Ohne SOA verpufft heilende Wirkung

Feature | 2. Oktober 2008 von admin 0

Serviceorientierte Architekturen bestehen nicht ausschließlich aus einem Bündel technischer Funktionen. Diese Definition wäre zu kurz gegriffen. Sie lässt die Wirkung einer SOA ebenso verpuffen wie eine medizinische Therapie, die den Menschen nicht als ganzheitliches biologisches System versteht.

Viele Informatik-Organisationen tun aber genau dies: Sie setzen SOA mit technischen Funktionen gleich. Daraus entsteht eine große Menge an Services, die sich kaum mehr mit dem Business-Modell der Kernanwendungen in Einklang bringen lässt. SOA-Governance-Prozesse, die die Nutzung der Services regulieren könnten, fehlen hingegen. Systemintegratoren, Programmierer oder Architekten greifen zu selten auf bereits vorhandene Services zurück, die etwa vom Softwarelieferanten im Rahmen seiner Standardsoftware bereits gepflegt oder durch andere Teams entwickelt wurden.

Die daraus resultierende Komplexität führt zu Strukturen, deren Wartung und Pflege aufwendiger ist als bei bisher bestehenden IT-Landschaften. Dadurch schwinden die wichtigsten Vorteile einer SOA, wie etwa die Wiederverwendbarkeit und die niedrigeren Betriebskosten. Es braucht deshalb eine Plattform, die über diese Technologie hinausgeht.

Zuverlässige Plattform

SAP for Healthcare liefert als einziger Anbieter im Schweizer Gesundheitswesen nicht nur eine Enterprise SOA (eSOA)-Integrationsplatform als umfassende Umgebung für die Anwendungsentwicklung und Methodologie, sondern auch Standard Enterprise Services. Diese wurden in den vergangenen Jahren stufenweise und gemeinsam mit Kunden, Partnern und sogar Mitbewerbern in so genannten „Community Definition Groups“ entwickelt.

Sie werden seit diesem Jahr regelmäßig ausgeliefert. Gemeinsam mit der SAP NetWeaver-Integrationsplattform bilden die Enterprise Services die SAP Business Process Plattform for Healthcare. Damit können SOA-Projekte effizient umgesetzt und das Krankenhausinformationssystem (KIS) nahtlos integriert werden. Zudem lassen sich Fehlinvesitionen vermeiden.

Services und Organisation

Eine Enterprise SOA sorgt für bessere abteilungsübergreifende Effizienz und mehr Flexibilität. Das setzt allerdings eine Diskussion über Organisationsstrukturen im Krankenhaus voraus. Themen wie das Shared-Service-Modell und abteilungsübergreifende IT-Budgets bedürfen ebenfalls eingehender Erörterungen.

Im Gegensatz zu traditionellen Einführungsprojekten sollte das Enterprise-SOA-Kompetenzzentrum noch vor der Prozessanalyse und der Entwicklung des Lösungsdesigns etabliert werden. Aufgabe des Zentrums ist es, ein unternehmensweites SOA-Governance-Regelwerk einzuführen und zu überwachen. Ein SOA-Kompetenzzentrum hilft, Kosten zu reduzieren, Risiken zu minimieren, Geschäftsprozesse zu optimieren und integriert Funktionalität, Prozesse und Daten. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit von Administration, Medizin und IT.

Als Hilfsinstrument für Governance hat SAP den Enterprise Service Workplace (ES Workplace) im Internet publiziert. Hier können Kunden und Partner durch verschiedene anwenderspezifische Navigationssichten und die integrierte Volltextsuche alle Enterprise Services schnell finden, testen und direkt für die Entwicklung von zusammengesetzten Anwendungen, so genannten Composite Applications, die Prozessautomatisierung oder eine Application-to-Application (A2A)-Integration verwenden. Über den ES Workplace veröffentlicht SAP alle im Standard ausgelieferten Enterprise Services in einem zentralen Verzeichnis.

EAI versus Enterprise SOA

Doch wozu überhaupt eine Enterprise SOA einführen? Bis heute haben die Schweizer Spitäler Systeme auf Basis von Enterprise Application Integration (EAI) zusammengeführt und Geschäftsszenarien über spezielle anwendungsspezifische Schnittstellen verknüpft. Anders gesagt: Integriert wurden Daten, keine Prozesse. Denn der Schwerpunkt von EAI liegt auf der Datenintegration und der systemübergreifenden Nutzung einheitlicher Formate.

