Neue Beweglichkeit im Rechenzentrum

Feature | 5. April 2004 von admin 0

Wer heute von SAP-Systemlandschaften in Rechenzentren spricht, meint damit teilweise über Jahre gewachsene Implementierungen von SAP-Softwarekomponenten sowie auch das damit logisch verbundene Nicht-SAP-Umfeld, zum Beispiel Archivierungs-, Firewall- und Backup-Software. So entstanden Zug um Zug – weniger nach einem grundlegenden Plan, sondern eher bedarfgesteuert – sehr komplexe Strukturen. In den Rechenzentren laufen heute häufig Dutzende von Servern, noch dazu mit zig verschiedenen Betriebssystemvarianten. Je komplexer die IT-Ansammlungen wurden, um so mühevoller sind sie zu verwalten. Bei täglichen Administrationsaufgaben zeigen sie immer wieder ihre Tücken. Um die Anfälligkeit in den Griff zu bekommen, ordnen Systemadministratoren in der Regel die einzelnen Softwarekomponenten bestimmten Servern fest zu.

Die großen Unbekannten

Der Kampf gegen die Komplexität im Rechenzentrum hat zu einer gewissen Unbeweglichkeit geführt. Das Kopplungsprinzip “je Softwarekomponente ein zugewiesener Server” vergeudet Ressourcen. Da die Server so ausgewählt wurden, dass sie maximalen Belastungen gewachsen sind, liegen die Leistungsgrenzen oft weit über dem durchschnittlichen Lastprofil. Häufig sind große ungenutzte Potenziale nicht einmal bekannt, da notwendige Informationen über die Auslastung der SAP-Systemlandschaft fehlen. Dieser Zustand lässt sich mit Weinkellern vergleichen, in dem Winzer nur halb gefüllte Flaschen lagern. Die erstarrten Verkopplungen von Komponenten und Servern müssen aufgelöst werden. Die ungenutzten Potenziale sind zu teuer. Das Ziel ist mehr Beweglichkeit im Rechenzentrum, um die SAP-Landschaft dynamischer anpassen zu können.
Aus den Erfahrungen vieler SAP-Projekte hat Sun darum das Konzept “N1 Grid Advanced Architecture” für SAP entwickelt. Diese Lösung ordnet den SAP-Softwarekomponenten die optimalen Ressourcen zu und bietet der Systemadministration zusätzlich Kostentransparenz. Auftretende Spitzenbelastungen, Engpässe in der Systemleistung oder auch langfristige Veränderungen der Systemlast werden damit in einer flexiblen und leicht zu handhabenden Infrastruktur ausgeglichen. Aufgaben der Systemverwaltung – wie etwa das Upgrade des Betriebssystems – erzeugen keine zusätzlichen Aufwände und Kosten.

Analyse- und Diagnosewerkzeuge

Kunde BSH

Kunde BSH

Das Konzept “N1 Grid Advanced Architecture” für SAP besteht aus drei Bausteinen. Ein “Analyzer” erfasst die Leistungsdaten aller Server-Systeme in einer SAP-Systemlandschaft. Diese Daten bilden die Grundlage für den Design- und Anpassungsprozess der SAP-Systeme. Der “Builder” schafft die Basis für den Design- und Zuordnungsprozess in einer SAP-Landschaft. Auf der Grundlage von Solaris-Standardtechnologien werden Server-Systeme für den spezifischen Einsatz vorbereitet. Die “Deployment Engine” als dritter Baustein macht es möglich, SAP-Systemkomponenten und Nicht-SAP-Software innerhalb der SAP-Landschaft zuzuordnen oder zu verlagern. Die Informationen des Analyzers dienen dazu, um über Zuordnung oder Verlagerung zu entscheiden. Der Builder reorganisiert die bereit gestellten Systemressourcen. Dynamische Lastenverteilungen sind das Ergebnis. Zum Beispiel starten Batch-Läufe jetzt genau in der Zeit, wenn die anderen Systeme nicht online sind und somit keine Leistung beanspruchen.
Die Leistungsfähigkeit erreicht “N1 Grid Advanced Architecture” für SAP mit folgenden Installations- und Verwaltungsstrukturen:

