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openSAP: SAP-Know-how auf Eigeninitiative

Feature | 26. Juli 2017 von Andreas Schmitz 21

Knapp viereinhalb Jahre nach dem Launch der openSAP-Plattform haben sich die kostenlosen Online-Kurse, Massive Open Online Courses genannt, als Weiterbildungsformat für SAP-Themen längst etabliert. 125 „MOOCs“ gibt es bereits, mehr als 500.000 Mal wurden bereits Abschlusszertifikate vergeben.

openSAP Enterprise MOOC von SAP: Das Prinzip

Das Prinzip der klassischen „Massive Open Online Courses (MOOC)“ bei SAP ist einfach: In etwa zehnminütigen Videos präsentieren Experten online fachliche Inhalte über In-Memory-Technologie, die SAP Cloud Platform, Machine Learning und SAP S/4HANA. Zwei Fragen im Anschluss an die Präsentation geben dem Online-Lerner eine kurze Einschätzung darüber, ob er aufgepasst hat und den Stoff verstanden hat. Nach jeder Woche gibt es eine Deadline, bis zu der ein gewisses Pensum absolviert sein muss. Sechs dieser einwöchigen Lerneinheiten stehen etwa im aktuellen rund sechswöchigen Kurs über SAP Leonardo „Touch IoT with SAP Leonardo“ an. In einem Abschlusstest zeigt sich, ob der Teilnehmer den Stoff verinnerlicht hat und sein Abschlusszertifikat verdient. „Dem Teilnehmer wird überlassen, wann er lernt“, erläutert Clemens Link, der die openSAP genannte MOOC-Plattform vor vier Jahren auf den Weg gebracht hat. „Wer eine hohe Punktzahl erreichen will, sollte darauf achten, dass er keine Deadline reißt.“

openSAP: 125 Kurse, 2 Millionen Anmeldungen

Mehr als 125 Kurse sind inzwischen auf der Plattform zu finden. 500.000 durchschnittlich 34 Jahre alte Lerner haben sich zwei Millionen Mal zu Kursen angemeldet. Für den ersten Kurs über SAP HANA wie auch SAP S/4HANA schrieben sich jeweils über 40.000 Interessierte ein, im aktuellen SAP-Leonardo-Kurs sind derzeit mehr als 18.000 Teilnehmer mit dabei. Jeder vierte macht – so Links Daumenregel – auch seinen Abschluss. Thematisch orientieren sich die Kurse an Top-Themen, die das SAP-Management vorgibt – augenblicklich also unter anderem SAP Leonardo, SAP S/4HANA, die SAP Cloud Platform sowie Produkt-ferne Themen etwa über Data Science. Im Vergleich zu den Vorreitern der MOOCs aus den USA, speziell der von der Standford-Universität betriebenen Plattform Coursera, edX von der Harvard-Uni zusammen mit dem MIT und der privat etwa durch Google und Facebook unterstützten Plattform Udacity, sind 25 Prozent eine gute Quote, denn dort liegt sie weit darunter. Durchschnittlich lediglich zwischen drei bis sieben Prozent machen tatsächlich einen Abschluss.


SAP-MOOCs auf openSAP: Fakten auf einen Blick

  • Start: 2013; Kurse bisher: 125
  • Erster Kurs: Introduction to Software Development on SAP HANA, mehr als 50.000 Teilnehmer
  • Kursanmeldungen: 2 Millionen Anmeldungen; bisher vergebene Zertifikate: 500.000
  • Bestbesuchte Kurse: SAP HANA (ca. 40.000) und SAP S/4HANA (ca. 40.000)
  • Teilnehmer: SAP-Partner (50 %), SAP-Kunden (30 %), SAP-Mitarbeiter (12 %), Studenten und Freiberufler (8 %); 90 % mit geschäftlichem Hintergrund
  • Durchschnittsalter der Teilnehmer: 34 Jahre (zwischen 22 und 80)
  • Umfrage (auf Basis von 65.000 Teilnehmern): 50 % empfehlen Kurse weiter (Net Promoter Score, NPC); 94 % sind davon überzeugt, dass ihnen die vermittelten Fähigkeiten in ihrer künftigen Arbeit helfen;  98 % sind mit der openSAP Learning Experience (sehr) zufrieden; 96 % sind mit den Inhalten der openSAP-Kurse (sehr) zufrieden; 99 % können sich vorstellen, wieder an einem openSAP-Kurs teilzunehmen

