Big Data und die neuen Trends

Feature | 15. März 2012 von Heather McIlvaine 0

Wir erfuhren von Patrick Taylor, CEO von Oversight Systems, wie er die Zukunft von Big-Data-Analysen im Unternehmen sieht. Während des Gesprächs wurden ganz unterschiedliche Themen gestreift wie das Internet der Dinge, der berüchtigte Hacker Kevin Mitnick und der neue Film Die Kunst zu gewinnen: Moneyball.

SAP.info: Welche Trends werden 2012 den Analysebereich beherrschen?

Patrick Taylor: Zunächst lässt sich sagen, dass Big Data tatsächlich genutzt werden, um unternehmensweit bessere Entscheidungen zu treffen. Und wenn ich von Big Data spreche, dann meine ich wirklich riesige Datenmengen. Im Grunde geht es darum, dass zahllose transaktionsbezogene Detailinformationen verfügbar sind. Und dazu gehören auch Daten aus dem Internet der Dinge, wo eine enorme Anzahl Rechner Ereignisse und Daten aufzeichnen.

Diese Daten stehen uns allen zur Verfügung, aber jetzt können wir sie detailliert analysieren. Das liefert spezielle Einblicke, die für bestimmte Mitarbeiter im Unternehmen wertvoll sind. Stehen diese Kenntnisse den richtigen Personen zur Verfügung, dann können sie bessere Entscheidungen für das Unternehmen treffen. Es geht nicht mehr darum festzustellen, wie sich der Durchschnitt verändert hat. Vielmehr brechen wir die Daten auf eine individuelle und persönliche Ebene herunter und betrachten das, was ich als interessante und abweichende Ereignisse im Big-Data-Umfeld bezeichne.

SAP.info: Wie wird diese Sichtweise von Unternehmen angenommen?

Patrick Taylor: Das lässt sich am Beispiel von CRM erläutern. Ziel von CRM vor einigen Jahren war es, die Leistung der durchschnittlichen Vertriebsmitarbeiter zu verbessern. Sie sollten durch prozessbezogene Sichten und Einsicht in die Kunden der Top-Vertriebsmitarbeiter dieselben Bedingungen erhalten wie ihre Top-Kollegen. Dieses Konzept wird derzeit in allen Unternehmensbereichen eingeführt. Big Data werden mit kontinuierlichen Analysen kombiniert – eine Technologie, die nach abweichenden Ereignissen Ausschau hält. Damit erhalten durchschnittliche Mitarbeiter Einblicke, die sonst nur den besten Analysten vorbehalten sind.

SAP.info: Warum glauben Sie, dass die Beschäftigten den durchschnittlichen Entwicklungen den Rücken kehren und sich den einzelnen Ereignissen zuwenden? Was hat zu diesem Sinneswandel geführt?

Patrick Taylor: Die einzelnen Ereignisse sind es, aus denen sich der wahre messbare Nutzen der Big Data ziehen lässt. Ein wichtiger Faktor ist sicherlich die Entwicklung der  technologischen Fähigkeiten, die es den Mitarbeitern zum ersten Mal ermöglichen, diese Anomalien auch tatsächlich zu finden. Wir bei Oversight Systems haben ganz sicher zu dieser Entwicklung beigetragen. Doch im Großen und Ganzen hat sich die Analysekompetenz für alle Beteiligten stetig verbessert. Dieser Faktor wird von der Wirtschaft unterstrichen – schauen wir uns IBM an. Das Unternehmen wirbt regelmäßig für eine geschicktere Planung während der Endrunde der amerikanischen Profi-Liga im American Football. Die Daten stehen schon seit geraumer Zeit zur Verfügung, doch jetzt liegt der Schwerpunkt darauf, sie mit Analysen zu kombinieren und die Anomalien aufzuzeigen.

Dieser Wandel zeigt sich deutlich im Film Die Kunst zu gewinnen: Moneyball, der auf dem Buch Moneyball von Michael Lewis beruht. Erst als sich der Trainer des Baseballteams Oakland Athletics computergenerierten Spieleranalysen bedient und sein Team basierend auf diesen Analysen zusammenstellt, hat die Mannschaft Erfolg. Hier zeigt sich, welchen Unterschied Analysen machen können. Als der Trainer seine Einsichten umsetzt und alle Entscheidungen auf einer individuellen Ebene trifft, fährt das Team einen Sieg nach dem anderen ein.