Nur wenige EAI-Tools ermöglichen eine systemübergreifende Integration. Sie konzentrieren sich auf einzelne Anwendungen und lassen dabei größere Probleme außer Acht. Und auch die komplexe „Many-to-Many“-Integration, also die Integration vieler Anwendungen ineinander, ist mit ihnen nicht möglich. Kurz: Sie unterstützen die Optimierung mancher Prozesse, können aber keine wirtschaftliche Veränderung realisieren, wie sie durch eine einheitliche Reihe von Prozessen erreicht wird.

Aus der EAI-Technologie heraus wurden während der vergangenen Jahre individuelle Web-Services entwickelt. Derzeit werden vor allem Detailfunktionen einzelner Anwendungen aufgerufen. Der echte Vorteil solcher Web-Services kommt jedoch erst zum Tragen, wenn sich Szenarien auf Spitalebene, die Services umfassen und Funktionen mehrerer Anwendungen kombinieren, als Geschäftsservices abbilden lassen.

Aus Sicht der Krankenhäuser beinhaltet beispielsweise eine Patientenaufnahme einige funktions- und anwendungsübergreifende Aktionen. So müssen generell etwa folgende Daten angelegt werden:

  • Patientendaten
  • Krankheitsfall
  • Debitor
  • Innenauftrag
  • Versicherungsverhältnis
  • Kontakt

Jede dieser Aktionen kann von einem Web-Service oder einem Anwendungsservice ausgeführt werden, der von verschiedenen Systemen angeboten wird. Ein komplexes abgeschlossenes Szenario zur Patientenaufnahme wäre ein äußerst sinnvoller Business Service, der sich einfacher in klinische Systemen integrieren lässt.

SAP hat dies in die Praxis umgesetzt und eine Technologie entwickelt, die die Syntax und Standards von Web-Services erweitert, um betriebswirtschaftlich nutzbare Enterprise Services einführen zu können. Enterprise Services sind kontextspezifische Services auf betriebswirtschaftlicher Ebene. Wie alle anderen Web-Services können auch Enterprise Services auf mehrere Anwendungen und einzelne Web-Services zugreifen. Außerdem können sie genau wie Web-Services die Komplexität der verschiedenen zugrunde liegenden Aktionen und Systeme abstrahieren.

Um auf das Beispiel der Patientenaufnahme zurück zu kommen: Enterprise Services fassen die einzelnen Aktionen zu einem geschäftsrelevanten Service zusammen, verknüpfen somit Technologie und Betriebswirtschaft.

Prozess-Integration mit SAP

SAP NetWeaver Process Integration (SAP NetWeaver PI) ist eine Weiterentwicklung der SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP NetWeaver XI) und verstärkt den technologischen Unterbau für Enterprise SOA. Neben den für den Gesundheitsmarkt notwendigen Kommunikationskomponenten wie dem HL7-Adapter enthält SAP NetWeaver PI dem UDDI 3.0-konforme Enterprise Services Repository (ES Repository), das zusammengesetzte Anwendungen und Enterprise Services verbindet.

Mit dem ES Repository können Krankenhäuser den Einsatz einer Enterprise SOA noch einfacher gestalten. Das Repository bietet Zugriff auf über 1.000 Standard-Services, die von SAP, Partnern und Kunden definiert wurden, um neue Geschäftsprozesse zügig umzusetzen. Im Unterschied zu anderen Systemen, die ausschließlich Web-Services verwalten, enthält das ES Repository zusätzlich zu den Service-Definitionen auch Geschäftsprozess- und Objektmodelle. Kunden und Partner können so gemeinsame Regeln für die Modellierung neuer Anwendungen und die Wiederverwendung von Komponenten festlegen und dabei auf die SAP Best Practices zur Entwicklung und Verwaltung von Enterprise Services zurückgreifen.

Die Enterprise SOA ist eine mit Inhalt gefüllte Umgebung, die sich an die wandelnden Anforderungen flexibel, wartungssicher und schnell anpassen lässt. Voraussetzung sind klare, betriebswirtschaftliche Ziele, die Durchsetzung komplexitätsbegrenzender Regeln und eine strenge Kontrolle der entstehenden Architektur durch SOA Governance. Ohne sie verpufft die heilende Wirkung der Services.

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