Neue Führung, selbe Fragen

Feature | 22. November 2012 von Christoph Zeidler 0

Generationswechsel: Der Vorsitzende der SAP-Anwendergruppe für das Vereinigte Königreich und Irland, Alan Bowling (li.) mit seinem Nachfolger, Philip Adams (m.) und Tim Noble (re.), Geschäftsführer von SAP Großbritannien & Irland. (Foto: Simon Jones)

Nach einem Abstecher nach Birmingham traf sich die SAP-Anwendergruppe für das Vereinigte Königreich und Irland (UK & Ireland SAP User Group) in diesem Jahr wieder in Manchester. Die Themen sind aber dieselben wie im Vorjahr: Die Anwender wünschen sich mehr Klarheit in Bezug auf die SAP-Strategie und Roadmaps für die akquirierten Unternehmen bzw. deren Produktintegration. Außerdem der Dauerbrenner in Großbritannien: Unzufriedenheit in Lizenzfragen.

Komplizierte Lizenzierung

An Kritik wurde denn auch nicht gespart: Nach einer Umfrage sind 95 Prozentder Mitglieder der Anwendergruppe unzufrieden mit der Lizenzierung und halten sie für zu kompliziert. 89 Prozent wünschen sich, dass die SAP die Softwarenutzung nur an einem klaren Lizenzkriterium festmache, unabhängig ob sie konventionell oder über die Cloud genutzt wird. Auch wünschen die Nutzer sich etwas mehr Flexibilität und Verständnis angesichts der schwierigen Wirtschaftslage. Denn wenn das Business schrumpft, schrumpft auch die Zahl der genutzten Lizenzen. „Natürlich erwarten wir nicht,“ so Adams, „dass SAP diese Lizenzen zurücknimmt und zurückerstattet.“ Doch sähe er es gerne, wenn Unternehmen für diese „geparkten“, ungenutzten Lizenzen keine Wartungsgebühren zahlen müssten. Eine Forderung, der Tim Noble, Geschäftsführer von SAP Großbritannien und Irland, eine klare Absage erteilte. Adams: „Wir beackern dieses Thema schon lange, auch im globalen User-Group-Netzwerk SUGEN, aber es ist nicht einfach: weder für uns noch für SAP.“ In der Tat ist die Komplexität durch die Akquisitionen von Business Objects über SuccessFactors bis hin zu Ariba nicht geringer worden.

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Foto: Simon Jones

Strategische Neuausrichtung notwendig

Die Akquisitionen und deren Kundennutzen sind denn auch das zweite große Thema der Veranstaltung. Hier scheint die britisch-irische Kundenbasis Anwendern in anderen Regionen noch nachzustehen: Während das Echo beispielsweise im deutschsprachigen Raum durchaus positiv ist, und man sich insbesondere auf Fortschritte in der Cloud freut, kämpft man hier noch mit den Auswirkungen der Business-Objects-Akquisition auf das eigene Rechenzentrum.

In diese Kerbe schlug auch Ray Wang, Geschäftsführer und Principal Analyst von Constellation Research, der deutlich machte, dass an den neuen Technologien kein Weg vorbei führe. Er forderte die Unternehmen dazu auf, endlich eigene Strategien zu entwickeln und nicht zu denen zu gehören, die einfach abwarten. „Die alten Silos brechen auf, die Branche verändert sich massiv, die transaktionsbasierte Welt alleine ist nicht mehr Maß aller Dinge“, so Wang. Natürlich solle niemand seine transaktionsbasierten Systeme über den Haufen werfen, aber sie müssten ergänzt werden, um Informationen besser aufbereiten und nutzen zu können und Anwendern „die neuen Erfahrungswelten“ zu erschließen, die sie forderten. Stichwort: Consumerization of IT.

Und hier schließt sich auch wieder der Kreis zur SAP. Möchte sie doch genau mit ihrer neuen Produktstrategie sicherstellen, auch die Fachabteilungen als die neuen Herren der IT miteinzubeziehen und Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft zu unterstützen. Ein Weg, der in Großbritannien und Irland länger scheint als andernorts.

Der Vorsitzende der SAP-Anwendergruppe, Alan Bowling, zeigte sich hocherfreut über einen neuen Rekord bei der Zahl der Teilnehmer und Aussteller bei der diesjährigen Konferenz: 800 sind es dieses Jahr, die sich in einer Vielzahl von Vorträgen und Workshops informieren und austauschen. Außerdem kündigte Bowling nach sechs Jahren als Vorsitzender die Staffelübergabe an seinen Nachfolger an und stellte „den Neuen“ sogleich vor: Philip Adams, IT-Leiter bei der irischen Mercury-Engineering-Gruppe, wird ab März 2013 die Geschicke der Anwendergruppe lenken. Adams machte deutlich, dass er den Wachstumskurs Bowlings fortsetzen wird (die Anwendergruppe umfasst mittlerweile über 600 Unternehmen) und weiterhin ein „fairer aber kritischer Beobachter“ der SAP sein werde.

SAP.info war offizieller Medienpartner der Konferenz.

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