Ordnungsgemäß für die Entsorgung erfasst

Feature | 17. Oktober 2005 von admin 0

Neuentwicklungen, technische Weiterentwicklungen bestehender Produkte sowie eine kürzere Nutzungsdauer von Elektro- und Elektronikgeräten haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, das Aufkommen an Geräteabfall beträchtlich zu erhöhen. Um die zu beseitigende Abfallmenge zu vermeiden oder zu verringern beziehungsweise deren Recycling-Anteil heraufzusetzen, hat die Europäische Union mit der Richtlinie 2002/96/EG “über Anforderungen an die Rücknahme und Verwertung von Elektro- und Elektronik-Altgeräten” die Hersteller in die Pflicht genommen, für die Rücknahme und Verwertung ihrer Geräte zu sorgen.
Der Anwendungsbereich der EU-Richtlinie ist sehr weit gefasst und erstreckt sich auf sämtliche Geräte, die zu ihrem Betrieb elektrische Energie benötigen. Die Richtlinie umfasst nicht nur Geräte aus Haushalt, Freizeit, Sport und Unterhaltungselektronik von Privathaushalten. Sie beinhaltet auch Geräte aus dem gewerblichen Bereich wie elektrische und elektronische Werkzeuge, IT- und Telekommunikationsgeräte bis hin zu Beleuchtungskörpern, Ausgabegeräten, Kontrollinstrumenten und medizinische Geräten. Damit betrifft die Neuregelung eine Vielzahl von Branchen.

Neue Herausforderungen für Hersteller

Am 13.08.2005 ist die EU-Richtlinie 2002/96/EG, auch WEEE genannt für: “Waste on Electric and Electronic Equipment”, in der gesamten Europäischen Union in Kraft getreten. Wie diese Richtlinie jedoch in den einzelnen Mitgliedsstaaten in der Praxis umgesetzt wird, bleibt den jeweiligen Regierungen überlassen.
Hersteller, die ihre Produkte nur national vertreiben, müssen ihren Geräteabsatz mit Geräteklassifizierung und Gewichtsmenge entsprechend der Reportinganforderungen des jeweiligen Landes erfassen und melden. Für Unternehmen, die ihre Produkte europaweit vertreiben, ist die Herausforderung jedoch größer. Ob für den Computer aus den USA oder die Spielekonsole aus Asien: unabhängig vom Sitz des Unternehmens müssen europaweit auftretende Hersteller die unterschiedlichen zeitlichen und praktischen Umsetzungen der Sammel-, Verwertungs- und Recyclingvorgaben und insbesondere der Rücknahmemodalitäten in ihren Geschäftsprozessen länderspezifisch erfassen und an die jeweiligen Stellen melden. “Die WEEE-Direktive lässt sehr viel Spielraum für nationale Besonderheiten. Dementsprechend ist die Umsetzung dieser Direktive für Panasonic mit über 15.000 Produkten weltweit eine besondere Herausforderung”, konstatiert Thomas Knopp, der Verantwortliche in der IT für die Umsetzung der europäischen Umweltcompliancevorgaben bei Panasonic Europe.
Ob die Geräte nun von privaten Haushalten oder gewerblichen Anwendern stammen, ob sie als so genannte “historische Altgeräte” vor oder als “neue Altgeräte” nach dem 13.08.2005 in den Markt gekommen sind – in der Regel werden sie in den einzelnen Mitgliedsstaaten von einer neutralen Stelle der Umweltbehörden zentral erfasst, um den jeweiligen Marktanteil der einzelnen Hersteller bestimmen zu können.

Eine Richtlinie – vielfältig in nationales Recht umgesetzt

Beispielsweise kümmert sich in Schweden die Industrieorganisation El-Kretsen bereits seit 2001 um die Rücknahme von Elektro- und Elektronikgeräten. Auf kommunaler Ebene werden die Geräte in Recyclingzentren eingesammelt, El-Kretsen sorgt anschließend für Transport, Demontage und die weitere Verarbeitung. In Finnland werden diese Aufgaben von den Dach-Organisationen der Industrie Serty Oy und Elker Oy übernommen.
In Deutschland sind die Sammelstellen ebenfalls auf kommunaler Ebene eingerichtet, wo Hersteller die Geräte abholen lassen und der Verwertung zuführen. Hersteller und Importeure von Elektro- und Elektronikgeräten in Deutschland haben sich auf die Gründung eines Elektro-Altgeräte-Registers (EAR) geeinigt. Das EAR erhält künftig eine Meldung über die in Verkehr gebrachten Geräte; am 24. November 2005 ist der Termin für das erste Reporting. Aufgrund der Meldungen ermittelt das EAR den Anteil für jeden der circa 20.000 Hersteller und koordiniert die Abholung der Altgeräte vor Ort. Verschiedene Dienstleister kümmern sich im Auftrag der Hersteller um die Abwicklung des Transports und um die Verwertung der Geräte.
In Österreich erfolgt die Registrierung der Hersteller beim Umweltbundesamt. Neben dem Kennzeichnen und Klassifizieren ihrer Produkte sind die Hersteller auch hier für das Sammeln und Recyclen verantwortlich. Entweder können sie dieser Verpflichtung durch den Aufbau eines herstellereigenen Rücknahme-Systems nachkommen oder diese Aufgabe auf Dritte übertragen. Ähnlich ist die Situation wiederum in Italien, allerdings sind hier die Handelskammern für die Registrierung zuständig.
Der Umgang mit Elektronikschrott ist aber nicht nur in der EU ein wichtiges Thema geworden. Selbst die europäischen Nicht-EU-Länder Norwegen und die Schweiz haben WEEE-ähnliche Vorgaben erlassen, und mehr und mehr außereuropäische Länder wie die USA, Korea und Japan haben bereits gesetzliche Regelungen für den Umgang mit Altgeräten oder planen, solche Regelungen früher oder später einzuführen.