  • Der Analyzer als spezielles Analyse- oder Diagnose-Werkzeug überwacht ständig die Auslastung jeder Einzelkomponente. Auf Basis dieser Auswertungen können alle vorhandenen Systemressourcen besser eingesetzt werden. Die gewonnenen Leistungsdaten und sind gleichzeitig Basis für die Leistungsabrechnung.
  • Aufgabenspezifische Images erleichtern die Installation von neuen oder veränderten SAP-Softwarekomponenten. Es reicht dazu aus, wenn ein Administrator die betreffenden Komponenten auf der grafischen Benutzeroberfläche markiert – sozusagen als Bild (Image) kopiert – und das Zielsystem auswählt. Alles Weitere erledigt mit minimalen Ausfallzeiten dann die N1-Grid-Lösung.
  • Ein spezielles Image steht auch zur Verfügung, um das Betriebssystem zentral zu pflegen und zu administrieren.
  • Das Betriebssystem-Image und das Image der SAP-Komponenten können gemeinsam über JumpStart-Verfahren eingebracht werden. Das beschleunigt Installationen beziehungsweise Upgrades, weil vorgefertigte Installationsdateien lediglich zu kopieren sind und nur der jeweilige Einsatzbereich anzupassen ist. Dieses Verfahren ist einem Netzwerkboot sehr ähnlich, aber weitaus flexibler, da auf die individuellen Anforderungen einer Maschine oder Software eingegangen werden kann.
  • Die SAP-Installation basiert auf Server-Konfigurationen, die an ein Storage Area Network (SAN) oder an ein Network Attached Storage (NAS) angeschlossen sind. Dadurch lassen sich sehr einfach SAP-Softwarekomponenten innerhalb der Infrastruktur logisch zuordnen. Es sind lediglich auf der GUI die Pointer für die Speicherzuordnung zu verändern, nicht aber die Speicherinhalte selbst zu verschieben.

Optimierung einer SAP-Landschaft

Vorrangiges Ziel der Optimierung ist, die Auslastung der eingesetzten Hardware deutlich zu erhöhen. “N1 Grid Advanced Architecture” für SAP erlaubt dazu in einem ersten Schritt, Auslastungsstufen fest zu legen. Die entsprechenden Leistungsschwellen lassen sich individuell, etwa nach den Grenzwerten einzelner Service Level Agreements einstellen. Die Anzeige nach dem Ampel-System erleichtert die Auswertung. Die Anzeige “Gelb” signalisiert beispielsweise eine 0- bis 15prozentige Auslastung. In diesem Fall sind die Maschinen nicht ausreichend belastet und arbeiten zu teuer. Anzeige “Grün” meldet eine 15- bis 85prozentige und damit eine gute mittlere Auslastung der Hardware. Bei einer 85- bis hundertprozentigen Auslastung alarmiert ein Rot-Signal eine hohe Auslastung, die unter Umständen Service Level Agreements gefährden könnte. Im einem zweiten Schritt werden auf der Grundlage die ermittelten Werte Konsequenzen für den Rechenzentrumsbetrieb gezogen. Das kann zum Beispiel bedeuten:

  • Zusammenlegung von SAP-Komponenten der Auslastungsstufe “Gelb”, um hier die Auslastung für eine Maschine zu erhöhen und die andere völlig zu entlasten. Die zu erwartenden Lastprofile lassen sich mittels einer grafischen Oberfläche – dargestellt als “Fieberkurven” – ablesen.
  • Kapazitätserweiterung der “roten” Systeme durch die bei der Zusammenlegung frei gewordenen Hardware.

Anders als in der Vergangenheit ist “N1 Grid Advanced Architecture” für SAP keines der herkömmlichen Optimierungsprojekte in Rechenzentren, welche einmalig ablaufen. Es ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess, der vom Kunden selbständig durchgeführt werden kann. “N1 Grid Advanced Architecture” für SAP wurde erst im Oktober 2003 vorgestellt. In etwa zwanzig Projekten wenden Systemadministratoren die neue Lösung bereits an.
Weitere Informationen unter www.sun.de/sap.

Ralf Zenses

Ralf Zenses

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