openSAP-Lesson-Learned: Teilnehmer wollen mehr als nackte Folien

Für Michaela Laemmler, die bis zum Start von openSAP vor vier Jahren vorrangig in der „Education Production“ arbeitete und nun das openSAP-Team führt, bedeuteten die MOOCs einen Paradigmenwechsel. „Wir haben damals die Trainings bauen lassen und angeboten, aber selten Feedback von den Teilnehmern bekommen“, resümiert die studierte Lehrerin diverse E-Learning-Ansätze: „Es motiviert das Team ungemein, positives Feedback für gelungene Inhalte zu bekommen“, so Laemmler, die zudem davon profitiert, dass Fragen sofort gestellt werden, wenn etwas nicht verstanden wird und Teilnehmer Anregungen geben, was man besser machen kann. Auch deutliche Kritik bringt das openSAP-Team weiter, sollte die Präsentation schlecht sein oder der Experte für die Vermittlung der Inhalte nicht der richtige. Schon nach den ersten vier Jahren ist klar: Allein mit nackten Folien lassen sich die Online-Schüler nur ungern abspeisen. „Sie wollen im System sehen, wie die Anwendungen aussehen und selbst Zugriff haben“, benennt openSAP-Portfolio-Manager Link wichtige Lessons Learned, „sie wollen sehen, wie die Software wirklich funktioniert.“

MOOC: Fristen und Punkte motivieren, dabei zu bleiben

Während E-Learning „immer da“ ist und Lernsequenzen auch gerne verschoben werden können, gibt SAP für ihre MOOCs Fristen vor. Für jede erfolgreich absolvierte Lerneinheit gibt es Punkte. „Man sieht seine eigenen Fortschritte und ist dadurch motiviert“, meint Link, der selbst bereits mehr als 50 MOOCs erfolgreich abgeschlossen hat – allein schon, um auf dem Laufenden zu bleiben, wie die neuen Kurse aus Stanford, Harvard, oder von Google und Microsoft aufgebaut sind. Am 27. Juli 2017 wird der erste Kurs aus einer Serie über SAP Leonardo enden. Danach wird es nur noch über ein Hintertürchen möglich sein, das Zertifikat (gegen eine Gebühr von 39 Euro für einen „Reactivation-Code“) nachzuholen. Doch fehlt dann das Gefühl, mit tausenden von anderen weltweit zusammen zu lernen. Zudem ist der Inhalt ein paar Monate nach dem Ende eines Kurses vielleicht schon überholt. Immerhin ein paar tausend Nachzügler haben von dieser Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht. Zudem wiederholt SAP einzelne Kurse, die besonders viel Nachfrage haben.

In-Memory-Data-Management: HPI-MOOC brachte Initialzündung

Nicht ganz „unschuldig“ an den ersten Enterprise MOOCs von SAP war Hasso Plattner. Denn Ende 2012 startete der SAP-Gründer und Vordenker einen Feldversuch mit einem Pilot-MOOC im Hasso Plattner Institut über das Thema „In-Memory-Daten-Management“. 12.000 Teilnehmer mobilisierte das HPI aus dem Stand – mit einem Kurs, den das Forschungsinstitut aus mitgefilmten Vorlesungen von Hasso Plattner zusammengestellt hatte, die in verdaubare Lektionen zusammengeschnitten worden waren. Für Clemens Link war das der Startschuss dafür, dieses Thema auch bei SAP anzuschieben. Zumal schon von den ersten Plattformen aus den USA längst klar war, dass weit mehr Business-Kunden als Studenten an den Online-Kursen teilnahmen. Manager und Spezialisten in den Firmen schrieben sich in die Kurse ein, um sich auf dem Stand technologischer Entwicklungen zu halten. 2013 startete Link dann erstmals Kurse über SAP HANA, Design Thinking und Mobile Development auf der openSAP-Plattform. In den Folgejahren sind es dann schon mehr als 30 Kurse pro Jahr. In diesem Jahr 2017 sind bereits etwa 20 MOOCs absolviert, weitere 20 werden noch kommen und jeweils etwa vier bis acht Wochen vor dem Startschuss angekündigt.

Jeder zweite openSAP-Nutzer kommt von SAP-Partnern

openSAP war innerhalb von SAP lange Zeit nicht unumstritten. Schließlich gibt es kostenlos SAP-Know-how für alle. Die Frage war, was SAP dafür zurückbekommt. Inzwischen zeigt sich, dass nicht nur SAP-Kollegen selbst openSAP als Weiterbildung nutzen und damit Ressourcen für interne Weiterbildung schonen, sondern auch besonders SAP-Partner und -Kunden die Möglichkeit nutzen, sich auf dem Stand zu halten. Von einigen SAP-Partnern, die über die Hälfte aller Nutzer ausmachen, sind mehrere tausend Teilnehmer in openSAP registriert. Es unterstützt also das SAP-Ökosystem, dessen Hauptaufgabe darin besteht, SAP-Software bei Kunden zu implementieren. Vor allem freut openSAP-Portfoliomanager Link, dass ihm die Kurse neuerdings quasi zugeflogen kommen: „Ich brauche nur warten, bis Kollegen die richtigen Kurse anbieten – und wir starten mit der Produktion der Videos.“

Weitere Informationen:

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