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NFC, Beacons und Co: Die wichtigsten Handels-Technologien

Feature | 19. August 2015 von Andreas Schmitz 0

Ob Near-Field-Communication (NFC), Beacons oder mobiles Payment: Diese neuen Technologien versprechen laut „Technologie-Atlas“ hohen Nutzen bei geringem Implementierungsaufwand.

Omnichannel-Ansätze, die Einbindung mobiler Endgeräte und Big-Data-Lösungen sind aktuell die drei Themen, die den Handel bewegen. Doch mit welchen Technologien sollten sich Unternehmen im Handel jetzt konkret auseinandersetzen? Der „Technologie-Atlas Einzelhandel“ – unter anderem vom Beratungshaus KPMG und dem EHI Retail Institute herausgegeben – hat sämtliche Technologien detailliert beschrieben. Hier eine Auswahl aus den drei Bereichen, die nach Ansicht der Experten hohen Nutzen bei geringem Implementierungsaufwand versprechen, den „Data-Carrier-Technologien“, den In-Store-Technologien und den Marketing-Technologien:

1. Near Field Communication (NFC)

NFC ist eine drahtlose Übertragungstechnologie, die besonders beim mobilen Bezahlen eingesetzt werden kann. So kann ein Chip einer Kreditkarte mit einem anderen „Objekt“ kommunizieren. Ein Kunde braucht lediglich seine Kreditkarte oder aber sein Smartphone mit Bezahl-App an ein Lesegerät zu halten und schon wird der ausstehende Betrag beglichen. Anders als bei der RFID-Technologie können die Chips Daten miteinander austauschen und damit potenziell auch gezielt Angebote machen und Rabattaktionen per Smartphone ermöglichen.

2. Bluetooth Low Energy (BLE) – „Beacons“

Nach dem Prinzip des „Leuchtfeuers“ sind die Signale so genannter Beacons auf einen kleinen Umkreis von 70 Metern begrenzt. Beacons sind kleine Sender, die auf Bluetooth-Basis  funktionieren. Deren Services können beispielsweise über eine App auf dem Smartphone genutzt werden. Wer einen Laden betritt, bekommt etwa einen Guide an die Hand, der den Kunden zu den gesuchten Produkten lotst, unterbreitet aufgrund der bisherigen Kaufhistorie individuelle Angebote oder informiert über besondere Angebote von Konsumgüterherstellern. Zudem bekommt der Kunde beim Betreten des Ladens Bonuspunkte gut geschrieben. „Beacons werden derzeit noch nicht flächendeckend eingesetzt, sind jedoch vergleichsweise günstig, sodass man sie einfach mal ausprobieren kann“, meint Mark Sievers, Partner und Head of Consumer Markets beim Beratungshaus KPMG: „Händler sollten allerdings darauf achten, dass sie die Kunden nicht überfrachten.“

Die wichtigsten IT-Projekte in Handelsunternehmen beschäftigen sich aktuell damit, ihre Kanäle Omnichannel-fähig zu machen, mit der Zentralisierung und Modernisierung der Warenwirtschaftssysteme und der Lieferkette. Bevor moderne Technologien anstehen, sind also noch die Hausaufgaben zu erledigen. Grafik: Technologie-Atlas, 2015

Die wichtigsten IT-Projekte in Handelsunternehmen beschäftigen sich aktuell damit, ihre Kanäle omnichannel-fähig zu machen, mit der Zentralisierung und Modernisierung der Warenwirtschaftssysteme und der Lieferkette. Bevor moderne Technologien anstehen, sind also noch die Hausaufgaben zu erledigen. Grafik: Technologie-Atlas, 2015

3. Electronic Shelf Displays

Ähnlich wie auch bei Tankstellen, bei denen zentral die Preisschilder für den Liter Benzin, Super oder Gas angepasst werden, ist das auch im Supermarkt möglich. Vorteil: „Dynamic Pricing“ schafft die Möglichkeit, auf wechselnde Nachfrage schnell zu reagieren oder „Happy Hours“ mit reduzierten Preisen zu initiieren, ohne die Belegschaft mit neuen Etikettierungen beauftragen zu müssen. Prognostiziert die Wettervorhersage gutes Wetter, ist realistisch, dass etwa Bier und Grillkohle besonders gefragt sein werden: Durch die große Nachfrage könnte es sich lohnen, die Preise hochzusetzen.

