu berechnen. Dabei werden alle Transportmittel und Speditionstarife berücksichtigt. Mit diesem Routing-Guide können Anwender die vorgeschlagenen Routenalternativen sofort vergleichen.

SAP TM wickelt komplette, durchgängige Prozesse im Transportwesen ab – von der Planung und Ressourcenoptimierung über die Routenfindung bis hin zur Nachverfolgung der Waren. Die offene, skalierbare Anwendung ist auch für ein hohes Datenvolumen geeignet – in Unternehmensnetzwerken, die Aufträge effektiv erfüllen.

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