Viele Länder – eine Lösung

Bearbeitungsmaske REA Recycling Administration

Bearbeitungsmaske REA Recycling Administration

So unterschiedlich die WEEE-Vorgaben der EU mit Registrierung, Rücknahmesystemen und Recyclingpartnern in den 25 EU-Staaten auch sein mögen – die Meldepflicht der Hersteller über die in Verkehr gebrachten Geräte besteht überall. Entsprechend ist diese Meldung auch das Kernstück von REA Recycling Administration. Ursprünglich von der SAP Systems Integration AG (SAP SI) für die Abrechnung des Verpackungs-Recyclings entwickelt, deckt dieses SAP Add-on neben der Batterie-Richtlinie nun auch die Anforderungen der Elektronikschrott-Richtlinie ab. Auf der Basis von SAP R/3, ab dem Release 4.6 C über SAP R/3 Enterprise aufwärts, sowie mySAP ERP 2004 ist REA modulübergreifend in der Materialwirtschaft (MM), dem Vertrieb (SD), dem Finanzwesen (FI) und dem Controlling (CO) integriert. Da REA für die benötigten Material- und Artikelinformationen direkt auf die SAP-Stammdaten zugreift, entfällt die Mehrfachpflege von Daten.
Mit Hilfe von REA lassen sich sämtliche Recycling-Partner mit den jeweils individuellen Abrechnungsregeln, Preislisten und Konditionen übergreifend in den SAP-Stammdaten pflegen. Gerade bei europaweit agierenden Herstellern sind sowohl die jeweiligen Recycling-Partner als auch landesspezifische Vorgaben für jedes Gerät auf einen Blick sichtbar. Thomas Knopp weiß die Vorzüge der Lösung für Panasonic zu schätzen:”Der größte Vorteil ist, dass REA nahtlos in die SAP-Welt integriert ist und Informationen aus den Stammdatensätzen zieht. Da die Lösung alle Einträge je Recycling-Partner und Buchungskreis verwaltet, können die unterschiedlichen Abrechnungsregeln der verschiedenen Recycling-Partner exakt berücksichtigt werden”.
Die Geräte und Gerätekomponenten lassen sich in der Warenwirtschaft entsprechend der spezifischen Vorgaben nach Typen und Kategorien klassifizieren. Die in Umlauf gebrachten Geräte und Mengenströme und die entsprechenden Gebühren lassen sich anhand der REA-Belegausgabe testatsicher nachweisen. Die Periodenmeldung mit Klassifizierung und Nettogewicht beziehungsweise Stückzahl wird auf Knopfdruck entweder monatlich, quartalsweise oder jährlich generiert und an die jeweils beteiligten Umweltorganisationen verschickt, ebenso wenig Aufwand ist für die Jahresabrechnung erforderlich.
Neben den inhaltlichen Funktionen besticht die REA-Lösung durch eine einfache und schnelle Implementierung. Als gekapselte Lösung lässt sich REA für das WEEE-Reporting problemlos einführen: ohne Auswirkungen auf den SAP-R/3- oder mySAP-ERP-Standard und ohne Beeinträchtigung der produktiven Systeme reichen für ein Standardprojekt 10 bis 15 Tage Implementierungszeit für zwei Länder. Vor allem lässt es sich flexibel an die unterschiedlichen nationalen Anforderungen anpassen. Dr. Dietmar Giljohann, bei Braun-Gillette der IT-Verantwortliche für Recyclingprozesse in Europa, und Claudia von Dungen aus der Logistik bestätigen dies: “Für den europaweiten Vertrieb von Elektrogeräten im Haushalts- und Beauty Care-Bereich bei Braun-Gillette konnte die bestehende REA-Lösung im vorgegebenen zeitlichen und finanziellen Rahmen in Portugal, Spanien und Österreich erfolgreich für die Elektronikschrottverordnung umgesetzt werden. Die größten Herausforderungen lagen dabei weniger im IT-Bereich als in den teilweise sehr kurzfristigen gesetzlichen Änderungen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten”.

Karin Fent

Karin Fent

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