4. Electronic Product Code Information System (EPCIS)

Von der Produktion und den Inhalten der verarbeiteten Stoffe bis hin zum Verkauf sind Händler zu Transparenz verpflichtet. Grund dafür ist die Lebensmittelverordnung der EU. Schon über RFID-Transponder werden einige Daten übermittelt, wie etwa der Produktcode, Zeitstempel oder der Status. EPCIS ist ein Standard, der 2007 von der belgischen Standardisierungsorganisation GS1 geschaffen wurde, um die RFID-Informationen durch so genannte EPCIS-Ereignisse zu ergänzen. Das Ziel ist es, Transparenz und Kontrolle über die gesamte Lieferkette zu verbessern. „Bei jeder Tüte Milch ist klar, wo die Kuh stand, wo die Milch verpackt wurde und über welche Wege sie zum Händler ins Regal gelangt ist“, bringt es Andreas Wormbs, Industry Principal Trade der SAP auf den Punkt. EPCIS ersetzt den Standard für den elektronischen Datenaustausch EDI nicht, sondern ergänzt ihn – und zwar durch deren „zeitpunktbezogene Protokollierung“. Und zwar auf Basis von Daten aus dem eigenen Unternehmen wie auch von Zulieferern.

5. SB-Kassen/Self Checkout-Systeme

Die Idee ist, dass der Kunde seine Waren selbst erfasst und bezahlt, ohne dass Personal dafür nötig ist. So gibt es etwa bei großen Möbelhäusern getrennte Kassen, an denen der Kunde seine Produkte selbst scannen und bezahlen kann. Etwaige Coupons werden beim mobilen Bezahlen automatisch über die Kundenkarte oder spezifische Apps mit erfasst.

6. Mobile Payment

Für das mobile Zahlen ist es erforderlich, dass es sowohl für den Händler als auch für den Kunden sicher und die Transaktion ohne Eingabe einer Geheimzahl oder einer Unterschrift möglich ist. Zur Authentifizierung hinterlegt der Kunde etwa Daten seiner Kreditkarte und seines Personalausweises. Diese persönlichen Daten sind die Grundlage dafür, mit der mobilen Geldbörse oder einer Mobile-Payment-App bezahlen zu können.

Es gibt verschiedene Technologien, die dazu in der Lage sind. Dazu gehört die Near Field Communication (NFC) (s.o.). Hier fungiert das Smartphone als Lesegerät und elektronische Chipkarte, das beim Bezahlen lediglich nah an die Kasse gehalten werden muss, und die nötigen Kreditkartendaten aus dem Smart Phone ausliest. Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Kunde über einen Quick Response Code, kurz QR-Code, die Rechnung begleicht. Dafür gibt die Kasse beispielsweise einen Kassenzettel mit QR-Code aus. Der Kunde scannt ihn ab und schon ist der mobile Zahlungsverkehr eingeleitet. Noch neu als Mobile-Payment-Technologie ist Bluetooth Low Energy (BLE). Der Vorteil liegt darin, über weitere Distanzen als NFC Finanzdaten übertragen zu können. Bisher wird sie etwa für Beacons vor allem für die Innenraumnavigation und Push-Nachrichten genutzt.

Omnichannel: Nur 12 Prozent der Firmen halten sich für „gut aufgestellt“

Sämtliche Technologien machen besonders Sinn, wenn der Händler bereits eine Omnichannel-Strategie verfolgt. Allerdings geht aktuell nur jedes zehnte Unternehmen (zwölf Prozent) davon aus, bereits gut aufgestellt zu sein. „Schon lange diskutiert, noch lange nicht ganzheitlich umgesetzt“, lautet das Urteil über Omnichannel im Handel von KPMG-Mann Sievers. Nicht nur einen zweiten neben dem ersten Kanal etablieren, sondern alle genutzten Kanäle miteinander vernetzen: Das ist die einfach klingende Mission. Tatsächlich aber bedeutet das oft, dass die Warenwirtschaftssysteme zunächst zentralisiert und modernisiert werden müssen, dass eine Omnichannel-Strategie gefunden und finanziert werden muss, dass neue Kassen her müssen. „Wir treffen bei Kunden noch immer auf eigenentwickelte Warenwirtschaftssysteme, die in den Jahren im Unternehmen gewachsen sind und entweder gar nicht oder nur mit großem Aufwand in Richtung Omnichannel modernisiert werden können“, erläutert SAP-Experte Wormbs.

Ebenso wichtig für die Händler laut dem Technologie-Atlas: Das Lieferkettenmanagement. Andreas Wormbs wundert das wenig. Früher waren Beschaffung und Verkauf prozessual getrennt und der Vertrieb musste das verkaufen, was der Einkauf eingekauft hat: „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Heute richten die Händler ihre Lieferketten eng am Bedarf des Kunden aus. Oder wie Wormbs sich ausdrückt: „Die Prozesskette wird umgedreht.“ Moderne Warenwirtschaft und Lieferkette, gute Omnichannel-Strategie: Ohne diese Brot- und Butter-Themen schon im Griff zu haben, werden die oben genannten Technologien nur teilweise den Erfolg entfalten können, der potenziell in ihnen steckt.

Den vollständigen Technologieatlas, den die GS1, das EHI Retail Institute, Bitkom und KPMG gemeinsam herausgeben, gibt es hier zum Download.

Bildquelle: Shutterstock

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