SAP.info: Das zeigt, wie stark der Einsatz von Big Data und Analysen alle Bereiche der Gesellschaft – nicht nur die Wirtschaft oder die Informationstechnologie – durchdrungen hat.

Patrick Taylor: Stimmt. Wir müssen uns außerdem über die Auswirkungen dieser Entwicklung Gedanken machen. Laut einem jüngst erschienen Artikel vom McKinsey Global Institute steuern wir auf einen Analystenmangel zu. Es gibt nicht genügend Personen, die diese Analysetechniken beherrschen. Unsere Plattform für kontinuierliche Analysen liefert Unternehmen eine Art virtuellen Analysten. Die Plattform wird keine neuen Einblicke hervorbringen, doch sie wird nach den interessanten Ereignissen suchen, die Sie identifiziert haben, und wird den zuständigen Mitarbeiter darauf hinweisen. So können alle Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen von Analysen profitieren, ohne zuvor einen Statistikkurs besuchen zu müssen.

SAP.info: Welche sonstigen Entwicklungen bringen Unternehmen dazu, die Verwendung von Analysen neu zu definieren?

Patrick Taylor: Ich glaube, wir sind mit Big Data an einem Punkt angelangt, wo viele einfach nur wissen möchten, wie sich all die beeindruckenden Zahlen und Versprechen auf Ihr Unternehmen auswirken. Es gibt vor allem einen Bereich, in dem sich das gerade vollzieht und das hat mit dem zunehmenden Erfolg von Hackern zu tun.

Unternehmen zählen darauf, dass die Identität der an ihren Systemen angemeldeten Nutzer der wahren Identität der Person entspricht. Diese Gewissheit schwindet, da Hacker sich immer geschickter Zugriff zu internen Benutzerkonten verschaffen. Diese Entwicklung ist zum Teil auf die sozialen Datenmengen zurückzuführen, die öffentlich zugänglich sind. Auf Facebook können betriebsfremde Personen zum Beispiel erfahren, dass sich ein bestimmter Mitarbeiter gerade auf einem Betriebsausflug befindet. Da lässt sich ganz einfach eine schädliche E-Mail mit folgendem Text versenden: „Hallo John, hier einige Bilder von unserem Betriebsausflug.“ Viele Hacker nutzen auch das Social Engineering wie Kevin Mitnick in den 1980er und 1990er Jahren. Dabei handelt es sich um eine soziale Beeinflussung des Gegenübers, um an vertrauliche Informationen zu kommen. So bringen Hacker beispielsweise Kontonummern in Erfahrung, weil sie sich am Telefon als IT-Mitarbeiter der Bank ausgeben. Das sind bekannte Betrügereien, aber sie funktionieren.

Unternehmen müssen sich von der blinden Annahme verabschieden, dass der angemeldete Nutzer auch tatsächlich die Person ist, für die er sich ausgibt. Stattdessen müssen Unternehmen alle Transaktionen so betrachten, als ob ein Informationsleck bestünde. Hat jemand eine unberechtigte Aktivität durchgeführt? Wurde ein abweichendes Verhalten aufgezeichnet? Solche Vorfälle lassen sich durch Analyse der einzelnen Transaktionen feststellen. Hier haben Big-Data-Analysen bereits jetzt Einfluss darauf, was Unternehmen unter Betrug verstehen und wie sie diesen verhindern.

Welches Fazit können wir daraus ziehen?

Wenn wir über Big-Data-Analysen sprechen, geht es meist um Risiken. Genauso gut könnten wir aber auch über die Chancen sprechen, denn Big Data zeigt interessante Anomalien auf, die bekanntlich beides mit sich bringen. Demnach steht Big Data für die Steuerung von Risiken und gleichzeitig die Ergreifung von Chancen.

Patrick Taylor ist President und CEO von Oversight Systems. Taylor hat Oversight 2003 gegründet und es zu einem innovativen und führenden Unternehmen im Bereich der kontinuierlichen Transaktionsanalyse (CTA) geführt. Heute setzen viele Unternehmen und Behörden die CTA-Software von Oversight ein, um aus ihren ERP-, CRM- und Big-Data-Ressourcen Informationen, Maßnahmen und Wettbewerbsvorteile zu generieren.

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