Outsourcing-Konzepte im Wandel

Feature | 10. Oktober 2012 von TDS Informationstechnologie AG 0

Reiner-Wolfgang Horch, Senior Director IT Outsourcing bei der TDS

Cloud Services, Hybridmodelle und Konzepte wie „bring your own device“ – die Anzahl der von Analysten und Medien aktuell diskutierten Neuerungen ist groß. Doch welche dieser Trends bewegen CIOs und IT-Leiter tatsächlich? Reiner-Wolfgang Horch, Senior Director IT Outsourcing bei der TDS, erläutert im Interview, wie sich die Anforderungen und IT-Strategien der Unternehmen verändern und welche Konzepte für IT-Verantwortliche eine nähere Betrachtung wert sind.

Sicherheit ist auch ein häufig genannter Knackpunkt im Zusammenhang mit Cloud Services. Wie sieht hier die Akzeptanz der Cloud durch CIOs und IT-Leiter von mittelständischen und großen Unternehmen aus?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass unsere Kunden Private Cloud Services mit einem hohen Sicherheitsniveau sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. Gerade bei temporär benötigten Testumgebungen und Sandboxsystemen sind Private Cloud Services ein gerne eingesetztes Angebot, da sie Flexibilität und niedrige Kosten vereinen. Aber auch die schnelle und flexible Bereitstellung von IT-Ressourcen ist ein hoher Motivationsfaktor für den Einsatz von Cloud Services. Dabei ist generell feststellbar, dass unsere Kunden sich nicht mehr mit Hardware-Ressourcen auseinandersetzen wollen. Sie erwarten einfach einen verfügbaren Service mit bestimmten Leistungsparametern und hoher Skalierungsbandbreite.Durch Instrumente wie unseren

Cloud-Baukasten lassen sich die Cloud Services zusätzlich stärker auf individuelle Anforderungen zuschneiden. Dies senkt die Einstiegshürden in die Cloud weiter. Insgesamt rechne ich damit, dass sowohl mittelständische als auch große Unternehmen verstärkt auf Hybrid-Modelle setzen. Diese sind eine Kombination aus klassischen IT-Konzepten für individuelle Anforderungen einerseits und Cloud Services andererseits. Letztere sind insbesondere für standardisierbare Lösungen bei weniger kritischen Leistungsanforderungen geeignet.

Im Zusammenhang mit der Cloud propagieren Analysten eine neue Rolle des CIOs – weg von der IT, hin zum „Einkaufs-Manager“ für IT-Dienstleistungen. Teilen Sie diese Einschätzung?

Persönlich stehe ich diesen Prognosen skeptisch gegenüber. Ich rechne nicht damit, dass CIOs zu technikfernen Einkäufern degenerieren. Vielmehr werden sie sich meiner Einschätzung nach stärker auf ihre strategischen

Kernaufgaben konzentrieren können. Denn durch flexible Cloud Services können sie ihre IT bei Bedarf schnell an veränderte Anforderungen anpassen – einfach per Mausklick über das Self-Service-Portal ihres IT-Dienstleisters. Bislang war dies häufig mit zeitfressenden Abläufen und Genehmigungen verbunden – von der Angebotseinholung bis zur Installation und Inbetriebnahme eines Systems. Damit Unternehmen Cloud Services, die über das Beziehen reiner Rechenleistung oder Speicherkapazitäten hinausgehen, auch effizient nutzen können, müssen sie allerdings eine Voraussetzung erfüllen: Es gilt, die eigenen Anwendungen so weit wie möglich zu standardisieren. Proprietäre und heterogene Anwendungslandschaften sind erfahrungsgemäß der größte Hemmschuh auf dem Weg zur Cloud.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Der IT-Dienstleister als „Cloud Advisor“ und „Cloud Integrator“Wie verändern sich im Zusammenhang mit dem verstärkten Einsatz von Cloud Services die Anforderungen der CIOs an ihre IT-Dienstleister?

Unverändert bleibt der Bedarf an klassischen, hochgradig sicheren Outsourcing-Dienstleistungen, die die Basis für den zuverlässigen IT-Betrieb bilden. Insbesondere hochwertige Dienstleistungen wie der Betrieb komplexer, geschäftskritischer Anwendungen und das Application Management, also die Wartung, Pflege und Aktualisierung von Anwendungen, bleiben weiterhin gefragt. Hinzu kommt die wachsende Nachfrage nach ergänzenden Private Cloud Services. Ebenfalls stärker in den Fokus rückt das Beratungsangebot rund um die jeweils am besten geeigneten Sourcing-Konzepte und IT-Services. Experten sprechen in diesem Zusammenhang häufig von einer neuen Rolle des IT-Dienstleisters als „Cloud Advisor“ und „Cloud Integrator“. Denn von Dienstleistern werden künftig vermehrt Kompetenzen bei der Integration von Anwendungen und IT-Systemen verlangt, die unter Umständen auch von unterschiedlichen Anbietern stammen.

Wie realistisch ist die nahtlose Integration von Services verschiedener Dienstleister zu einem funktionierenden Gesamtpaket?

Entscheidend ist hier die bereits angesprochene Standardisierung von IT-Systemen, aber auch von Anwendungen. Dies ist übrigens noch eine der großen offenen Fragen beim Thema Cloud. Solange es keine definierten Standards für bestimmte Services gibt, bleibt die Interoperabilität teilweise auf der Strecke. Auch der theoretisch einfach funktionierende Wechsel von einem Cloud Provider zum anderen ist ohne Standards nur schwer möglich. Zumindest in dieser Beziehung steht die Entwicklung der Cloud-Angebote noch ziemlich am Anfang.

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