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Mit 180 in die Digitalisierung

Feature | 18. Januar 2017 von Michael Zipf, Angela Klose 0

Tempomacher und Datenanalysten aufgepasst: Auf der Opel-Teststrecke gibt das Internet der Dinge so richtig Gas.

Feuchtwärmekammer, Schlammbad, Salznebelkammer – was sich anhört wie ein Wellness-Programm, bedeutet für die Autos puren Stress: Auf der Teststrecke der Adam Opel AG im hessischen Dudenhofen unterzieht der Automobilhersteller seine neuen Fahrzeuge einem mehrmonatigen Härtetest. Es gilt herauszufinden, ob die Neuentwicklungen den vielfältigen Klima- und Straßenverhältnissen auf Dauer gewachsen sind.

Da werden die Autos über Kopfsteinpflaster und Bodenwellen gesteuert, in Schlaglöcher und gegen Wildschweinattrappen gelenkt, Salzwasser, Schlamm, Kälte und Hitze ausgesetzt. Schließlich soll der Wagen später zehn Jahre lang gefahren werden und dabei rund 200.000 Kilometer zurücklegen. Nach sechs Monaten Dauereinsatz und 24-Stunden-Betrieb sind die Kisten reif für den Schrottplatz. Kein Wunder, dass ein Teilbereich des rund 2,8 Quadratkilometer großen Geländes mitten im Wald und etwa 50 Kilometer von der Opel-Zentrale in Rüsselsheim entfernt „Torture Track“ heißt.

Partnerschaft von Opel und SAP

Den Teilnehmern des SAP Automotive Advisory Councils, das aufgrund der intensiven Partnerschaft zwischen GM/Opel und SAP hier Station machen konnte, hatte es kürzlich ein anderes Teilstück des Testcenters angetan: die kreisförmige und steilwandige Hochgeschwindigkeitsstrecke. Auf ihr brettern die neuen Modelle mit bis zu 250 Stundenkilometern – sofern die Motoren das hergeben – nur knapp von breiten Leitplanken entfernt entlang. Falls einer der Teilnehmer kurz gehofft hatte, beim Selbsttest in diese Regionen vorzudringen, dann platzte diese Hoffnung so schnell wie ein Reifen auf dem Nagelbrett. Edina Sewell aus der SAP Industry Business Unit Automotive teilte ihnen mit, sie dürften leider die Höchstgeschwindigkeit von 180 Stundenkilometern nicht überschreiten. „Denken Sie daran“, sagte Sewell mit einem Augenzwinkern, „wir haben in den Wagen Dongles installiert, die jede Bewegung auf der Strecke dokumentieren. Wir haben Sie im Blick!“

SAP Vehicle Insights

Die seit Juli 2016 allgemein verfügbare Lösung SAP Vehicle Insights unterstützt Firmen bei der Verwaltung vernetzter Fahrzeuge. Dazu gehören grundlegende Datenanalysen zur Fuhrparkanalyse, Fahrzeugdiagnose und für Mobility-as-a-Service-Szenarien.

Unternehmen können umfassende Informationen zu ihrer Flotte sowie wichtige fahrzeugspezifische Daten wie etwa die Gangwahl oder Tankstopps, aber auch Kennzahlen für wirtschaftliches Fahren oder Heat Maps nutzen. Das gibt ihnen die Möglichkeit, einzelne Fahrzeuge wie auch den gesamten Fuhrpark besser zu verwalten. Mit Predictive-Maintenance-Funktionen für Kilometerzähler und Reifenabnutzung lassen sich Reparaturen effizienter planen und Kosten einsparen.

Mit SAP Vehicle Insights können Unternehmen die in Fahrzeugen gesammelten Daten mit externen Informationen und Geschäftszahlen kombinieren. Anhand der Echtzeit-Analyse- und Prognosefunktionen lassen sich wertvolle Einblicke gewinnen. Unternehmen sind so in der Lage, Neuentwicklungen mit vernetzten Fahrzeugen schneller auf den Markt zu bringen.

Mehr über SAP Vehicle Insights lesen Sie hier.

Demo unter Livebedingungen: Daten in Echtzeit via SAP HANA Cloud Platform

Die Dongles sind kleine Geräte, die Daten aus dem Fahrzeug über das Mobilfunknetz an die SAP HANA Cloud Platform sendeten, um den Teilnehmern SAP Vehicle Insights zu demonstrieren. Unter Live-Bedingungen. Denn die Daten zu Geschwindigkeit, Motorleistung und Temperatur wurden in Echtzeit übermittelt, so dass die Software unter anderem Durchschnittsgeschwindigkeit und Benzinverbrauch ermitteln konnte. Zuvor hatte das Vehicle-Insights-Team via Geofencing Start- und Zielbereich der Testrunden festgelegt. Auf den am Testgelände installierten Bildschirmen konnten die Teilnehmer dann sehen, wer gerade in welchem Wagen auf welchem Teilstück unterwegs ist und wer die Rangliste der sparsamsten Fahrer anführt.

Fahrzeuge und Maschinen sind immer häufiger Bestandteil digitaler Geschäftsabläufe.

Seit Juli 2016 ist SAP Vehicle Insights global verfügbar, wie Stephan Brand, Leiter Internet of Things (IoT) and Moving Assets im Vorstandsbereich Products & Innovation, erläuterte. Dabei beschränkt sich die Lösung nicht auf die Automobilbranche. „Fahrzeuge und zunehmend auch Maschinen sind immer häufiger Bestandteil digitaler Geschäftsabläufe. Ob der Lkw auf der Straße, der Gabelstapler im Lager oder der Bagger auf der Baustelle: Sie alle müssen so effizient wie möglich operieren.“

Mobilitätsdienste für das vernetzte Fahrzeug anbieten

In der Branche gehe es längst nicht mehr nur darum, Fahrzeuge zu verkaufen, sondern Mobilitätsdienste rund um das vernetzte Fahrzeug anzubieten, ergänzte Stefan Krauss, Global General Manager „Discrete Industries“ bei SAP. SAP Vehicle Insights zeige, wie Unternehmen Nutzen aus der Digitalisierung ziehen könnten. „Die Lösung liefert auf Basis einer großen Masse an Daten genau die Einsichten, die man benötigt, um die richtigen Schlüsse zu ziehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.“

So wie es Toyota Material Handling USA, der weltweit größte Hersteller von Gabelstaplern, bereits mit einem Proof of Concept gezeigt hat. SAP Vehicle Insights ermöglicht den Kunden von TMHU, jederzeit zu sehen, welcher Gabelstapler wo im Einsatz und in welchem Zustand er ist. So kann eine Firma ihre Stapler besser auslasten.

Rund 820 Kilometer legten die Fahrer auf der Opel-Teststrecke zurück. Alle hatten sichtlich ihren Spaß. Na ja, fast alle. Einer beschwerte sich schmunzelnd über die holprige Spritztour über Bodenwellen und Schlaglöcher. Die sei „wenig komfortabel“ gewesen. Aber dass SAP ihm die Möglichkeit geboten hatte, „das Internet der Dinge zum Anfassen und unter Live-Bedingungen zu erleben“, fand er „super interessant“.

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