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Neue Marktchancen rund um das vernetzte Auto

Feature | 19. Juni 2015 von Arunima Kumar 0

SAP-Technologiemanager Timo Stelzer verantwortet bei SAP das Thema vernetztes Fahrzeug. Im Interview spricht er über technische Fortschritte und einen neuen Servicemarkt, der rund um das Auto der Zukunft entsteht.

Wo steht die Automobilindustrie aktuell beim vernetzten Fahrzeug?

Wir leben heute ganz selbstverständlich in einer vernetzten Welt. Daher erwarten auch Fahrer eines modernen Autos, dass sich ihr Fahrzeug nahtlos in diesen digitalen Lebensstil einfügt. Schon heute halten entsprechende Technologien Einzug ins Auto-Cockpit. So sind Unterhaltungstechnologien wie Pandora oder Facebook teilweise bereits mit an Bord. Mehr und mehr Hersteller verwenden auch Sensordaten, um eine vorausschauende Wartung zu ermöglichen oder um den Bau von Autoteilen zu optimieren. Außerdem sind die Automobilbauer in einigen Ländern gesetzlich verpflichtet, bestimmte Sicherheitsfunktionen bereitzustellen, die eine Datenverbindung erfordern (zum Beispiel das Notrufsystem E-Call in Europa).

In diesem Zusammenhang winkt natürlich auch ein großer Markt an zugehörigen Services. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben: Auf der diesjährigen diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas hat Volkswagen ein Forschungsprojekt zum Parken mit dem vernetzten Auto vorgestellt. So soll das Auto der Zukunft anhand von Sensoren freie Parkplätze finden und ansteuern. Der Fahrer erhält hierzu Echtzeitdaten zu verfügbaren Parkplätzen in der Innenstadt. Im Moment ist aber noch die Frage offen, wie die Automobilindustrie konkret an diesen Dienstleistungen verdienen kann. Im eben genannten Beispiel stellt sich die Frage, wer für diesen Service bezahlt.

Warum hat SAP ein Interesse an diesem Trend?

Jedes Jahr geben Verbraucher in den USA rund 577 Milliarden US-Dollar für Treibstoff, Fast Food aus dem Drive-Through-Restaurant und Parkgebühren aus. Und obwohl all diese Ausgaben beim Autofahren entstehen, hat die Automobilindustrie bisher keinen Anteil an diesem Markt. Nun entwickelt die SAP ein Geschäftsmodell, das Automobilhersteller dabei unterstützt, Dienstleistungen für das vernetzte Fahrzeug anzubieten und in diesen Markt einzutreten. Wir arbeiten bereits mit der Öl- und Gasindustrie, Fahrzeugherstellern und anderen relevanten Branchen zusammen und wollen diese Unternehmen in einem Geschäftsnetzwerk zusammenbringen.

Zusammen mit Volkswagen und Shell in Deutschland sowie mit Toyota und Verifone in den USA haben wir eine Lösung pilotiert, mit der Autofahrer an der Zapfsäule mobil bezahlen können. Sie führt den Fahrer zur nächstgelegenen Tankstelle, wo er automatisiert über sein Smartphone bezahlen kann – oder über ein Mobilgerät, das in das Cockpit integriert ist. Auf Basis der Fahrzeugdaten und der Nutzerprofile können Dienstleister außerdem gezielt Werbeaktionen starten. So erschließen Automobilhersteller zahlreiche Cross-Selling und Up-Selling-Möglichkeiten.

Welche weiteren Fortschritte erwarten Sie im nächsten Jahr?

Automobilhersteller wollen vor allem Service-Geschäftsfelder rund um das vernetzte Auto erobern. Hier eröffnet sich ein großer Markt für sie, denn die Autobauer können über den eigentlichen Verkauf hinaus eine langfristige Kundenbeziehung aufbauen. SAP wird im Spätsommer 2015 ein Geschäftsnetzwerk rund um das Thema Connected Car starten. Hier werden auch Betreiber von Parkplätzen, Tankstellen sowie von Schnellrestaurants und Fastfoodketten angebunden sein.

 

Bildquelle: Shutterstock

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